Nach Skandal-Video
Kulmbacher Schlachthof zieht Konsequenzen
Heimliche Videoaufnahmen von der Schweinebetäubung im Kulmbacher Schlachthof hatten für Entsetzen gesorgt.
Heimliche Videoaufnahmen von der Schweinebetäubung im Kulmbacher Schlachthof hatten für Entsetzen gesorgt.
Foto: Soko Tierschutz; Illustration: Franziska Schäfer
Kulmbach – Der Skandal um die Videos aus dem Schlachthof hat Folgen. Für drei Mitarbeiter - und für die Tiere.

Der Schlachthof Kulmbach ist in den vergangenen Tagen deutschlandweit in die Schlagzeilen geraten, nachdem die Organisation "Soko Tierschutz" heimlich gefilmte Aufnahmen mit Tierquälereien an das ARD-Magazin "Report Mainz" und die Süddeutsche Zeitung weitergeleitet hat. Zu sehen war auf den Videos, was die Schweine während des Betäubens mit Kohlendioxid durchmachen und wie sie von Mitarbeitern des Schlachthofes getreten und mit Elektrotreibern in die Gasgondel gezwungen wurden.

Soko war bei der Pressekonferenz

Der Schlachthof Kulmbach ist ein kommunaler Betrieb, bis Dienstag schwieg Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) öffentlich zu den Vorkommnissen. Nun nahm er bei einer Pressekonferenz ausführlich Stellung. Ihm zur Seite standen Hauptamtsleiter Matthias Schmidt und Pressesprecher Jonas Gleich; der Leiter des Schlachthofs, Dirk Grühn, war nicht anwesend. Dafür eine Vertreterin der "Soko Tierschutz", die die Pressekonferenz aufzeichnete und am Ende mit den Worten "Es war die typische Augenwischerei und ein Wegschieben der Verantwortung" kommentierte.

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Das dürfte OB Lehmann anders sehen, denn er wiederum betonte: "Mir ist wichtig, dass die Vorgänge im Schlachthof Kulmbach auf Grundlage von Recht und Gesetz ablaufen, dass die Tiere nicht gequält und keinem unnötigen Leid ausgesetzt werden und dass die Mitarbeiter, die untragbare Fehler im Umgang mit den Schweinen begangenen haben, hierfür Konsequenzen tragen müssen."

Welche Konsequenzen ziehen der Schlachthof und die Stadt Kulmbach aus den tierquälerischen Aufnahmen?

Die drei Mitarbeiter auf den Videos haben Abmahnungen erhalten und wurden vom Schlachthofleiter an Arbeitsplätze versetzt, wo sie nicht mehr mit lebenden Tieren arbeiten. Einer hatte ein Schwein mehrmals massiv getreten, die zwei anderen hatten Elektrotreiber eingesetzt, was laut EU-Recht zwar zulässig, in einer betriebsinternen Vereinbarung im Kulmbacher Schlachthof aber untersagt ist. Die Elektrotreiber befinden sich im Betrieb, weil sie bei der Rinderschlachtung genutzt werden.

Des Weiteren prüft die Stadt derzeit, ob es arbeitsrechtlich möglich ist, die drei Mitarbeiter zu kündigen. Das hängt aber auch vom Ausgang eines möglichen Verfahrens wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz ab (die "Soko Tierschutz" hat Anzeige erstattet).

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Um ähnliche Vorfälle künftig zu vermeiden, überlegt die Stadt derzeit außerdem, eine Videoüberwachung im Schlachthof installieren zu lassen, ein entsprechender Kostenvoranschlag wurde bereits angefordert.

Der Betrieb am Schlachthof läuft weiter, doch die Betäubung mittels Kohlenstoffdioxid wurde am Montag für einen Schlachttag ausgesetzt. OB Lehmann betonte, dass dieses Verfahren in der Fleischindustrie weltweit die übliche Methode sei und man in Kulmbach mit der Erhöhung der CO2 -Konzentration von den vorgeschriebenen 80 auf 95 Prozent die Betäubungsphase so kurz wie möglich halten wolle. Derzeit werden die Tiere mit der zweiten gängigen Methode, mittels einer Elektrozange, betäubt. Dabei ist die Fehlbetäubungsquote allerdings höher als mit CO2. Dies wurde, so OB Lehmann, am Montag noch einmal deutlich, als im Beisein des Schlachthofleiters und von Veterinären der Kontrollbehörden 320 Schweine geschlachtet wurden. Dabei habe es 100 Fehlbetäubungen gegeben. "Das ist eigentlich schlimmer, das muss man ehrlich sagen", so Lehmann.

Wie sind die Aufnahmen im Kulmbacher Schlachthof eigentlich entstanden?

Die Vertreterin der "Soko Tierschutz" aus München, Stephanie Keller, betonte am Rande der Pressekonferenz noch einmal, dass ihre Organisation die Videoaufnahmen nicht selbst gemacht habe, sondern diese der Soko von Tierschutzaktivisten zugespielt worden waren. Man wisse aber, dass die Aufzeichnungen im Frühjahr erfolgt seien - an insgesamt fünf Tagen über einen Zeitraum von mehreren Wochen. Die Kameras seien dafür mehrmals auf- und wieder abgehängt worden. Sowohl die illegal angebrachten Geräte als auch deren Installation blieben unbemerkt, wie OB Lehmann gestern auf Nachfrage erklärte. Es habe keine Einbruchsspuren gegeben.

Wie sieht die Zukunft des Schlachthofs Kulmbach aus?

Die Stadt Kulmbach will den Schlachthof als kleinen, regionalen Betrieb auf jeden Fall erhalten und wird dafür in Zukunft auch weiter investieren, wie OB Lehmann gestern unterstrich. Im ersten Schritt wird derzeit eine Pilotanlage zur sanfteren Betäubung mit Helium entwickelt. Der Auftrag zum Bau dieser weltweit einzigartigen Anlage wurde mittlerweile in Auftrag gegeben, Mitte Oktober soll sie fertig sein. Außerdem soll der Schlachthof zur gläsernen Bio-Regio-Fleischmanufaktur umgebaut werden. Diese Vision wird OB Ingo Lehmann am 22. Juni zusammen mit MdB Emmi Zeulner (CSU) und seinem Stellvertreter Frank Wilzok (CSU) im Bundeslandwirtschaftsministerium vorstellen.

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