Interview
Woran man guten Spargel erkennt
Grüner oder weißer Spargel: Was einem mehr mundet, ist einfach eine Geschmacksfrage.
Grüner oder weißer Spargel: Was einem mehr mundet, ist einfach eine Geschmacksfrage.
Foto: HLPhoto, stock.adobe
Grettstadt – Die fränkische Spargelkönigin Christiane Reinhart gibt Tipps zum Einkauf, erklärt den Quietschtest und verrät ihr Lieblingsrezept.

Die Spargelsaison läuft – und zeitgleich läuft vielen Menschen das Wasser im Mund zusammen. „Spargel ist ein beliebtes regionales Produkt. Im vergangenen Jahr ist die Nachfrage sogar noch weiter gestiegen“, sagt Christiane Reinhart, Fränkische Spargelkönigin aus Untereuerheim (Kreis Schweinfurt). Seit zwei Jahren ist die gelernte Steuerfachangestellte, die selbst aus einem Spargelbetrieb stammt, das Gesicht des Spargel-Erzeugerverbands Franken. Normalerweise wäre ihre Amtszeit schon zu Ende. Doch aufgrund von Corona darf sie ein Jahr verlängern und ist somit 2022 noch im Amt. Die 22-Jährige gibt Tipps zur Zubereitung des edlen Gemüses und erklärt, warum die Spargelfelder ab Johanni ruhen müssen.

Woran erkennt man guten Spargel? Christiane Reinhart: Frisch gestochener Spargel lässt sich leicht erkennen: Die Stangen sind prall, saftig und haben keine Risse. Weißer Spargel glänzt schön, grüner Spargel leuchtet hellgrün. Die Spitzen des weißen Spargels sind fest und geschlossen. Die Schnittstellen sollten hell und saftig sein, nicht bräunlich oder trocken. Regional, am besten beim Erzeuger tagesfrisch gekauft, und gleich zubereitet schmeckt fränkischer Spargel am besten.

Die Fränkische Spargelkönigin Christiane Reinhart hat ein rustikales Lieblingsrezept: Spargeltoast.
Die Fränkische Spargelkönigin Christiane Reinhart hat ein rustikales Lieblingsrezept: Spargeltoast.
Foto: Daniel Peter

Was hat es mit dem Quietschtest auf sich? Der Quietschtest sagt etwas über die Frische des Spargels aus. Das heißt, man reibt zwei Stangen aneinander – und wenn sie quietschen, ist der Spargel frisch. Oder man schaut auf den Spargelabschnitt am unteren Ende, drückt diesen leicht zusammen und wenn dort Wasser herauskommt, ist der Spargel frisch.

Was ist der Unterschied zwischen grünem und weißem Spargel – außer der Farbe? Es handelt sich dabei auch um verschiedene Sorten. Grüner und weißer Spargel unterscheiden sich im Anbau und im Geschmack. Der grüne Spargel wächst frei an der Luft mit einem kleinen Hügel, der weiße Spargel dagegen unter den großen Spargeldämmen in der Erde. Der weiße Spargel hat das typische Spargelaroma, der grüne hingegen schmeckt etwas mehr nach Gemüse. Mittlerweile gibt es sogar violetten Spargel. Der Hauptunterschied für die Köchin oder den Koch ist, dass weißer Spargel geschält werden muss, grüner jedoch nicht.

Ein Genuss: weißer oder grüner Spargel mit Kartoffeln.
Ein Genuss: weißer oder grüner Spargel mit Kartoffeln.
Foto: Adobe Stock

1a oder lieber 2: Was bedeuten die

Spargel-Güteklassen? Die Güteklassen sind eine Hilfestellung beim Einkauf. Sie zeigen auf, wie der Spargel gewachsen ist. Er ist perfekt, wenn der Spargelkopf komplett geschlossen und die Stange gerade gewachsen ist sowie eine bestimmte Stärke hat. Die meisten Betriebe haben eine eigene Hof-Sortierung. Geschmacklich unterscheiden sich die Klassen nicht. Wenn man eine fränkische Spargelsuppe kochen möchte, eignet sich auch der dünnere Spargel.

Ist der Boden wichtig für die Qualität? Ja, beim Spargel ist es ähnlich wie beim Wein, da machen auch unterschiedliche Böden den Geschmack mit aus. Und je leichter der Boden ist, in dem der Spargel wächst, umso leichter ist es für die Spargelstange gerade, schnell und schön zu wachsen. Der Boden verleiht also dem Gemüse sein besonderes und schmackhaftes Aroma.

Die Spargelzeit ist für viele Menschen die schönste Zeit des Jahres.
Die Spargelzeit ist für viele Menschen die schönste Zeit des Jahres.
Foto: Symbolfoto: kab-vision/Adobe Stock

Kann man Spargel einfrieren? Ja, Spargel kann eingefroren werden, jedoch schmeckt er frisch am besten. Sollte man ihn einfrieren, sollte er zuvor geschält und idealerweise schon in die passende Größe geschnitten werden.

Wie gesund ist Spargel? Laut Bundeszentrum für Ernährung deckt eine Portion Spargel etwa 80 Prozent des Tagesbedarfs an Vitamin C und E. Grüner Spargel hat sogar einen noch höheren Vitamin-C- und Folsäuregehalt als weißer Spargel. Auch die enthaltenen Ballaststoffe fördern eine gesunde Darmfunktion und der Eiweißbaustein Asparagin regt die Nierentätigkeit an.

Und wie viele Kalorien hat das Gemüse? Spargel besteht zu 95 Prozent aus Wasser. 100 Gramm des weißen Gemüses haben etwa 20 Kilokalorien. Mein Tipp: Einfach die ganze Saison Spargel essen, das ist die beste Diät. Spargel hilft nämlich sehr gut beim Entwässern und enthält viele wichtige Vitamine und Oxidantien.

Die Fränkische Spargelkönigin Christiane Reinhart verrät ihr Lieblingsrezept: Spargeltoast.
Die Fränkische Spargelkönigin Christiane Reinhart verrät ihr Lieblingsrezept: Spargeltoast.
Foto: Bayerischer Bauernverband

Warum endet am 24. Juni zu Johanni die Spargelernte? Die Pflanzen brauchen dann ausreichend Zeit zur Erholung. Im Juni schießt das Kraut bis zu 1,50 Meter hoch. Nährstoffe werden gesammelt und an die Wurzeln abgegeben. Das ist die Energie, aus der in der nächsten Saison wieder Stangen entstehen.

Haben Sie ein Lieblingsrezept

mit Spargel? Am liebsten mache ich einen schnellen, fränkischen Spargel-Toast. Den Ofen dafür auf 200 Grad vorheizen. Für vier Personen schneidet man 750g fränkischen Spargel in etwa drei Zentimeter lange Stücke und dünstet das Ganze in Öl an. Dann gibt man eine kleine Zwiebel und 250g Schinkenspeck dazu und dünstet alles für weitere zehn Minuten. Die Masse auf acht Toasts verteilen, jeweils mit einer Scheibe Käse, zum Beispiel Gouda, belegen und zehn Minuten im Ofen überbacken.

Wenn er den Kopf aus der Erde streckt, müssen die Erntehelfer schnell sein.  
Wenn er den Kopf aus der Erde streckt, müssen die Erntehelfer schnell sein.  
Foto: Archiv

Zur Person:

Die Fränkische Spargelkönigin Christiane Reinhart kommt aus Untereuerheim (Gemeinde Grettstadt) im Landkreis Schweinfurt und stammt von einem Spargelbetrieb, der neben fränkischem Bleich- und Grünspargel auch Zuckerrüben anbaut. Daneben gehören Zuchtsauen, Mastschweine und Mastbullen zum Betrieb. Die 22-Jährige arbeitet als Steuerfachangestellte in Hofheim.

(Von Claudia Kneifel und Diana Fuchs)

Die Fränkische Spargelkönigin Christiane Reinhart verrät ihr Lieblingsrezept: Spargeltoast.
Die Fränkische Spargelkönigin Christiane Reinhart verrät ihr Lieblingsrezept: Spargeltoast.
Foto: Daniel Peter