Zum Set von "Sisi"
"Emotionen sind ein Zeichen von Schwäche für Franz"
Redakteurin Charlotte Wittnebel-Schmitz und Schauspieler Jannik Schümann beim  "Kissinger Sommer".
Redakteurin Charlotte Wittnebel-Schmitz und Schauspieler Jannik Schümann beim "Kissinger Sommer".
Foto: Jannik Schümann/Selfie
Bad Kissingen – In "Sisi" mimt Jannik Schümann Kaiser Franz. Uns erzählt er vom emotionalen Zusammenbruch in Sisis Armen und den einsamen Momenten seines Jobs.

Gemeinsam mit Sisi-Schauspielerin Dominique Devenport war Franz-Schauspieler Jannik Schümann am Samstag (9. Juli) Gast beim Kissinger Sommer. Die beiden spielen in der Sisi-Produktion des Streaminganbieters RTL+ das Kaiserpaar. Wir haben vor dem Auftritt mit ihm gesprochen.

Welche Szenen in der ersten Staffel fanden Sie besonders herausfordernd? Und welche spielen Sie aus dem Effeff?

Jannik Schümann: Wahnsinnig herausfordernd waren emotionale Szenen. Zum Beispiel die Schlussszene in der sechsten Folge, die wir relativ am Anfang der Dreharbeiten gedreht haben, als Franz in den Armen von Sisi zusammenbricht. Rein physisch herausfordern waren die Kampfszenen, weil sie körperlich extrem anstrengend waren.

Aus dem Effeff habe ich relativ wenig gespielt, weil der Charakter des Kaisers Franz ganz weit weg ist von Jannik. Das fängt damit an, dass man anderen Verhaltensetiketten folgt. Die Leute am Hof müssen sich beispielsweise vor ihnen höher gestellten Personen verbeugen und rückwärts aus dem Raum herausgehen. Auch wenn ich mir gar nicht so viel merken musste, weil ich als Kaiser nicht so vielen Regeln folgen muss. Als Kaiser habe ich quasi Narrenfreiheit.

Jannik Schümann  war beim "Kissinger Sommer" zu Gast in Bad Kissingen Foto: Charlotte Wittnebel-Schmitz
Jannik Schümann war beim "Kissinger Sommer" zu Gast. Er spielt Kaiser Franz in der Sisi-Produktion des Streaminganbieters RTL+.
Foto: Charlotte Wittnebel-Schmitz

Sie sagen, der Kaiser ist Ihnen ganz fern. Gibt es dennoch bestimmte Charaktereigenschaften von Franz, in denen Sie sich wiedererkannt haben?

Ein großer Unterschied ist tatsächlich, dass ich ein wahnsinnig emotionaler Mensch bin und meine Emotionen gerne zeige. Das ist wahrscheinlich der größte Unterschied. Franz hat ein Leben lang gelernt hat, seine Gefühle zu unterdrücken, Emotionen sind ein Zeichen von Schwäche für ihn. Ihm ein Grinsen zu entlocken, ist etwas, was nicht so leicht vorkommt.

Sie sind mitten in den Dreharbeiten der zweiten Sisi-Staffel. Gibt es bestimmte Dinge, die Sie aus der ersten Staffel gelernt haben, auf die Sie jetzt besonders achten?

Nein, gar nicht so. Das ist meine erste Erfahrung mit einer zweiten Staffel. Das Interessante ist, dass man den Charakter wahnsinnig gut kennt. Wenn man Dinge an einem Dialog oder einer Szene ändern möchte, fängt man an, ganz natürlich aus der Figur heraus zu argumentieren und seine Figur zu verteidigen.

Welchen Spielraum haben Sie für Veränderungen?

Wenn jemand einen tollen Gedanken zu einer Szene oder einen Änderungswunsch hat, ist es egal, wer das äußert, dann wird darüber nachgedacht. Eventuell wird es umgesetzt. Das heißt nicht, dass ich alle Änderungsvorschläge unbedingt durchbekommen möchte. Wenn ich gute Gegenargumente höre, dann gehe ich auch weg von meinen Annahmen. Am Ende soll das Bestmögliche herauskommen, da geht es nicht darum, wer recht hat.

Die Hauptdarsteller Dominique Devenport und Jannik Schümann bei der  Vorstellung der TV-Serie "Sisi" im November vergangenen Jahres.
Die Hauptdarsteller Dominique Devenport und Jannik Schümann bei der Vorstellung der TV-Serie "Sisi" im November vergangenen Jahres.
Foto: Jörg Carstensen/dpa/Archiv

Wann haben Sie das Gefühl, wenn Sie nach einem langen Drehtag ins Bett gehen, das war jetzt wirklich super?

Das kommt darauf an. Man hat Szenen, wo man spielerisch nicht so viel zu tun hat, weil man beispielsweise nur in der Kutsche fährt. Dann gibt es Szenen, wo wirklich viel verhandelt und gespielt wird, wo es um etwas geht. Man merkt schon bei der ersten Stellprobe, ob es so funktioniert, wie es geschrieben ist. Manchmal muss man an einer Szene noch vor Ort herumschrauben. Man merkt dann: Da ist noch irgendetwas falsch.

Dann ist das wie ein Rätsel, das man lösen muss. Manchmal kommt man darauf, dass eine Szene einen ganz anderen Dreh nimmt, wenn man sich dabei zum Beispiel nicht anschaut. Dann hat die Szene auf einmal einen anderen Sinn. Wenn man solche Rätsel knackt, dann fühlt sich das echt schön an.

Wie ist es, wenn Sie zum ersten Mal nach den Dreharbeiten die Staffel sehen? 

Man guckt nur auf sich und man ist wahnsinnig kritisch. Das ist unangenehm. In den meisten Fällen findet man es erstmal nicht so gut. Ich verziehe dann auch mein Gesicht. Am liebsten bin ich dabei allein, sonst habe ich das Gefühl, ich werde beobachtet.

Die anderen sagen einem wahrscheinlich, dass es super war.

Genau, das ist auch schön zu hören, wenn ich die Serie verarbeitet habe. Am Anfang ist es eine emotionale Überforderung. Wir bekommen die Folgen zur Vorbereitung für die Interviews. Das Wichtige ist, dass man das zwei, dreimal vor der Premiere geguckt hat. Denn dann kommen alle zu einem und gratulieren einem. Da muss man schon etwas Abstand gewonnen haben.

Jannik Schümann dreht aktuell die zweite Sisi-Staffel in Riga (Lettland).
Jannik Schümann dreht aktuell die zweite Sisi-Staffel in Riga (Lettland).
Foto: Annette Riedl/dpa/Archiv

Sie sind für die Dreharbeiten in Litauen und Lettland. Für die Rolle hatten Sie Fecht- und Reitunterricht. Welche Aspekte des Berufes sind nicht so glamourös?

Der Beruf bringt auch einsame Momente mit sich. Man hat nicht immer das Glück (wie gerade bei Sisi), dass man mit so vielen Menschen, mit denen man eine starke Verbindung spürt, zusammenarbeitet. Manchmal verbringt man einfach sehr viel Zeit alleine in einem anderen Land und vermisst in diesen Momenten sehr stark seine Freunde und Familie.

Sind sie jemand, der nicht so gerne allein ist?

Ich kann total gut allein sein. Ich lese wahnsinnig gerne, genieße die Ruhe. Aber ich liebe es auch, meine Leute um mich herum zu haben.

Können Sie sagen, wie es in der zweiten Staffel weitergeht?

Es geht weiter um die Liebe zwischen Sisi und Franz, aber vielmehr darum, wie sich diese Liebe im Alltag entwickelt. In der ersten Staffel haben sie sich kennengelernt, haben geheiratet, ihr erstes Kind bekommen und es verloren. Bei der zweiten Staffel beginnen wir mit der Geburt von Rudolph, wir machen also einen Zeitsprung. Franz braucht Frankreichs und Ungarns Unterstützung, weil ein Krieg mit Preußen droht.

Da kommt Sisi ihm zur Hilfe, weil sie einen guten Draht zu Graf Andrássy hat. Sisi erlebt bei ihm ein wildes und freies Ungarn und erlebt Flashbacks zurück in ihre Kindheit, als sie frei leben konnte. Etwas ganz anderes als das, was sie in der Hofburg erlebt - damit droht das System zu kippen.

Das Gespräch führte Charlotte Wittnebel-Schmitz.

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