Tischtennis
Bad Königshofen verliert die Materialschlacht
Bad Königshofens Kilian Ort (im Bild) lieferte dem japanischen Ausnahmekönner Yuto Muramatsu vom FSV Mainz 05 einen großen Kampf, musste sich aber mit 2:3 nach Sätzen geschlagen geben.
Bad Königshofens Kilian Ort (im Bild) lieferte dem japanischen Ausnahmekönner Yuto Muramatsu vom FSV Mainz 05 einen großen Kampf, musste sich aber mit 2:3 nach Sätzen geschlagen geben.
Rudi Dümpert
F-Signet von Redaktion Fränkischer Tag
Bad Königshofen im Grabfeld – Nach vier Siegen aus den letzten fünf Spielen verlieren die Grabfelder gegen den Liga-Neuling FSV Mainz 05.

Der TSV Bad Königshofen hatte sich so viel vorgenommen, wollte den 415 Zuschauenden gegen den Aufsteiger und Tabellenletzten FSV Mainz 05 zu Weihnachten einen Heimsieg schenken. Heraus kam eine Riesen-Enttäuschung. Und das nach starkem Beginn.

Bastian Steger erledigte seine Hausaufgabe gegen Andrei Putuntica (11:7, 11:8, 11:2) jedenfalls mit Bravour. Der Routinier fungierte als der sportliche Aufwärmer für manche mit Decke und Anorak Gekommene. Steger hatte den Moldawier sicher im Griff und verdiente sich die stehenden Ovationen mit Recht.

Eine Millimetersache

Danach führte Kilian Ort gegen Yuto Muramatsu, den Spitzenspieler der Gäste mit einer 11:2-Bilanz, schon fast sensationell mit 2:0-Sätzen. Wieder einmal präsentierte sich Ort als Defensiv-Killer und scheiterte doch im fünften Satz um Millimeter an Netzroller und Tischkante bei einem Ball zum 10:11 anstatt 11:10. Die ersten beiden Sätze zog er durch höchste Geduld, Taktik und Dynamik sowie die rechte Dosierung seiner Angriff-Topspins für sich. Elf Gegner hatte Muramatsu, der Koi aus dem unerschöpflichen Tischtennis-Becken der Japaner, bis dahin schon zermürbt. Und nun hatte ihn Kilian Ort an der Angel – aber halt noch nicht im Kescher.

TSV-Trainer Koji Itagaki (links) und Bastian Steger (rechts) beraten Kilian Ort beim Timeout im Spiel gegen den Mainzer Spitzenspieler Yuto Muramatsu.
TSV-Trainer Koji Itagaki (links) und Bastian Steger (rechts) beraten Kilian Ort beim Timeout im Spiel gegen den Mainzer Spitzenspieler Yuto Muramatsu.
Rudi Dümpert

Als er den dritten Satz abgeben musste, zog Hallensprecher Jürgen Halbig selbst daraus Positives: „Das Gute dran, wir sehen noch einen Satz auf Weltklasse-Niveau.“ Das war wirklich sensationell, was diese beiden Ausnahmekönner an Ballwechseln zu bieten hatten. Es war allerdings schade, dass Ort für so eine Weltklasseleistung nicht belohnt wurde. Und für seine Schwerstarbeit, die er auch im vierten und fünften Satz leistete.

Kilian Orts heroischer Kampf

„Das Spiel bekommt, was es verdient, einen fünften Satz“, blieb Halbig weiterhin positiv. Im Krimi an dessen Ende war Muramatsu mit 10:7 eigentlich schon durch, doch Ort glich aus. Die nächsten zwei Bälle für ihn und die Sieg-Rechnung wäre wohl kein Problem mehr gewesen. Doch dann kam dieser Netzroller und der unerreichbare Ball an die Tischkante und somit das 12:10 für den Japaner des FSV Mainz 05 – nach 40 Minuten heroischem Kampf von beiden. Sie waren die sportliche Zentralheizung im Kühlhaus Shakehands-Arena.

Was Yukiya Uda nach der Pause allerdings zu bieten hatte, kühlte die Temperaturen und Mienen vieler TSV-Fans wieder herunter. Dass der Japaner nach 2:0-Satzführung versäumte, den für logisch erachteten Sieg einzufahren, enttäuschte mindestens so sehr wie seine Körpersprache, als es für ihn bergab ging. Gewiss ist dieser aus Luxemburg stammende Luka Mladenovic mit seinem „Brett“, dem „Anti-Belag“ und seiner unorthodoxen Spielweise schwierig zu spielen. Es haben aber schon acht andere Spieler der Liga geschafft, ihn zu besiegen. Nur Uda nicht, der erst locker und leicht, dann verkrampft und ratlos, am Ende sogar hilflos und leblos wirkte.

Basti Steger chancenlos

Die Niederlage seiner Mannschaft konnte Bastian Steger im Einser-Duell gegen Muramatsu nicht verhindern. Aber er kämpfte wie ein Löwe um jeden Ball und bei jedem Spielstand. Ein Zuschauer, der die Bedeutung des Schlägermaterials erkannt hatte, empfahl, als es den Bach runter ging, „man solle sie die Schläger tauschen lassen“. Es war wirklich eine Materialschlacht gegen diese Mainzer, die aber schon sieben andere Gegner für sich entscheiden konnten.

Viel Zeit zum Grübeln bleibt den Bad Königshöfern nicht, müssen sie doch schon am Mittwoch in Mühlhausen zum letzten Vorrundenspiel antreten. Rudi Dümpert

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