Tischtennis
Filip Zeljko feiert den Sieg mit einem Urschrei
Filip Zeljkos Urschrei nach seinem Sieg gegen Fan Bo Meng, der den 3:0-Sieg für den TSV Bad Königshofen gegen den TTC Fulda-Maberzell unter Dach und Fach brachte.
Filip Zeljkos Urschrei nach seinem Sieg gegen Fan Bo Meng, der den 3:0-Sieg für den TSV Bad Königshofen gegen den TTC Fulda-Maberzell unter Dach und Fach brachte.
Rudi Dümpert
F-Signet von Rudi Dümpert Fränkischer Tag
Bad Königshofen im Grabfeld – Warum der TSV Bad Königshofen den TTC Fulda-Maberzell so klar im Griff hat.

Noch nie hatte Bad Königshofen gegen den mehrfachen Deutschen Vizemeister und Pokalfinalisten TTC Fulda-Maberzell mit 3:0 gewonnen. Und das gelang in der Shakehands-Arena im Rekordtempo von 99 Minuten. Es wäre wahrscheinlich wesentlich schwieriger geworden und nicht so hoch und so schnell ausgegangen, wenn die Gäste in Bestbesetzung hätten antreten können. Ihnen fehlten der erkrankte Ruwen Filus und ihr Neuzugang Wong Chun Ting aus Hongkong, der ein asiatisches Olympia-Quali-Turnier bestreiten musste. Aus demselben Grund fehlte den Königshöfern Yukiya Uda, und Martin Allegro befindet sich immer noch im Aufbautraining nach seiner Hüft-OP.

90 Lebensjahre an der Platte

Schon das erste Einzel besaß einen besonderen Reiz, standen sich doch 90 Lebensjahre gegenüber: 41 Jahre Bastian Steger und 49 Jahre Qing Yu Meng, Trainer und Headcoach des TTC, der für Ruwen Filus einspringen musste. Doch wer in Anlehnung an andere Sportarten Altherren-Tischtennis oder gar leichtes Spiel erwartet hatte, lag daneben.

Bastian Steger brachte den TSV Bad Königshofen mit 1:0 in Führung.
Bastian Steger brachte den TSV Bad Königshofen mit 1:0 in Führung.
Rudi Dümpert

Es hatte schon was an sich, Meng mit der Ruhe und Gelassenheit, eigentlich nichts zu verlieren zu haben, in allen drei Sätzen davon ziehen zu sehen: Im ersten Satz auf 7:1 und 10:6, im zweiten auf 4:1 und im dritten auf 9:6. Und sich am Ende doch alle drei Sätze noch nehmen lassen zu müssen. Mit 12:10, 11:7 und 11:9. Bastian Steger spielte alles andere als Harakiri. Meng zwang ihm, mit allen technischen und taktischen Finessen und körperlicher Fitness, sein Spiel auf. Und Steger konnte sich nur deshalb dreimal befreien, weil ihn schon viele solche gelungene Aufholjagden mit dem entsprechenden Selbstvertrauen ausgerüstet haben.

Hochklassiges Spiel von Kilian Ort

Wer weiß, in welche Richtung das Spiel sonst abgedriftet wäre. Kilian Ort hatte es nämlich mit dem fünftbesten Spieler der vergangenen Saison, mit dem in Guadeloupe geborenen Franzosen Alexandre Cassin (24) zu tun, der in Topverfassung jeden TTBL-Spieler schlagen kann. Doch diese Verfassung brachte Kilian Ort an den Tisch. In diesem überaus rassigen, hochklassigen Spiel, mit allen Facetten von sensibler Technik über kraftvolle Dynamik bis zu aggressivem Angriffs-Tischtennis, dank beider Spieler.

Ort fand genau die angemessene Mischung von geduldig geschupften Bällen, mit denen er sich den Gegner zurecht stellte, bis dahin, den Punkt auf kürzestem Weg einzufahren. Nicht, dass er komplett fehlerlos gespielt hätte. Aber er ließ sich nicht mehr so runterziehen von Fehlern, die nur für den Laien leicht und unnötig aussehen. Auf welch psychischem Level sich solche Hochleistungssportler bewegen, mag daran zu erkennen sein, dass Kilian Ort bei 10:10 ein vor dem Tisch liegendes, von niemandem wahrnehmbares kleines Etwas entdeckte und zur Boxenumrandung weg brachte oder seine Aufschlagbewegung unterbrach, weil irgendwo in der Halle ein Kühlautomat zu laut ratterte. Am Ende indes war alles richtig und berechtigt, wenn man gewonnen hat. Und das gelang ihm mit 3:0. Er schraubte die Führung auf 2:0 Punkte und 6:0 Sätze.

So laut, dass es fast peinlich war

Nun machte sich Filip Zeljko ans Werk und zeigte im ersten Satz Cassin schon mal, wo es langgeht, gewann mit 11:4. Was so leicht aussah, dass er es anscheinend selber glaubte – und den zweiten nach 7:3-Führung noch 9:11 abgab. Doch auch Zeljko ist in den siebeneinhalb Jahren beim TSV gereift, hat in der letzten Saison einen Entwicklungssprung gemacht und sich in dieser nach einer kurzen Delle wieder gefangen. Er gewann die Sätze drei und vier jeweils mit 11:7 und brüllte so einen Befreiungsschrei in die Halle, dass es ihm hinterher selber peinlich war. Vor den beiden Herkulesaufgaben in Düsseldorf und gegen Ochsenhausen haben die Grabfelder ihre Punktgleichheit (14:10) mit dem Play-Off-Platz 4 verteidigt, ohne dass irgendjemand dieses Ziel in den Mund genommen hätte. Rudi Dümpert

Tabelle Tischtennis-Bundesliga

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