Chaos vor der Tür
Wann wird Döllnitz endlich erlöst?
Millimeterarbeit: Rangieren ist angesagt, wenn sich in der Döllnitzer Ortsdurchfahrt Laster entgegenkommen.
Millimeterarbeit: Rangieren ist angesagt, wenn sich in der Döllnitzer Ortsdurchfahrt Laster entgegenkommen.
Foto: privat
Döllnitz – Der Verkehr setzt den Anwohnern des kleinen Ortes im Landkreis Kulmbach gewaltig zu. Der Traum von der Umgehung rückt in immer weitere Ferne.

Sie wohnen in einem kleinen, beschaulichen Ort, dem eines gehörig zusetzt: der Verkehr. "Das ist eine Katastrophe", sagen Wolfgang Schmidt (76) und Rainer Kolb (73), die in Döllnitz Tag für Tag ein trauriges Schauspiel erleben. Dann sobald Autos auf Lastwagen treffen, geht in der engen und kurvigen Ortsdurchfahrt oft gar nichts mehr.

Wenn die Müllabfuhr, der Schulbus oder das Postauto auf der Staatsstraße unterwegs sind, ist Hin- und Herrangieren angesagt. "Das nervt", sagt Rainer Kolb, der zu wissen glaubt, warum gerade auch viele Lkw mit auswärtigen Kennzeichen den Weg durch Döllnitz nehmen und die Straße dann blockieren. "Weil sie auf der Route nach Kulmbach Maut sparen, wenn sie die kürzere Strecke durch unser Dorf nehmen und nicht bis zur Autobahnausfahrt Unterbrücklein fahren."

Das Nadelöhr

Das Döllnitzer Nadelöhr ist ein Ärgernis für Einheimische wie auch für Autofahrer aus umliegenden Ortschaften, die regelmäßig durch den Kasendorfer Gemeindeteil müssen. "Haben die Döllnitzer keine Lobby?", fragt die Thurnauerin Kornelia Vogel und führt an: "Bei jeder Fahrt durch Döllnitz bange ich, dass nicht Bus und Lastwagen aufeinandertreffen. Denn dann dauert es ewig bis zur Weiterfahrt."

Mit dem Blick darauf, dass die Umgehungen von Untersteinach und Stadtsteinach fertiggestellt sind und der Tunnelbau von Kauerndorf zeitnah in Angriff genommen werden soll, fragt sie: "Was ist aus den Plänen für Döllnitz geworden? Wann kann dort mit einer Entlastung gerechnet werden?"

Der Wunsch: ein ruhiges Dorfleben

Eine Frage, die sich auch die direkten Anlieger Wolfgang Schmidt und Rainer Kolb stellen, die sich ein ruhiges Dorfleben wünschen - ohne Verkehrslärm und -abgase, mit weniger Gefahren. Spazieren gehen sei auf der Ortsdurchfahrt kaum möglich, sagt Wolfgang Schmidt . "Viele nehmen den Umweg über Gassen und Hinterhöfe, weil es auf der Straße zu riskant ist. Weil kaum Platz für Fußgänger da ist und die Fahrer dort, wo es sie gibt, auf die Gehwege ausweichen." Stauungen stünden auf der Tagesordnung: "Auch für den Rettungswagen gibt es oft kein Durchkommen."

So sehen die Planungen für die Umgehung aus.
So sehen die Planungen für die Umgehung aus.
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Dabei schien der Traum von der Umgehung 2011 so nah, doch hatte die Staatsregierung die großen Hoffnungen der Döllnitzer enttäuscht: Im siebten Ausbauplan für Staatsstraßen in Bayern wurde damals die Umfahrung auf die zweite Dringlichkeitsstufe zurückgestuft. Auch der damalige Bürgermeister Bernd Steinhäuser ( CSU /OL) war schockiert. Er hatte mit einer Höherstufung gerechnet und erklärt: "Dann wäre die Umgehung in den nächsten zehn Jahren mit Staatsmitteln realisiert worden."

Mark finanziert Staatsstraße mit

Daraus wurde nichts. Um das Projekt nicht ganz aus den Augen zu verlieren, hat sich die Marktgemeinde bereiterklärt, die Umfahrung über die "Kommunale Sonderbaulast" selbst mit zu finanzieren. Was sich in den vergangenen zehn Jahren getan hat? "Wir haben das Projekt vorangetrieben, sind jetzt so weit wie noch nie", stellt der heutige Bürgermeister Norbert Groß ( CSU ) fest, der auf ein schwieriges Verfahren blickt. "Wir waren allein über zwei Jahre damit beschäftigt, Auflagen des Natur- und Artenschutzes zu erfüllen."

Um Feldlerchen zu schützen, müssten Flächen vorgehalten werden, die nicht bewirtschaftet werden. "Wir haben Landwirte gefunden, die eine entsprechende Vereinbarung eingegangen sind." Die Gemeinde habe ihre Hausaufgaben gemacht, alle geforderten Unterlagen und Gutachten eingereicht.

Jetzt sei die Regierung gefordert, das Planfeststellungsverfahren durchzuführen. Groß hofft auf eine schnellstmögliche Umsetzung des Bauvorhabens, "weil davon auch die Erschließung des bei Krumme Fohre geplanten Gewerbegebiets abhängt".

Auch Richtung Krumme Fohre und Thurnau

Denn nicht nur die eigentliche Umfahrung soll in Angriff genommen werden - die Staatsstraße soll auf der gesamten Strecke zwischen Krumme Fohre und Thurnau erneuert werden, wobei der Freistaat bis auf die Umgehung das Projekt in vollem Umfang finanziert. Der Markt muss bei den Kosten für die Umgehung mit ran, die einst allein auf 3,4 Millionen Euro geschätzt worden waren, sich über die Jahre mit steigenden Baupreisen aber wohl deutlich erhöht haben.

Die finanzielle Last

Was die Situation 2022 erschwert: Die Anfang der 2010er-Jahre noch mit einem dicken finanziellen Polster ausgestattete Kommune ist heute finanziell nicht mehr so gut aufgestellt. "Weil wir viele Projekte in Angriff nehmen. Durch die Baumaßnahmen im Ortskern sind in unserem neuen Haushalt keine Rücklagen mehr vorhanden", sagt Norbert Groß, der sich nicht zuletzt auch deshalb an die zuständigen Ministerien in München gewandt hat, mit dem Ziel, den Eigenanteil möglichst gering zu halten. "Wir setzen darauf, dass der Freistaat die komplette neue Staatsstraßentrasse finanziert", sagt Groß, der hofft, dass er Bau- und Verkehrsministerin Kerstin Schreyer bei einem Ortstermin im Februar in Döllnitz zum Umdenken bewegen kann.

Dass der Freistaat einlenkt, das wünscht sich auch Wolfgang Schmidt , der Anwohner in anderen Landkreisgemeinden beneidet: "Wäre beispielsweise nur ein Bruchteil des Geldes, das für die gigantische Umgehung bei Untersteinach ausgegeben wurde, bei uns gelandet, wären auch wir erlöst."

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