Schul-Kolumne
Hilfe, mein Kind stört im Unterricht! (2/7)
Junge weint
Stände Beschwerden aus der Schule bringen den Familienfrieden in Gefahr.
Foto: Viki_B/pixabay.com
Franken – Mein Kind stört den Unterricht mit Zwischenrufen und Gesprächen. Was können Eltern tun? Eine Lehrerin gibt Tipps.
Charlotte Wittnebel-Schmitz
Charlotte Wittnebel-Schmitz ist Redakteurin und Crossmedia-Reporterin im Lokalen. Die gelernte Gymnasiallehrerin (Deutsch, Geschichte, Politikwissenschaft/Sozialkunde) unterrichtete an Schulen in Bayern (darunter Gymnasien in Kronach, Kulmbach, Bad Reichenhall), aber auch in Chile und Litauen.
Foto: Jonas Tobias Schmitz
Ihr Kind macht Probleme. Wenn die Schule anruft oder eine Nachricht schickt, die in diese Richtung geht, dann ist das ein deutliches Signal. Denn von den meisten Unterrichtsstörungen werden Sie als Eltern überhaupt nichts mitbekommen. Weder Ihr Kind noch die Lehrer werden Ihnen davon berichten. Denn die meisten Unterrichtsstörungen sind schnell behoben, weil die Lehrkräfte unmittelbar darauf reagieren. Oft reicht ein Blick, eine Geste, ein Kommentar, eine Frage oder eine Ermahnung. 
 
Wenn Sie also als Eltern von der Schule erfahren, dass Ihr Kind im Unterricht stört, können Sie davon ausgehen, dass der Mitteilung meist mehrere Unterrichtsstunden vorausgingen, bei denen Störungen Ihres Kindes so deutlich ins Gewicht fielen, dass der Unterrichtsverlauf massiv behindert wurde. 

Probleme bestehen länger

Sprechen Sie mit Ihrem Kind erst dann darüber, wenn Sie emotional in „sicherem Fahrwasser“ sind. Machen Sie sich Ihre eigenen Emotionen bewusst. Wenn Sie noch ärgerlich oder enttäuscht von Ihrem Kind sind, warten Sie mit einem Gespräch, bis Sie Ihre Emotionen im Griff haben. Ziel ist es, gemeinsam mit Ihrem Kind zu einer Lösung zu kommen.

Selbst ruhig bleiben

Es hilft Ihrem Kind nicht, wenn Sie sich aus der ersten Kurzschlussreaktion mit Ihrem Kind gegen „die Schule“ oder „die blöden Lehrer“ verbünden. Ein bisschen Lästern hilft zwar kurzfristig der Seelenhygiene, sagte meine frühere Pädagogik-Ausbilderin mal. Mehr aber auch nicht.
 
Auch die Reproduktion von eigenen Schulerfahrungen auf Ihr Kind hilft wenig. Ihr Kind macht seine eigenen Erfahrungen. 
 
Es hilft auch nichts, Ihr Kind zusammenzuscheißen, es solle in der Schule keinen Ärger machen. Strafen wirken zwar kurzfristig. Sie bewirken aber oft nur eine Beziehungsverschlechterung zwischen Ihnen und Ihrem Kind. Und: Strafen bewirken langfristig oft keine Verhaltensänderung aus innerer Einsicht, sondern wenn überhaupt aus Angst.

Genau zuhören

Schildern Sie Ihrem Kind stattdessen, was Sie von den Lehrern gehört haben, und fragen Sie es nach seiner Sichtweise. Dabei heißt es genau zuhören und nachfragen. 
 
Es kann sein, dass Ihr Kind sehr konkret formulieren kann, was schiefläuft. Das ist wunderbar. Wahrscheinlicher ist, dass Ihr Kind etwas sagt wie: „Der Unterricht ist langweilig.“ „XY ist blöd.“ Es lohnt sich, das nicht so stehen zu lassen, sondern nach und nach dem in gemeinsamen Gesprächen nachzugehen.

Was frustriert Ihr Kind?

Wenn Ihr Kind im Unterricht stört, ist es meist frustriert. Der Grund kann alles Mögliche sein. Folgende Themengebiete könnten Sie ansprechen.
Die Fragen sind als eine Art Ideensammlung zu verstehen: 
  • Ist der behandelte Stoff eher einfach oder zu schwer?
  • Gibt es Wissenslücken aus den Vorjahren?
  • Wie schätzt Ihr Kind sein eigenes Lern- und Arbeitsverhalten ein? Was kann es besser machen? 
  • Wie sehr strengt es sich an?
  • Kann sich Ihr Kind gut konzentrieren?
  • Hört und sieht Ihr Kind richtig?
  • Warum spricht die Art, wie die Lehrkraft den Unterricht gestaltet, Ihr Kind nicht an?
  • In welchen Unterrichtsstunden funktioniert es gut, wann eher weniger?
  • Hat Ihr Kind das Gefühl, dass der Lehrer/die Lehrerin es nicht mag?
  • Hat es möglicherweise sogar Angst?
  • Gab es Konflikte zuhause, die Ihr Kind gedanklich mit in die Schule genommen hat? 
  • Gibt es Ärger mit Klassenkameraden?
  • Hat Ihr Kind das Gefühl, als „Klassenclown“ wird es beliebter?
  • Wie selbstbewusst fühlt sich Ihr Kind grundsätzlich? 
Die lange Auflistung zeigt: Es gibt viele Faktoren, die sich auf die Motivation und Leistungsbereitschaft Ihres Kindes auswirken können. Oftmals kommen auch mehrere Faktoren zusammen. 
 
Überlegen Sie gemeinsam nach Lösungen und schreiben Sie sie auf. Sprechen Sie dann offen mit der Lehrkraft darüber, was Ihnen aufgefallen ist. 
 
 
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