Impfpflicht im Job
Ungeimpfte Pflegekräfte: Die Angst vor dem Aus
Ab Mitte März gilt die Impfpflicht im Gesundheitswesen. Ob auch das Kulmbacher Klinikum Personal verlieren wird?
Ab Mitte März gilt die Impfpflicht im Gesundheitswesen. Ob auch das Kulmbacher Klinikum Personal verlieren wird?
Foto: Symbolbild: Ronald Rinklef
Kulmbach – Ab März gilt die Impfpflicht im Gesundheitswesen. Zwei ungeimpfte Kulmbacher Pflegekräfte erzählen von der Angst um ihren Job und dem Impf-Druck.

Er rückt näher und näher, der Tag, an dem es mit dem Beruf, der für sie eine Berufung ist, vorbei sein könnte. "Ich bin innerlich zerrissen", sagt beim Treffen mit unserer Zeitung eine Pflegekraft, die zu den Beschäftigten am Kulmbacher Klinikum gehört, die nicht geimpft sind und Gefahr laufen, Mitte März ihren Job zu verlieren - dann, wenn die Impfpflicht in den Einrichtungen des Gesundheitswesens gilt.

Arbeiten darf in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder auch Arztpraxen dann nur noch, wer vollständig geimpft ist. Die Frage, die die Pflegekraft quält: "Soll ich dem Druck nachgeben und mich impfen lassen, obwohl ich es eigentlich nicht will?"

Keine Corona-Leugnerin

Auf eines legt die Frau bei unserem Gespräch großen Wert: auf die Feststellung, dass sie keine Corona-Leugnerin ist. Sie wisse, dass auch am Klinikum Patienten mit oder am Virus verstorben sind, dass die, die einen schweren Verlauf hatten, zuweilen unter Spätfolgen leiden.

Warum sie sich trotzdem nicht impfen lassen will? Es ist die Skepsis gegenüber Vakzinen, die immer noch nur "bedingt zugelassen" sind, die Angst vor einem Impfschaden. "Ich kenne etliche aus meinem Umfeld, die nach einer Impfung erhebliche gesundheitliche Probleme hatten. Der zeitliche Zusammenhang stimmt mich sehr nachdenklich."

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Sie fürchtet Nebenwirkungen, die es wie bei allen anderen Impfungen gebe. Bei Covid-19 würden die in der Öffentlichkeit und in den Medien kaum thematisiert. Es seien Vakzine, die für den Geimpften keinen wirklich sicheren Schutz böten, die auch nicht verhinderten, dass der Geimpfte das Virus weiter trägt.

Sie kann nicht nachvollziehen, dass sie der Staat zwingen will, "unter diesen Umständen eine Handlung an meinem Körper vornehmen zu lassen". Die Pflegerin zweifelt nicht nur den Sinn der Impfpflicht im Gesundheitswesen, sondern auch den einer generellen Impfpflicht an. Zu viele Fragen seien ungeklärt: "Müssen wir uns dann alle drei Monate impfen lassen, wenn auch der vierte, fünfte oder sechste Booster keine längerfristige Wirkung zeigt?"

Sie kann zudem nicht nachvollziehen, dass man an Krankenhäusern nicht am bisherigen Vorgehen festhält, mit dem man auch dem Patientenschutz gerecht werde. "Medizinisches Personal, das nicht geimpft ist, wird täglich auf Covid-19 getestet."

Impfquote von 92 Prozent unter den Mitarbeitern

Wie man sich fühlt, wenn sich, wie es heißt, über 90 Prozent der Klinikum-Mitarbeiter haben impfen lassen und man zu den "Außenseitern" gehöre? "Bei einer Impfquote von 92 Prozent, die die Geschäftsführerin nennt, sind bei 1800 Beschäftigten acht Prozent Ungeimpfte immerhin noch eine stattliche Zahl", sagt die Pflegekraft, die weiß, dass hinter dem Rücken der Ungeimpften viel getuschelt wird.

"Das ist sehr belastend. Es war für mich vor Monaten noch undenkbar, dass man in Deutschland, weil man sich nicht zu einer Impfung hat durchringen können, teilweise sogar als asozial abgestempelt wird. Heute ist das leider Realität."

Politik schaffe "Atmosphäre der Angst"

Die Politik sorge für eine Atmosphäre der Angst und schüre Panik, wodurch Impfskeptiker Anfeindungen ausgesetzt seien. "Unsere Argumente werden nicht gehört, auch von den Medien werden wir oft in die Reihe der Querdenker eingeordnet, obwohl wir uns von denen klar distanzieren." Die Folge: "Man traut sich kaum zu sagen, was man denkt."

Die Pflegerin hat schlaflose Nächte, weil sie sich der Tatsache bewusst ist, dass sie mit einem Nein zur Impfung bald auf der Straße stehen würde. Wie es dann weiter ginge? "Ich weiß es nicht. Ich müsste mir was anderes suchen", sagt die Frau, der es wie vielen Tausend Kollegen in ganz Deutschland geht.

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Das Datum 15. März bereitet ihr wie auch anderen Mitarbeitern am Klinikum große Sorgen. Das weiß auch eine andere Pflegekraft, mit der wir telefoniert haben. Sie spricht von einer angespannten Atmosphäre im Haus. "Die Stimmung ist alles andere als toll." Die Frau hat sich impfen lassen - weil sie ihren Job behalten und im Privatleben die Freiheiten genießen wolle, die der Staat Ungeimpften mehr und mehr nehme.

Corona-Impfung aus Angst um den Arbeitsplatz

Sie kenne sehr viele Kollegen, die sich nicht aus Überzeugung, sondern aus Angst um den Arbeitsplatz hätten impfen lassen, aber auch solche, die bis dato bei ihrem Nein geblieben sind. Was wäre, wenn diese freigestellt würden? "Ich mag mir das gar nicht vorstellen, weil die Versorgung der Patienten aufgrund der Personalnot schon jetzt kaum sichergestellt werden kann", sagt die Frau, die auf den Arbeitskräftemangel im Pflegebereich verweist. Es müsste dann schnellstmöglich Ersatz geholt werden, "denn neue Kräfte müssen ja auch erst einmal eingearbeitet werden".

Der Personalrat ist davon überzeugt, dass es zu Freistellungen und in der Folge zu Kündigungen kommen wird. "Damit ist nach den Gesprächen, die wir mit Beschäftigten geführt haben, zu rechnen", sagt Vorsitzender Frank Wilzok, der weiß, dass jede Kraft, die das Klinikum verlässt, eine große Lücke hinterlässt.

Die Entscheidung naht

Ob die Geschäftsführung Ersatz für die Pflegekraft suchen muss, die ungeimpft ist und bei unserem Treffen von ihrer inneren Zerrissenheit berichtet hat? In den nächsten Wochen wird es sich zeigen. Die Frau muss eine Entscheidung treffen. Lässt sie sich gegen ihren Willen impfen, um weiter am Kulmbacher Klinikum arbeiten zu können? Oder lehnt sie die Impfung ab? Dann wären die Folgen fatal: Ihren Beruf, der für sie eine Berufung ist, müsste sie dann an den Nagel hängen.