Energie
Strompreis: Stadtwerke ziehen Notbremse
Die Strompreise sind zurzeit nicht kalkulierbar, sagt Stadtwerke-Chef Stephan Pröschold.
Die Strompreise sind zurzeit nicht kalkulierbar, sagt Stadtwerke-Chef Stephan Pröschold.
Foto: Symbolbild: stockfotos-mg
Kulmbach – Die Preise am Energiemarkt explodieren. Das trifft Haushalte hart, zumal manche Anbieter sogar die Lieferung einstellen. Auch die Stadtwerke Kulmbach reagieren: Sie nehmen vorerst keine Neukunden mehr auf.

Es war unangenehme Post, die bei vielen Deutschen zum Jahreswechsel im Briefkasten gelandet ist. Etliche Energieversorger haben auch bei Kulmbacher Haushalten die Stromlieferung eingestellt, kleinere Anbieter haben gar Insolvenz angemeldet, weil sich die Beschaffungspreise am Energiemarkt in den vergangenen Wochen extrem erhöht haben und sie nicht mehr betriebswirtschaftlich arbeiten könnten, wie sie auf ihren Onlineportalen verkünden.

Die Lichter gehen nicht aus

Bei den betroffenen Kunden gehen zwar nicht die Lichter aus, doch die Haushalte fallen nach einer Kündigung in die örtliche Grundversorgung, die oftmals viel teurer ist. Viele Grundversorger haben zudem angekündigt, die Strompreise teils erheblich zu erhöhen - Kunden müssen dann oftmals Mehrkosten von vielen Hundert Euro berappen.

Es gibt auch im Landkreis Kulmbach viele Betroffene, denen Verbraucherzentralen raten, sich gegen die ihrer Ansicht nach nicht rechtskräftige Kündigung zu wehren (siehe "Kündigung: Das sollte man tun").

Eon ist Grundversorger

In unserer Region übernimmt Eon die Grundversorgung. "Wir sind uns unserer Verantwortung als Grund- und Ersatzversorger bewusst. Während sich einige Discountanbieter in dieser schwierigen Marktsituation ihrer Verantwortung entziehen und sogar ihre Kunden kündigen, springen wir in vielen Regionen ein, auch für die Stromkunden der Region Kulmbach ", sagt Eon-Pressesprecher Mario Leikop. Er spricht von einer aktuell historisch einzigartigen Lage auf den Energiemärkten und stellt fest: "Selbstverständlich beliefern wir deshalb Kunden , die neu zu uns in die Ersatzversorgung kommen, zuverlässig mit Energie." Eine Aufteilung von Tarifen für neue Kunden abseits der Ersatz- und Grundversorgung zu höheren Preisen sei aktuell nicht geplant. "Wir beobachten die Entwicklung auf den Energiemärkten natürlich kontinuierlich und intensiv und begrüßen, dass die Politik ihre Verantwortung wahrnimmt, im entsprechenden Rahmen zu einer Beruhigung an den Energiemärkten beizutragen."

Preise müssen neue kalkuliert werden

Ob die Politik ihrer Verantwortung gerecht wird, ob sie sich die Märkte beruhigen? Auch die Kulmbacher Stadtwerke , die seit dem Jahr 2017 Strom anbieten, haben mit der Preisentwicklung zu kämpfen. Während Bestandskunden weiter bedient werden, werden derzeit keine Neukunden mehr angenommen. "Aufgrund von enorm gestiegenen Beschaffungspreisen sind wir gezwungen, unsere Neukundenpreise zu überarbeiten", sagt Stadtwerkeleiter Stephan Pröschold, der von einer verrückten Situation spricht. Eine Kalkulation sei bei den derzeit explodierenden Preisen nicht möglich, betont Pröschold, nach dessen Worten die Stadtwerke etwa den Strom, den sie 2022 liefern, über zwei, drei Jahre im Voraus in Teilmargen eingekauft haben. "Wir machen das, weil wir kein Risiko eingehen und unseren Kunden attraktive Konditionen bieten wollen."

"Nachfrage ist groß"

Die 8000 Bestandskunden würden weiterhin beliefert. "Wir haben ihnen eine moderate Preiserhöhung angekündigt", sagt Pröschold, nach dessen Worten man bei den Stadtwerken um die 30 Cent für die Kilowattstunde zahlt. Ein Preis, der bei Neukunden ("Die Nachfrage war im Dezember groß") nicht zu halten gewesen wäre. "Weil wir kurzfristig Strom zu teuren Konditionen hätten nachkaufen müssen, wäre jeder Neukunde für uns ein Verlustgeschäft gewesen."

Die Schwankungen an der Strombörse seien derzeit extrem. Habe der Börsenhandelspreis für eine Kilowattstunde in den vergangenen Jahren deutlich unter 10 Cent gelegen, so habe er sich im Dezember zwischenzeitlich auf 37 Cent erhöht. Die Senkung der EEG-Umlage, die die Kunden entlasten soll, werde aufgefressen. Pröschold hofft, dass sich die Lage entspannt und die Stadtwerke im Frühjahr wieder neue Kunden beliefern können.

Stadtwerke machen sich unabhängig

Der städtische Eigenbetrieb macht sich übrigens unabhängig. Die Stadtwerke haben den Strom, der in der großen Photovoltaikanlage produziert werden wird, die bei Grafendobrach entsteht, komplett eingekauft. "Das wird unseren Preis stabilisieren", so Pröschold. Es ist eine erfreuliche Nachricht für die Kunden in einer ansonsten verrückten Zeit.