Clevere Idee
Wie eine Tonne Obdachlosen Arbeit gibt
So sieht die smarte Tonne aus, die Christian Overweg entwickelte.
So sieht die smarte Tonne aus, die Christian Overweg entwickelte.
Foto: Nikolas Pelke
Nürnberg – Christian Overweg hatte eine smarte Idee, die Obdachlosen hilft und nebenbei auch noch der Umwelt guttut. Nun schlägt sie in ganz Deutschland Wellen.

Gut Ding will Weile haben: Diese Weisheit kann auch Christian Overweg voll unterschreiben. Dabei hat der 38-jährige Erfinder des „Pfandnetzwerks“ erst vor rund zwei Jahren nach einer spontanen Eingebung damit angefangen, smarte Tonnen für Pfandflaschen zu entwickeln. „Mit Familie und Kindern hätte ich dazu sicher keine Zeit gehabt“, ist sich der Nürnberger sicher und erzählt, wie aus einer kleinen Idee eine große Geschichte geworden ist.

An einem schönen Tag habe er zufällig die Pfandtonne am Nürnberger Albrecht-Dürer-Flughafen entdeckt. Dort können Flugreisende vor dem Abflug bequem die lästigen Behälter unter dem Motto „Spende dein Pfand“ entsorgen und gleichzeitig den „Straßenkreuzer“ unterstützen, der wohnungslose Menschen wie Klaus Billmeyer für das tägliche Entleeren und Sortieren einstellt und ihnen über diesen kleinen Umweg mit Hilfe der Pfandgroschen zurück in die Spur verhilft.

Sensor für den Füllstand

Diese Geschichte vom Obdachlosen zum Pfandbeauftragten fand der Gründer des modernen Pfandnetzwerks so bewegend, dass er nach Feierabend die Ärmel hochgekrempelt und mit Lötkolben und Schraubenzieher an der Verbesserung des Pfandtonnen-Systems gearbeitet hat.

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Beim Nachdenken über Cola-Dosen, Wasser-Flaschen & Co hat sich der Produktentwickler und Unternehmensberater die Kernfrage gestellt, die dem Siegeszug der Pfandtonnen-Idee offensichtlich noch im Weg gestanden war: Wann ist die Tonne voll?

Ohne Antwort auf diese Frage funktioniere das genauso umweltfreundliche wie soziale Funktionsprinzip nach der Formel „Flaschenspende gleich Arbeitsplätze“ aus wirtschaftlichen Gründen außerhalb von hochfrequentierten Sonderzonen wie dem Nürnberger Flughafen einfach nicht, ist sich Overweg sicher. Dort müssten die Reisenden vor dem Einsteigen die mitgeführten Flaschen aus Sicherheitsgründen sowieso entsorgen. Die Airport-Pfandtonne ist jeden Abend proppenvoll.

Damit sich das Aufstellen der Tonnen aber auch an anderen Standorten für soziale Vereine wie den „Straßenkreuzer“ lohnt, hat der Erfinder des „Pfandnetzwerks“ eine intelligente Tonne mit Sensor zur Anzeige des Füllstandes entwickelt.

Vor Diebstahl geschützt

Vier von diesen cleveren Pfandflaschen-Tonnen gibt es mittlerweile in Nürnberg. Zwei hat die Stadt Nürnberg zur Reduzierung der Müllflut in Freibädern aufgestellt. Eine Tonne steht in einem Einkaufscenter. Und die neueste Entwicklung hat Christian Overweg kürzlich gemeinsam mit der „Umweltbank“ als Sponsor im Nürnberger Hauptbahnhof aufgestellt.

Seitdem haben Klaus Billmeyer und die wachsende Schar der Pfandbeauftragten immer mehr zu tun mit dem Entleeren und Sortieren der Pfandflaschen, die regelmäßig vom „Dualen System“ nach dem Motto „Flaschen gegen Geld“ abgeholt werden. Finanziert werden die rund 7000 Euro teuren Tonnen immer von einem Sponsor, der sich damit für Natur und Gesellschaft engagieren will.

Damit das System funktioniert, muss es die Tonne freilich in sich haben. Neben dem Sensor verfügt der Behälter über lautlose Einwurfklappen, einen Geruchsschutz und einen digitalen Schließmechanismus. Selbstverständlich ist die Tonne auch gegen Diebstahl und Vandalismus geschützt.

Erfreulicherweise würden die Menschen die Tonne nicht als Abfalleimer missbrauchen, berichtet Overweg. „Da sind wirklich ganz wenige Sachen drin, die nicht hineingehören.“ Derzeit arbeitet der fränkische Unternehmer an einfacheren Versionen, die etwas weniger robust gebaut und mit jeweils rund 2000 Euro kostengünstiger sind und beispielsweise in Schulen und Unternehmen zum nachhaltigen Einsatz kommen könnten.

Interessenten aus ganz Deutschland

Derweil scheint das „Feierabend-Projekt“ aus Nürnberg immer weitere Kreise zu ziehen. Mittlerweile würden sich schon Interessenten aus ganz Deutschland melden. „Das Projekt macht so viel Spaß, dass ich mich selbst bremsen muss“, sagt der 38-jährige Nürnberger und erinnert daran, das er das wachsende „Pfandnetzwerk“ praktisch in der Freizeit neben dem normalen Job aufbauen muss.

Angst vor der vielen Arbeit scheint Overweg offensichtlich nicht zu haben. „Ich habe Lust auf eigene Sachen, die ich richtig gut finde.“