Hand vor den Mund
WM-Auftakt: DFB-Auswahl sendet Zeichen an die Fifa
Ein Gruß an die Fifa: Vor dem Anpfiff der WM-Partie gegen Japan hält sich die deutsche Nationalmannschaft demonstrativ die Hand vor den Mund.
Ein Gruß an die Fifa: Vor dem Anpfiff der WM-Partie gegen Japan hält sich die deutsche Nationalmannschaft demonstrativ die Hand vor den Mund.
Foto: Christian Charisius (dpa)
von dpa
Katar – Wir lassen uns nicht den Mund verbieten. Diese Botschaft wollte die DFB-Elf vor Anpfiff im WM-Auftaktspiel gegen Japan an die Fifa senden. Ein Protest via Mannschaftsfoto, dem sich die Innenministerin auf der Tribüne anschloss.

Die deutschen Fußball-Nationalspieler haben sich beim Mannschaftsfoto unmittelbar vor dem Anpfiff der WM-Partie gegen Japan demonstrativ die Hand vor den Mund gehalten. Die DFB-Auswahl sendete damit sehr offensichtlich ein Zeichen an den Fußball-Weltverband FIFA, der in Katar die «One Love»-Kapitänsbinde von Manuel Neuer und sechs weiteren europäischen Mannschaftskapitänen verboten hatte. Neuer trug stattdessen am Mittwoch im Khalifa International Stadion in Al-Rajjan die von der FIFA vorgegebene «No Discrimination»-Binde, die gegen Diskriminierung jeder Art stehen soll.

Fifa drohte für "One Love"-Binde mit Strafe

Die FIFA hatte sportliche Sanktionen angedroht für den Fall, dass die mehrfarbige «One Love»-Kapitänsbinde bei den WM-Spielen in Katar doch getragen wird. Der DFB verzichtet daher wie alle an der Kampagne teilnehmenden Nationen auf die geplante Aktion.

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«Die FIFA arbeitet mit Einschüchterung und Druck, das muss man zunächst konstatieren», sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf in der ARD. «Ich stehe zu allem, was ich gesagt habe zum Thema Menschenrechte. Wir sind in der Opposition zur FIFA, das ist ganz wichtig, dass das hier deutlich wird. Wir müssen überlegen, welche Schlüsse wir daraus ziehen.»

Kritik an den deutschen Spielern: "Das tut weh"

DFB-Direktor Oliver Bierhoff hatte in der Debatte wenige Stunden vor dem deutschen WM-Auftakt um mehr Verständnis aus der Heimat für die Spieler geworben. «Letztlich bekommen die Spieler immer wieder Kritik ab. Das tut natürlich an der einen oder anderen Stelle weh, weil man denkt: Wann ist es genug und wann kann ich mich auf die WM konzentrieren», sagte Bierhoff am Mittwoch in der ARD.

Die vielen kritischen Reaktionen aus Deutschland würden die Spieler sehr beschäftigen, berichtete der 54-Jährige. Schließlich sei man das Thema «schon vor einem Jahr sehr ernsthaft angegangen», betonte Bierhoff. Es habe vor der WM in Katar Gespräche mit Menschenrechtsorganisationen und Betroffenen gegeben, zudem sei ein Symposium veranstaltet und eine Million Euro für die Nepal-Hilfe gespendet worden. Dass die FIFA die Aktion für eine gute Sache unterbunden habe, sei «ein herber Schlag» gewesen. 

Innenministerin Nancy Faeser mit "One Love"-Binde auf der Tribüne

Bundesinnenministerin Nancy Faeser hat beim WM-Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Japan die für DFB-Kapitän Manuel Neuer verbotene «One Love»-Binde getragen. Die SPD-Politikerin zeigte die Binde, die sie zunächst unter ihrem pinken Blazer trug, im Verlauf der ersten Halbzeit, als sie den Blazer auszog. Gemeinsam mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf verfolgte Faeser die Partie. Vor dem Anpfiff waren beide auch mit FIFA-Präsident Gianni Infantino zusammengetroffen. Der DFB hatte die FIFA für das «One Love»-Verbot scharf kritisiert.

Der Weltverband hatte sportliche Sanktionen angedroht für den Fall, dass die mehrfarbige «One Love»-Kapitänsbinde bei den WM-Spielen in Katar doch getragen wird. Der DFB verzichtet daher wie alle an der Kampagne teilnehmenden Nationen auf die geplante Aktion. Faeser, die zu einem Kurzbesuch in Katar ist, nicht.

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