Soziales
Projekt U25 für suizidgefährdete Jugendliche fürchtet Aus
von dpa
Nürnberg – Wann immer es in Bayern um psychisch belastete Jugendliche geht, etwa wegen Depressionen, Ängsten und Zwängen im Zuge der Corona-Pandemie, fällt der Hinweis auf U25. Doch das Hilfsprojekt steht vor dem Aus, weil die Förderung endet. Dabei reicht das Geld schon jetzt nicht.

Das von der Staatsregierung hoch gelobte Online-Hilfsprojekt für suizidgefährdete Jugendliche namens U25 Nürnberg fürchtet durch den Wegfall staatlicher Fördergelder das Aus. «Wir bekommen immer wieder die Rückmeldung, wir sind ganz wichtig, und das macht viel Sinn, aber wir wissen einfach nicht, wie wir ab 2025 das gesamte Projekt finanzieren sollen», sagte Teamleiterin Jenny Catsam der Deutschen Presse-Agentur.

«Wir haben die Förderbewilligung bis Ende 2024, aber weil das ja in der Regel einmalige Projektfinanzierungen und wir kein neues Projekt sind, wird der Förderbetrag mit 90-prozentiger Sicherheit weder vom Bund noch vom Land weitergeführt.» Bei U25 betreuen gleichaltrige, speziell geschulte Ehrenamtliche lebensmüde Jugendliche per Email. Dieses Konzept falle durchs übliche Raster für dauerhafte Förderungen, erläuterte Catsam.

Als wesentlichen Schritt zur Sicherung einer dauerhaften Finanzierung sehen Bund wie Land eine derzeit laufende Evaluationsstudie, die die Wirksamkeit des Beratungsangebots wissenschaftlich bestätigen soll. «Ziel ist es, dass der Deutsche Caritasverband als Träger des Projektes auf Grundlage eines solchen Wirksamkeitsnachweises andere Geldgeber (bspw. gesetzliche Krankenkassen etc.) akquirieren kann», teilte das Bundesministerium für Jugend auf Anfrage mit.

Doch der Weg über die Kassen scheint kein gangbarer zu sein. «Bisher hieß es von den Krankenkassen immer, dass auschließlich Selbsthilfe oder Gesundheitsprävention gefördert wird, und unter beides fallen wir nicht», erläuterte Catsam. «Da wurden wir immer abgewiesen.» Außerdem könne das Projekt nicht wie bei Krankenkassen üblich jeden Einzelfall abrechnen, da U25 vertraulich arbeite und keinen Zugriff auf die Gesundheitskarte der Ratsuchenden habe.

Etwas mehr Spielraum für Hoffnung lässt die Antwort des bayerischen Gesundheitsministerium, das U25 als «Leuchtturm-Projekt in einem wichtigen Tätigkeitsfeld» bezeichnet. Auf Basis der Evaluationsstudie werde eine Verstetigung des Projekts bis zum Auslaufen der bisherigen Förderung geprüft, hieß es aus dem Münchner Ministerium, das bisher einen Großteil der Förderung bereitstellt. Der Zeitraum dafür aber ist knapp bemessen: Der Entwurf des Endberichts soll bis Ende September vorliegen. Ohne weitere Förderzusage müsste U25 seine Arbeit Ende Dezember einstellen.

Und schon jetzt bräuchte U25 Nürnberg eigentlich wesentlich mehr als die bisher von offiziellen Stellen zugeschusterten 80.000 Euro; 8000 legt noch der Caritasverband Nürnberg als Träger obendrauf. Denn die Nachfrage von Jugendlichen in Krisen ist gerade seit der Corona-Pandemie so hoch, dass die elf U25-Standorte bundesweit nur etwa in einem Viertel des Jahres neue Hilfesuchende annehmen können.

Dabei gäbe es genügend potenzielle ehrenamtliche «Peers». Doch jede Email der jugendlichen Berater wird von einer hauptamtlichen Fachkraft gegengelesen - und deren Kapazitäten sind ausgeschöpft. Um an allen Standorten in Deutschland eine 100-prozentige Betreuung von Ratsuchenden zu gewährleisten, bräuchte U25 nach eigenen Berechnungen ein Gesamtbudget von 2,5 Millionen Euro im Jahr.

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