Schul-Kolumne
Wie bekomme ich mein Kind dazu, mehr zu lesen? (7/7)
Ein Kind liest ein Buch
Ein Kind liest ein Buch
Foto: StockSnap/pixabay.com
Franken – Wie motiviere ich mein Kind zum Lesen? Eine Lehrerin gibt Tipps.
Charlotte Wittnebel-Schmitz
Charlotte Wittnebel-Schmitz ist Redakteurin und Crossmedia-Reporterin im Lokalen. Die gelernte Gymnasiallehrerin (Deutsch, Geschichte, Politikwissenschaft/Sozialkunde) unterrichtete an Schulen in Bayern (darunter Gymnasien in Kronach, Kulmbach, Bad Reichenhall), aber auch in Chile und Litauen.
Foto: Jonas Tobias Schmitz

Lesen ist ein Alleskönner. Es fördert die Konzentration und die  sprachliche und emotionale Entwicklung. Es regt die Kreativität an, hilft bei der Lösung von Konflikten, schafft Nähe und vermittelt Wissen.

 Wie schaffen wir es, dass unser Kind mehr liest? Das fragten mich Eltern häufiger. „Lesen Sie denn selbst?“, schoss es mir dann durch den Kopf. Haben Kinder Lesevorbilder in ihrer Umgebung, tut ihnen das gut.

Lernen am Modell

Die Lerntheorie nennt das „Lernen am Modell“. Der Psychologe Albert Bandura beschreibt damit grob zusammengefasst, dass Ihr Kind eine Verhaltensweise oder eine Fähigkeit lernt, indem es Sie beobachtet und nachahmt. Ein Beispiel dafür ist, dass kleine Kinder, die noch gar nicht lesen können, Geschichten „vorlesen“, indem sie mit dem Buch vor der Nase ihre Lieblingsgeschichten auswendig vortragen, weil sie ihre Eltern oft gehört und so gesehen haben. 

Schon im Kleinkindalter vorlesen

Fangen Sie früh damit an, Lesen in den Alltag Ihres Kindes zu integrieren und zu einem Ritual zu machen. Auch Babys mit drei Monaten kann man kleine Bilderbücher mit wenig Text vorlesen. Für Kindergarten- und Grundschulkinder ist es wunderschön, abends mit Mama oder Papa vor dem Einschlafen im Bett zu kuscheln, ein Buch anzuschauen oder eine schöne Geschichte vorgelesen zu bekommen. 

Wenn ein Kleinkind eine Geschichte zum x-ten Mal vorgelesen bekommen will, dann lesen Sie die Geschichte ohne Sorge noch einmal. Wiederholungen geben Ihrem Kind Sicherheit und sorgen für eine tiefe Verankerung im Gedächtnis.  

Vorlesen ist wunderschön

Behalten Sie die beliebte Vorlese-Tradition bei, auch wenn Ihr Kind selbst lesen kann. Diese warmen Momente der Nähe und Entspannung stärken nicht nur die Bindung zwischen Ihnen und Ihrem Kind, sondern sie sind auch gut für das Gehirn Ihres Kindes und für Ihr eigenes.

Vorgelesen bekommen, dafür ist man nie zu alt. Auch ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene finden daran Freude. Fragen Sie Oma, Opa, einen Freund oder eine Freundin und lassen Sie sie auch mal vorlesen. Nutzen Sie das Tablet, wenn diese zu weit weg wohnen  – ein gewisses Technikverständnis vorausgesetzt, alternativ das Telefon. 

Lesen Sie regelmäßig mit Ihrem Kind (zum Beispiel jeden Abend) und schaffen Sie einen gemütlichen Bereich (mit Kissen und Decken), wo Sie ungestört sind. Verbannen Sie alles, was stört!  Machen Sie das Smartphone leise, das Radio, den PC und den Fernseher aus! Im besten Fall sollte niemand ins Zimmer reinplatzen. 

Lesen als festes Ritual

Kurze Einheiten (zehn bis fünfzehn Minuten) lassen sich in den Alltag integrieren. Fragen Sie am Anfang Ihr Kind, ob es noch weiß, was beim letzten Mal in der Geschichte passiert ist und lassen Sie es erzählen.

Beim Vorlesen darf Ihr Kind sich leise beschäftigen (etwa mit spielen oder malen), wenn es das möchte und Sie den Eindruck haben, dass es konzentriert zuhört.

Über das Gelesene sprechen

Legen Sie kurze Pausen ein und sprechen Sie mit Ihrem Kind über das, was Sie lesen. Fragen Sie etwa: „Was denkst du darüber? Was würdest Du, in dieser Situation machen? Gibt es Wörter oder etwas anderes, das Du nicht verstanden hast?“ 

 Ein bisschen Theater

Verändern Sie beim Lesen Ihre Stimme, wenn unterschiedliche Figuren auftreten. Werden Sie mal lauter, mal leiser. Übertreiben Sie ruhig etwas, so als wären Sie beim Theater. Das Gehörte wird dadurch spannender. Sprechen Sie lustiger oder trauriger, je nachdem was Sie lesen. Setzen Sie Pausen und verdeutlichen Sie das Gelesene mit der Stimme, mit Mimik oder Gestik, dann wird Ihr Kind besser zuhören und Zusammenhänge leichter verstehen.

Alles was gelesen werden kann und Ihrem Kind Spaß macht, darf gelesen werden, egal welches Thema. Suchen Sie mit Ihrem Kind gemeinsam das Buch aus.  Buchläden und Bibliotheken bieten eine riesige Vielfalt. Über die „Onleihe“ kann man Bücher, Zeitschriften, Comics und Hörbücher digital lesen und hören. Es gibt auch Computerspiele oder Apps, bei denen die Kinder lesen. Vielfalt ist Trumpf.

Dies ist die letzte Folge unserer siebenteiligen Serie, in denen Eltern Tipps von Charlotte Wittnebel-Schmitz,  Redakteurin der Saale-Zeitung und Lehrerin, für den Schulalltag ihrer Kinder erhalten.

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