HSC Coburg
Coburger Gastspiel mit Glamour-Faktor
So kennt man Bob Hanning: Der Handball-Funktionär, hier während der EM 2020 in Österreich, ist für seine schrillen Outfits bekannt. Mittlerweile ist der 54-Jährige nicht nur Geschäftsführer der Füchse Berlin, sondern auch Trainer des VfL Potsdam –...
So kennt man Bob Hanning: Der Handball-Funktionär, hier während der EM 2020 in Österreich, ist für seine schrillen Outfits bekannt. Mittlerweile ist der 54-Jährige nicht nur Geschäftsführer der Füchse Berlin, sondern auch Trainer des VfL Potsdam – und trifft am Samstag auf den HSC Coburg.
Foto: Robert Michael/dpa
Tobias Herrling von Tobias Herrling Fränkischer Tag
Coburg – Kein gewöhnliches Spiel: Der HSC Coburg muss nach Potsdam. Der Aufsteiger hat nicht nur Top-Talente, sondern auch eine schillernde Figur als Trainer.

Starke Leistungen, aber keine Punkte: Die jüngsten Auftritte des Handball-Zweitligisten HSC 2000 Coburg ähnelten sich. Zweimal hatten die Vestestädter gegen die Spitzenmannschaften des TuS N-Lübbecke (26:27) und der SG BBM Bietigheim (28:30) knapp das Nachsehen. In beiden Fällen spielte die Mannschaft von Trainer Brian Ankersen stark – hatte aber zweimal nicht das Glück auf ihrer Seite.

Das vierte Spiel der noch jungen Saison führt die Coburger (12./2:4 Punkte) am Samstag (19 Uhr, bei sportdeutschland.tv) zum VfL Potsdam (4./5:1 Punkte). Der Klub aus der Stadt vor den Toren Berlins spielt erstmals seit 2012 wieder im Unterhaus und hat das Image, „kein normaler Aufsteiger“ zu sein. Das liegt zum einen an der jungen, aber hochtalentierten Mannschaft und zum anderen an einer schillernden Figur an der Seitenlinie.

2. Bundesliga

VfL Potsdam (4.) – HSC 2000 Coburg (12.)

Bob Hanning, Geschäftsführer des Bundesligisten Füchse Berlin und seit 2021 zusätzlich Potsdamer Trainer, ist die wohl streitbarste Person im deutschen Handball. Der 54-Jährige steht für Erfolg. Aber Hanning polarisiert. Der gebürtige Essener gilt als Macher und Anschieber, aber auch als Provokateur.

Legendär sind seine knallbunten Outfits, mit denen er zu Zeiten als DHB-Vizepräsident für Schlagzeilen gesorgt hatte. „Ich finde, dass zum Handball auch Show gehört. Handball ist auch Unterhaltung und nicht nur bieder“, sagte Hanning einst über seine extravagante Kleiderwahl.

Modisches Duell der Trainer?

„Vielleicht ist es eine Überlegung wert, dieses Mal etwas anderes zu tragen“, sagt HSC-Trainer Brian Ankersen und lacht. Vermutlich wird er einem modischen Duell mit Hanning aber aus dem Weg gehen und ein schlichtes schwarzes Poloshirt tragen. Schließlich dürfte das sportliche Duell anspruchsvoll genug werden.

Auf einen modischen Schlagabtausch lässt sich HSC-Trainer Brian Ankersen wohl nicht ein.
Auf einen modischen Schlagabtausch lässt sich HSC-Trainer Brian Ankersen wohl nicht ein.
Foto: Uwe Gick

„Potsdam ist die talentierteste Mannschaft in ganz Deutschland“, sagt der 34-jährige Däne. Seit Jahren betreibt der VfL mit den Füchsen aus Berlin eine Kooperation, bildet dank eines Doppelspielrechts Berliner Nachwuchshoffnungen auf höchstem Niveau aus – und ist nun in Liga 2 angekommen.

VfL Potsdam noch ungeschlagen

Siege gegen Bietigheim (27:23) und Aufsteiger HSG Konstanz (31:23) sowie ein Unentschieden gegen die Eulen Ludwigshafen (26:26): Nach drei Spielen ist Potsdam noch ungeschlagen. Ankersens Eindrücke des kommenden Gegners? „Man merkt, dass ihr Spiel auf Weiterentwicklung ausgelegt ist. Sie spielen viel im Eins-gegen-eins, im Zwei-gegen-zwei oder in Kleingruppen.“ Vor allem aber erwarte den HSC eines: Tempo.

„Sie spielen eine starke erste und zweite Welle und haben zwei gute Torhüter“, hat Ankersen beobachtet. Zudem habe Potsdam eine ausgeglichen besetzte Mannschaft mit „einer guten Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern“. Den einen herausragenden Akteur gebe es nicht.

Neffe von Carsten Lichtlein im Kader

Für die nötige Erfahrung sorgen Emil Hansson, der bereits mit dem schwedischen Klub IFK Kristianstad in der Champions-League gespielt hat, Joshua Thiele, der bei der TSV Hannover-Burgdorf und GWD Minden lange in der Bundesliga unterwegs war, sowie der 39-jährige Slowene Blaz Voncina, der auch als Torwarttrainer fungiert. Zu den größten Talenten zählen Nils Lichtlein, dessen Onkel der Würzburger und langjährige Nationalmannschaftstorwart Carsten Lichtlein ist, Max Beneke, Dustin Kraus und Maxim Orlov.

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Und der HSC? Der lieferte sich zuletzt mit Bietigheim eine Handball-Schlacht, drehte mehrfach Rückstände – und ging wie schon gegen Lübbecke leer aus. „Wir sind auf einem guten Weg, brauchen aber noch Zeit. Uns fehlt derzeit der ,Go-to-Guy’, der die Verantwortung in engen Spielphasen übernimmt“, sagt Ankersen, dessen Mannschaft in Potsdam und dann in Hagen zwei schwere Auswärtsspiele vor der Brust hat.

HSC Coburg droht ein Fehlstart

Gehen beide Spiele verloren, hätten die Coburger mit 2:8 Punkten einen Fehlstart hingelegt. Ankersen sieht das Ganze aber gelassen: „Ich verspüre keinen Druck. Wenn wir weiter die Leistungen abrufen wie zuletzt, dann werden wir auch Spiele gewinnen – am besten am Samstag.“

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Personell kann Ankersen auf den gleichen Kader wie gegen Bietigheim bauen. Ob Jan Jochens, der zuletzt erstmals in dieser Saison im Kader stand, an seiner alten Wirkungsstätte das Torhüter-Gespann mit Jan Kulhanek bilden wird, entscheide sich kurzfristig. Zwischen 2017 und 2021 stand der 21-Jährige im Tor des VfL, ehe er im vergangenen Sommer nach Coburg wechselte.

Bartlomiej Bis steht vor HSC-Debüt

Gute Nachrichten gibt es unterdessen von Bartlomiej Bis. Der polnische Nationalspieler steht nach seinem Kreuzbandriss vor dem Comeback – und dem Debüt im HSC-Trikot. „Er hat zuletzt alle Einheiten mitgemacht und absolviert in Halle einen ,Return-to-play-Test’. Fällt dieser positiv aus, könnte er in einer oder zwei Wochen dabei sein“, sagt Ankersen über den Kreisläufer.

Die Aufgebote:

VfL Potsdam: Ludwig, Voncina, Ferjan – Hansson, Simic, Beneke, Kaludjerovic, Lichtlein, Thiele, Nowak, Akakpo, Orlov, Oberman Etzion, Fuhrmann, Sauter, Kraus

Trainer: Hanning

HSC 2000 Coburg: Kulhanek, Jochens, Apfel (?) – M. Jaeger, Dettenthaler, Mund, Glatthard, Fuß, Siegler, Ossowski, Billek, Herzig, Knauer, Schäffer, F. Jaeger, Schröder

Trainer: Ankersen

Schiedsrichter: Grobe (Braunschweig) / Kinzel (Dortmund)

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