Fußball
Was Ex-Kickers-Nachwuchschef Jochen Seuling beim österreichischen Zweitligisten in Mödling bewegen will
Jochen Seuling hat beim österreichischen Zweitligisten Mödling viel vor.
Foto: Martin Wechtl
Fußball – Der Volkacher Jochen Seuling ist seit April Technischer Direktor beim Erstliga-Absteiger FC Flyeralarm Admira und will dabei voll auf die Jugend setzen.

Über die Klischees, die Österreicher von  Deutschen haben, hat Jochen Seuling inzwischen einiges gelernt. "Man hat schon mit gewissen Vorurteilen zu kämpfen. Daher war es Überzeugungsarbeit und Leistung, Geschenke oder Vorschusslorbeeren gab es keine", sagt er. Seit April ist der Volkacher Technischer Direktor beim FC Flyeralarm Admira. Dem von der in Würzburg ansässigen Internet-Druckerei unterstützten Fußball-Traditionsverein, der im Sommer aus der ersten österreichischen Bundesliga abgestiegen ist. Ein Tiefschlag für den Klub.

Nun also ist es an Seuling, zusammen mit Ex-Profi Marcel Ketelaer, der als Sportdirektor beim Wiener Vorstadtklub fungiert, einen Neubeginn zu moderieren, einen "knallharten Umbruch", wie er sagt. Eine Rolle, die der einstige Leiter des Nachwuchsleistungszentrums der Würzburger Kickers reizvoll findet.

Offene Ohren bei Flyeralarm-Chef Thorsten Fischer

"Dass ich hier gelandet bin, hat sich über meine Rolle bei Flyeralarm so ergeben", berichtet Seuling. Tatsächlich war es einmal seine Aufgabe gewesen, eine engere Zusammenarbeit zwischen der Admira aus Mödling und den Kickers aus Würzburg zu organisieren.

Bei beiden Klubs blieb aber in den letzten Jahren der Erfolg aus und nachdem sich Flyeralarm-Geschäftsführer Thorsten Fischer aus dem operativen Geschäft in Würzburg zurückgezogen und auch laut über den Verkauf seiner Anteile am Regionalligisten nachdachte hatte, verlagerte sich Seulings Aufgabenbereich weiter in Richtung Österreich, wo die dortige Dependance des unterfränkischen Unternehmens im Alltagsgeschäft des Klubs nach wie vor entscheidenden Einfluss nimmt: „Gerhard Bügler, der Chef von Flyeralarm in Österreich, ist der Mann vor Ort. Natürlich brauchen wir die volle Rückendeckung für unsere Pläne, auch von Thorsten Fischer. Ich bin auf offene Ohren gestoßen mit Wünschen wie einem Kamerasystem für die Trainingsplätze oder einem neuen Rasen. Die finanzielle Unterstützung ist wichtig bei unseren Vorhaben."

Seuling, der einst in Unterfranken als Stützpunkttrainer arbeitete und seitdem einen besonderen Blick auf die Nachwuchsarbeit hat, sieht beim aktuellen österreichischen Zweitliga-Achten deutlich bessere Voraussetzungen seine Vorstellungen umzusetzen als andernorts. "Wir wollen mit jungen Leuten vor allem aus der eigenen Akademie etwas komplett Neues aufbauen. Für diesen Weg haben wir die volle Rückendeckung", sagt er.

Das Fundament dafür soll die in Österreich bekannte Nachwuchsabteilung sein. "Admira hat aus der Tradition heraus eine über Jahre tolle Nachwuchsarbeit – aber die Konkurrenz in Österreich hatte aufgeholt. Deswegen war es auch unbedingt nötig, einige neue Dinge anzustoßen."

Entscheidend sei, ob sich die Nachwuchsarbeit in der ersten Mannschaft niederschlage. Der Trainer dort müsse das Konzept mittragen. Zu Saisonbeginn holte Seuling dafür Roberto Pätzold zur Admira. Der Ex-Trainer des FC Ingolstadt, der auch schon beim FC Eintracht Bamberg an der Linie stand, wurde in der vergangenen Drittliga-Saison bei den Würzburger Kickers heiß gehandelt, ehe die, damals noch unter Mitwirkung von Seuling als Berater, im Herbst Danny Schwarz verpflichteten. Das freilich ist schon lange Vergangenheit.

Voller Fokus auf die Nachwuchsarbeit bei der Admira

„Der Weg nach oben ist nirgendwo so kurz wie bei der Admira", sagt Seuling über sein Konzept. In dieser Saison seien "15 Spieler im Kader, die ihre fußballerische  Ausbildung in der Admira-Akademie absolviert haben. So etwas wird es im Profi-Fußball sonst nur sehr selten geben." Und genau das sei der Weg, der den Traditionsklub zurück in Liga eins führen soll und für den er die Unterstützung des Geldgebers habe. Schließlich habe er am Campus in Mödling, wo auch das Internat des Klubs beheimatet ist, alles auf eine entsprechende Förderung der Nachwuchsspieler ausgerichtet.

"Meine Aufgabe ist es, möglichst vielen Spielern den Übergang vom Jugendbereich zu den Profis zu ermöglichen. Dafür muss vieles ineinander greifen", so Seuling. Die Entwicklung am Dallenberg verfolgt er noch immer aufmerksam: "Kickers ist schon irgendwie mein Verein. Eigentlich ist Würzburg aufgrund der zentralen Lage zwischen den Leistungszentren in Fürth, Hoffenheim, Frankfurt und weit in den Osten hinein ein idealer Standort. Es ist, aus meiner Sicht, wichtig, das eigene Leistungszentrum zu stärken und zu halten", sagt er, auch wenn er um den finanziellen Aufwand für einen Regionalliga-Klub weiß.

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