Basketball
BBC Coburg: Miller spricht vom Aufstieg
Sie gibt weiter den Ton an: Jessie Miller (m.) bleibt Trainerin des BBC Coburg.
Sie gibt weiter den Ton an: Jessie Miller (m.) bleibt Trainerin des BBC Coburg.
Foto: Hagen Lehmann
Coburg – Die Trainerin des BBC Coburg bleibt Bord. Im Interview spricht Miller über die vergangene Saison – und warum ein Aufstieg ideal wäre.

Noch dürfen sich die Basketballer des ProB-Ligisten BBC Coburg erholen und nach einer langen Saison die Akkus aufladen. Doch im Hintergrund arbeitet der Verein an den Weichenstellungen für die kommende Saison. Nachdem der BBC zuletzt die Verlängerungen mit den Leistungsträgern Jannis Sonnefeld, Tyreese Blunt und Leon Bulic bekanntgegeben hatte, herrscht nun auch an der Seitenlinie Klarheit: Trainerin Jessie Miller wird auch in der neuen Saison, die im Herbst beginnt, für den BBC verantwortlich sein. Im Interview spricht die Baunacherin über die vergangene Saison und blickt auf die kommende Spielzeit.

Frau Miller, Sie haben den BBC Coburg im Herbst 2021 übernommen, nachdem er vier Niederlagen in Folge eingefahren hatte. Wie war Ihr Ansatz, was wollten Sie anders machen?

Jessie Miller: Ich denke, der BBC wollte mit meiner Verpflichtung für frischen Wind sorgen, und dem Team wieder Selbstvertrauen einhauchen. Für mich war es wichtig, mit dem Team zu den Basics zurückzukehren, weil da meiner Ansicht nach einiges gefehlt hat. Während meiner ersten Trainingseinheit haben wir deswegen viel Eins-gegen-eins, Zwei-gegen-zwei und Drei-gegen-drei gespielt, um ihnen zu zeigen, dass das die Details sind, die uns dorthin bringen, wohin wir wollen. Wir mussten defensiv als Team zusammenrücken und offensiv besser organisiert sein und Automatismen etablieren.

Nachdem Sie das Team übernommen hatten, konnte man schon eine andere Körpersprache der Jungs auf dem Feld erkennen. Bis ihr dann aber den ersten Sieg einfahren konntet, dauerte es noch gut einen Monat. Viele Spiele habt ihr knapp verloren. Kamen während dieser Durststrecke Zweifel bei Ihnen und im Team hoch?

Das gehört eben auch manchmal dazu. Es war deswegen wichtig, dass die Jungs dem Prozess des Wachsens vertraut haben. Der Erfolg stellt sich nicht immer unmittelbar ein. Oft waren es auch nur wenige Punkte, die zum Sieg fehlten. Aber so ist es im Basketball nun einmal. In Speyer haben wir im letzten Angriff das Spiel für uns entschieden. Von da an konnten wir durchatmen und weiter zusammenwachsen. Im darauffolgenden Spiel haben wir Frankfurt geschlagen. Leider haben wir Ende des Jahres auch ein schwaches Spiel in München beim Tabellenletzten abgeliefert, aber das war vielleicht auch ein Wachrüttler zur richtigen Zeit, der uns gezeigt hat, dass nicht alles perfekt laufen würde, nur weil wir ein paar Spiele gewonnen hatten. In dieser Liga ist jeder schlagbar, wenn er nicht sein Bestes gibt. Deswegen war diese Niederlage auch ein wichtiger Moment für uns.

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Ein Wendepunkt in der Saison war nach dem Jahreswechsel die Partie gegen Koblenz Anfang Januar. Nach wenigen Sekunden im Spiel zog sich Kapitän Chris Wolf eine Verletzung zu, die die Saison für ihn beendete. Wie schwer war der Verlust für das Team?

Man kann nicht genug Positives über Chris sagen. Er ist der Kapitän und auch der Leader unseres Teams, er bringt die Leidenschaft mit, die man einfach lieben muss. Und er will alles tun, um nicht zu verlieren. Deswegen muss man ihn als Coach lieben, aber er ist auch privat ein klasse Typ. Für das Team war sein Ausfall natürlich schwer zu verkraften und es musste sich darauf einstellen. Normalerweise ist Chris derjenige, der den anderen wieder auf die Beine hilft und sie aufbaut. Das Team nahm seine Verletzung aber zum Anlass, sich zusammenzuraufen und für Chris noch eine Schippe drauf zu packen. Und ich finde, die Jungs haben das gut hinbekommen.

Im darauffolgenden Spiel kamen zwei Verstärkungen ins Team, Joaquin Carrasco und Nico Wolf. Beide hatten einen super Einstand und ihr habt prompt einen Sieg aus Ulm mitgebracht. Wie wichtig war der Beitrag, den die beiden von da an leisteten?

Joaquin war als erfahrener Point Guard sehr wichtig für uns, um unserer jungen Mannschaft Organisation und Abgeklärtheit zu verschaffen. Zuvor ist es uns in Situationen, die spielentscheidend waren, oft schwergefallen, die Kontrolle zu übernehmen. Joaquin will auf den Court gehen und seine Mitspieler mitreißen. Er will auch dabei helfen, seine Mitspieler weiter zu entwickeln. Ähnlich wie Chris hat auch er diesen kompetitiven Geist, er will nicht verlieren. Und deswegen war Joaquin in diesem Sinne ein wichtiger Ersatz für ihn. Und dann natürlich Nico: genau wie sein Bruder mag auch er nicht verlieren. Er bringt auch diesen Wettbewerbsgeist mit und durch seine vielen Punkte hat er uns auch offensiv auf ein neues Level gehoben. Die beiden haben uns als Team noch schlagkräftiger gemacht und mit dem Sieg in Ulm haben wir uns gefragt: wenn wir so ein Spiel gewinnen können, können wir dann nicht jeden schlagen? Wenn wir dieses Energielevel mitbringen und bereit sind, hart zu arbeiten und als Team zu wachsen, können wir etwas bewegen. Von da an starteten wir einen Lauf.

Sie haben vier Siege hintereinander eingefahren. In der Rückrunde waren es insgesamt sieben Siege aus elf Spielen. In der Hinrunde waren es nur drei Siege. Mit dieser starken Performance in der Rückrunde konntet ihr den Play-off-Einzug zementieren. Gegen die haushohen Favoriten aus Wolmirstedt, die anschließend bis ins Halbfinale kamen, hat der BBC eine solide Leistung abgeliefert und beide Spiele nur knapp verloren. Wie bitter war es dennoch, nicht die nächste Runde erreicht zu haben?

Nach dem Sieg im letzten Heimspiel gegen München war klar, dass wir in den Play-offs stehen würden und das ausgemachte Saisonziel erreicht hatten. Aber schon nach dem Spiel in der Kabine haben wir uns gesagt, dass wir mehr wollen, wir wollten in die nächste Runde einziehen. Wolmirstedt hatte zudem Probleme mit Corona und ein oder zwei Spieler, die nicht spielen konnten. Dadurch wurde auch die Reihenfolge der Austragungsorte verändert, so dass wir zuerst zu Hause angetreten sind. Es wäre sehr wichtig gewesen, das Heimspiel zu gewinnen. Im Auswärtsspiel haben wir eine solide Leistung gezeigt und ein Team, das größer und erfahrener als wir ist, am Rande der Niederlage gehabt. Wir saßen dann im Bus auf dem Nachhauseweg und konnten nicht glauben, dass die Saison jetzt zu Ende sein sollte. Wir wünschten, wir hätten mehr Zeit gehabt. Es ist immer noch bitter darüber zu reden.

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Nichtsdestotrotz geht der Blick nun in die Zukunft. Mit Jannis Sonnefeld, Tyreese Blunt und Leon Bulic konnten schon drei wichtige Spieler für die kommende Saison bestätigt werden. Was habt ihr euch für die nächste Spielzeit vorgenommen?

Wir versuchen, dort weiterzumachen, wo wir aufgehört haben. Wir wollen den Kern des Teams zusammenzuhalten, um nicht wieder von vorne anfangen zu müssen. Das Ziel ist natürlich, wieder in die Play-offs zu kommen und dann die erste Runde zu überstehen. Wir wollen aber auch die Perspektive haben, in die ProA aufzusteigen, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Wenn wir uns personell gut aufstellen und den Aufstieg schaffen, wäre das für unsere Kooperation mit Brose Bamberg auch ideal. Jetzt zählt es, den Grundstein dafür zu legen. Wir wollen an Weihnachten nicht wieder im Tabellenkeller stehen. Wir wollen eher in die Spur finden und konstanter spielen.

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