BLSV
Krach beim BLSV Unterfranken: Die Vorstandschaft ist heillos zerstritten, nicht nur wegen des FC Bayern-Rabatts
"Nur gemeinsam geht's" lautet der Slogan des Bayerischen Landes-Sportverbandes (BLSV). In Unterfranken allerdings ist die BLSV-Führung ziemlich zerstritten, wenn nicht sogar zerrissen.
"Nur gemeinsam geht's" lautet der Slogan des Bayerischen Landes-Sportverbandes (BLSV). In Unterfranken allerdings ist die BLSV-Führung ziemlich zerstritten, wenn nicht sogar zerrissen.
Foto: Matthias Lewin
So richtig zum Lachen ist den beiden stellvertretenden BLSV-Bezirksvorsitzenden Karl-Heinz Hübner (links) und Klaus Greier (rechts) aktuell nicht zumute. Mit auf dem Bild:  die Geschäftsstellenleiterin Michaela Straub.
So richtig zum Lachen ist den beiden stellvertretenden BLSV-Bezirksvorsitzenden Karl-Heinz Hübner (links) und Klaus Greier (rechts) aktuell nicht zumute. Mit auf dem Bild:  die Geschäftsstellenleiterin Michaela Straub.
Foto: Matthias Lewin
Günther Jackl.
Günther Jackl.
Foto: Christian Licha
BLSV – Bezirksvorsitzender Günther Jackl und seine beiden Stellvertreter Klaus Greier sowie Karl-Heinz Hübner überhäufen sich gegenseitig mit Vorwürfen. Worum es bei dem internen Krach geht.

Es kracht im unterfränkischen BLSV. Das Tischtuch zwischen dem Vorsitzenden Günther Jackl (Steinbach, Landkreis Haßberge) und seinen beiden Stellvertretern Klaus Greier (Hollstadt, Landkreis Rhön-Grabfeld) und Karl-Heinz Hübner (Esselbach, Landkreis Main-Spessart) ist zerschnitten, die Zusammenarbeit reduziert sich aktuell auf das Nötigste, die interne Kommunikation innerhalb der Führung läuft ausschließlich über die Geschäftsstelle. "Nur gemeinsam geht's" – das BLSV-Motto ist in Unterfranken derzeit nur Theorie. "Kein Wort, keine Mail, keine Textnachricht", beklagt Hübner gegenüber dieser Redaktion die mangelnde interne Kommunikation. 

Jackl hatte zuletzt beim Kreistag des BLSV Haßberge geäußert, aufgrund seiner seit Jahren anhaltenden Kritik an der Verbandsspitze, "Stress" in der Bezirksvorstandschaft bekommen zu haben. "Als Bezirksvorsitzender ist man in der Regel aus Loyalität mehr auf Verbandsseite. Aber damit habe ich mir oft schwer getan, mich aber viel zu oft zurückgehalten. Und deshalb mache ich jetzt den Weg frei", begründet er seine Entscheidung, bei der Neuwahl im Bezirk im kommenden März nicht mehr anzutreten.

"Den Stress hat er nicht wegen seiner Kritik an Jörg Ammon (Anm. d. Redaktion: BLSV-Verbandspräsident), sondern wegen seines Verhaltens uns gegenüber, seiner mangelnden Teamfähigkeit und seiner Unfähigkeit, Kritik anzunehmen", spielen Greier und Hübner den Ball allerdings zurück zu Jackl.

"Das hat in erster Linie damit zu tun, dass er aufgrund seines schlechten Verhältnisses zu Jörg Ammon alles schlecht redet, was der BLSV macht", so Hübner weiter. In der Vorstandschaft des Bezirks wollte man sich das "einfach nicht mehr gefallen lassen. Es geht nicht, dass ein Bezirksvorsitzender immer nur dagegen schießt."

Aufgetan hat sich der Riss in der Vorstandschaft vor rund zwei Jahren in der Diskussion um "Teamsport Bayern", der Interessenvertretung der Sportfachverbände. Während Greier und Hübner dem neuen Verband kritisch gegenüberstanden und vom Bezirksvorsitzenden erwarteten, lautstark gegen den vermehrten Einfluss der Fachverbände vorzugehen, war Jackl "dafür nicht zu haben", wollte den Konflikt aus dem Bezirk raushalten, wie er auf Nachfrage erklärt.

Jackls Abneigung gegenüber Verbandspräsident Jörg Ammon ist weder neu noch in Verbandskreisen unbekannt. Und genau hier trennen sich die Meinungen zwischen dem Bezirksvorsitzenden und seinen Stellvertretern. "Jörg Ammon hat sehr viel getan für den Verband", stellt sich Klaus Greier, selbst seit 2018 im Bezirk aktiv, vor den BLSV-Präsidenten. Für Hübner ist Ammon sogar "ein hervorragender Präsident". So sei auch die erneute Verdoppelung der Vereinspauschale auf Ammons Initiative zurückzuführen.

Jackl, von 2013 bis 2018 im Präsidium des BLSV vertreten, habe auch nach seinem Ausscheiden aus diesem Gremium den Bezirk nach außen vertreten müssen, an den Telefonkonferenzen des Präsidiums, zu denen auch die Bezirksvorsitzenden eingeladen waren, aber "regelmäßig nicht teilgenommen, obwohl wir ihn vor zweieinhalb Jahren explizit dazu aufgefordert hatten", beklagt Greier. Seitdem habe der Bezirksvorstand nicht mehr getagt, weder online noch in Präsenz. Wenn es etwas abzustimmen galt, sei das ausschließlich über die Geschäftsstellenleiterin Michaela Straub gelaufen.

Jackl hingegen verweist auf die acht Sitzungen in den letzten beiden Jahren, die letzte erst Mitte September, schränkt aber selbst ein, dass dies gemeinsame Sitzungen mit den Kreisvorsitzenden waren, also keine reinen Vorstandstreffen. Er beklagt seinerseits, von diversen Mails ausgeschlossen gewesen zu sein, Inhalte nur "über Dritte" zugeleitet bekommen zu haben.

"Die Aussage, es habe sich in den letzten fünf Jahren nichts getan, ist eine glatte Lüge!"
Karl-Heinz Hübner, stellvertetender BLSV-Bezirksvorsitzender

Zu spüren war das zerrüttete Verhältnis in der Bezirksspitze auch beim BLSV-Kreistag in Main-Spessart, wo Günther Jackl zwar anwesend, aber seiner Aussage nach auch angehalten war, auf ein Grußwort zu verzichten: "Und so etwas will ich nicht noch einmal erleben."

Ein weiterer Streitpunkt: Seit fünf Jahren habe sich beim BLSV nichts bewegt, so Jackl sinngemäß Anfang November beim Haßberge-Kreistag in Zeil am Main. "Das stimmt so nicht", echauffiert sich Greier. "Der BLSV hat mittlerweile ein Service-Center für die Vereine gebildet. Wenn jemand ein Anliegen hat, meldet er sich dort und bekommt schnell, spätestens nach ein, zwei Tagen auch eine Antwort. Das ist ein wesentlicher Fortschritt", so Greier.

Günther Jackl: Die Digitalisierung ist auf dem Stand von 2015

In diesen fünf Jahren wollte der BLSV sich noch mehr digitalisieren. Für Jackl sei auch da für die hohen Investitionen viel zu wenig herausgekommen: "Die Digitalisierung des Verbandes hat Millionen gekostet, ist aber dennoch nicht viel weiter als 2015", so der Steinbacher.

"Das hat natürlich einiges an Kosten verursacht", will Klaus Greier nicht bestreiten, dass der Verband durchaus einiges an Geld aufgebracht habe. Aber: "Wir haben verschiedene Stufen der Digitalisierung auf den Weg gebracht. Zuletzt 2018 das Projekt 'BLSV digital'. Allein die Mitgliederverwaltung ist inzwischen wesentlich leichter zu handhaben, ebenso die Anträge für die Sportförderung oder Ehrungen", bestreitet Greier, dass sich seit 2015 nichts getan habe.

Das Ende einer persönlichen Freundschaft

"Und das weiß Günther Jackl ganz genau", wirf Hübner dem Bezirksvorsitzenden vor, hier bewusst die Unwahrheit zu sagen. "Die Aussage, es habe sich in den letzten fünf Jahren nichts getan, ist eine glatte Lüge!" Menschlich sei er von Jackl, den er allerdings nach wie vor als Fachmann schätze, total enttäuscht, so Hübner, der bereits seit 2008 im Bezirksvorstand wirkt und den mit Jackl "bislang sogar eine persönliche Freundschaft" verbunden hatte.

Auch hier hält Jackl dagegen: "Dass, was der BLSV in die Digitalisierung investiert hat, und das, was am bisher dabei rausbekommen ist, steht in keinem Verhältnis. Wenn man sich anschaut, was der Bayerische Fußball-Verband in diesem Zeitraum digital auf den Weg gebracht hat, und was wir geschafft haben ..." Im Übrigen habe er mehrfach versucht, Hübner telefonisch oder per Textnachricht zu kontaktieren, aber nie eine Antwort erhalten.

Die größte Kritik in Richtung des Verbandes richtete Günther Jackl aber wegen der Deckelung der Vereinsbeiträge für Großvereine – speziell wegen des "Rabatts" für den FC Bayern München. Er bringe "kein Verständnis dafür auf, dass dem FC Bayern eine Million Mitgliedsbeiträge vom BLSV erlassen wird, für alle Vereine gleichzeitig aber eine Beitragserhöhung durchgeführt wird". Bei der entsprechenden Abstimmung im Verbandsausschuss war Jackl eine von wenigen Gegenstimmen unter rund 150 Stimmberechtigten.

Sowohl Hübner als auch Greier relativieren die Vorwürfe Jackls, die kleinen Vereine müssten den mitgliederstärksten deutschen Sportverein (eingetragen sind beim FC Bayern München aktuell rund 295.000 Mitglieder) subventionieren. Großvereine ab 50.000 Mitglieder profitieren von einer Deckelung der BLSV-Mitgliedsbeiträge auf 300.000 Euro, der FC Bayern ist allerdings der einzige Sportverein im BLSV dieser Größenordnung.

Das Für und Wider des "FC Bayern-Rabatts"

Diese Deckelung habe der ehemalige BLSV-Präsident Günther Lommer schon 2011 mit dem Fußball-Rekordmeister ausgehandelt. Der hatte seinerzeit in den Raum geworfen, seine "Fan-Mitglieder", die ja zum größten Teil keinen Nutzen vom BLSV haben, aus dem Verband herauszulösen. "Und dann hätte der Verband auf eine erhebliche Summe verzichten müssen", ist Greier überzeugt, "dass dieser 'Rabatt' einen akzeptablen Kompromiss darstellt."

Zumal dem FC Bayern laut Greier auch das "überobligatorische Engagement" angerechnet wurde, zum Bespiel die Finanzspritzen an die bayerischen Fußball-Regionalligisten und die Aktion "Sportliche Helden in der Krise" für alle bayerischen Breitensportvereine in der Corona-Zeit. "Wenn man schon über den 'Rabatt' für den FC Bayern spricht, sollte man auch dieses Engagement nicht verschweigen", so Hübner. "Und das hat Günther Jackl in dieser Debatte wissentlich verschwiegen."

"Waffenstillstand" zur Jahresabschlusssitzung

Bereits seit 2013 führt Günther Jackl den BLSV-Bezirk Unterfranken. In vier Monaten wird diese Zeit vorüber sein, denn Jackl wird beim Bezirkstag am 4. März in Veitshöchheim nicht mehr kandidieren. Aus Sicht seiner beiden Stellvertreter, Klaus Greier und Karl-Heinz Hübner, die beste Entscheidung. Dass Jackl inzwischen wieder als Kreisvorsitzender im BLSV Haßberge fungiert, hat für Hübner nur einen Grund: "Er will weiter Kritik üben."

Für 10. Dezember ist die Jahresabschlusssitzung des BLSV-Bezirksvorstandes mit den Kreisvorsitzenden in Marktheidenfeld anberaumt. "Da haben wir eine Art 'Waffenstillstand' vereinbart", will Greier "die negativen Dinge" dann außen vor lassen. Und am 4. März wird in Veitshöchheim der Bezirksvorsitzende neu gewählt. Bis dahin wird die Zusammenarbeit nach Ansicht der beiden Stellvertretender "so weitergehen wie zuletzt. Wir lassen das jetzt auslaufen", sagt Greier, der nach eigener Aussage dann auch für das Amt des Vorsitzenden kandidieren werde. Und Hübner wohl erneut als Stellvertreter: "Ich sehne herbei, dass das Theater dann endlich rum ist", hofft der Esselbacher auf einen Neustart im BLSV-Bezirk.

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