Handball
Verlierer HC Erlangen hat einen Gewinner
Tarek Marschall zeigte beim Spiel gegen Lemgo, dass sich die Erlanger auf ihre jungen Spieler verlassen können. Beim 31:35 übernahm Marschall viel Verantwortung.
Tarek Marschall zeigte beim Spiel gegen Lemgo, dass sich die Erlanger auf ihre jungen Spieler verlassen können. Beim 31:35 übernahm Marschall viel Verantwortung.
Foto: Sportfoto Zink
Erlangen – Beim 31:35 ging den Erlangern gegen Lemgo Lippe erst gegen Ende des Spiels die Puste aus. Vorher zeichnete sich einer besonders aus.

Was für eine Wohltat für die Augen: 1700 Fans durften zum Handball-Spiel des HC Erlangen gegen Lemgo Lippe in die Halle. Dafür musste Erlangens Coach Michael Haaß auf Benedikt Kellner verzichten, der sich an der Schulter verletzt hatte. Somit war er der achte Stammspieler, den Haaß ersetzen musste. Beim 31:35 (17:17) ging den Erlangern erst gegen Ende die Puste aus.

Bundesliga, Männer

HC Erlangen – TBV Lemgo Lippe 31:35

Ein junger Akteur spielte Regie für die Erlanger: der wendige Tarek Marschall, 20 Jahre alt. Er war ein ordentlicher Spielmacher, der seine Spielintelligenz vor allem in der ersten Halbzeit zeigen konnte. Angefeuert von den Fans ging er ins Eins gegen Eins, traf aber nicht gegen Torhüter Peter Johannesson von Lemgo (2.). Das erste Tor der Erlanger hatte zuvor Simon Jeppsson erzielt.

Danach hatten die Gäste etwas die Nase vorn, gingen in den ersten zehn Minuten mit zwei Treffern in Führung. In Unterzahl wendete sich das Blatt: Erlangen ging in der zwölften Minute durch Johannes Sellin in Führung (7:6), Christopher Bissel baute diese auf 8:6 aus. Aufgrund eines Wechselfehlers waren die Erlanger kurz darauf sogar in doppelter Unterzahl, doch das störte sie nicht. Angetrieben durch die Zuschauer erhöhten Jeppsson und Sebastian Firnhaber auf 10:7.

Torwart-Wechsel bei den Gästen

Lemgo wechselte den Torwart aus: Finn Zecher kam für Johannesson. Denn das Torhüter-Duell hatte Erlangens Martin Ziemer bisher für sich entschieden. Einige Paraden hatte Ziemer bis zu diesem Zeitpunkt schon gezeigt. Hinter dem Erlanger Torhüter standen in der ersten Hälfte auch die Fans mit Fahnen und Trommeln. Und sie gaben alles bei großer Hitze – in der Halle hatte es 35 Grad.

Beim Stand von 15:13 nahm Lemgos Trainer Florian Kehrmann eine Auszeit, sprach seinen Spielern Mut zu. Erlangen würde irgendwann müde werden, prophezeite er. Nach der Auszeit traf Marschall zum 16:14, obwohl er beim ersten Versuch geblockt wurde. Er wandte sich unter dem Gegenspieler auf die linke Seite und kam dort durch. Lemgo blieb cool, kam zum 16:16-Ausgleich und ging wenige Sekunden vor der Pause in Führung. Sellin hatte etwas dagegen und stellte eine Sekunde vor dem Pfiff auf 17:17.

Ansehnliches Handball-Spiel

Munter ging es hin und her zu Beginn der zweiten Hälfte. Ging der HCE in Führung, glich der TBV aus. Ging Lemgo in Führung, glich Erlangen aus. Keiner gab sich auf, keiner wollte sich die Blöße geben. Es war ein absolut sehenswertes Handball-Spiel. Beim Stand von 24:25 nahm Haaß die Auszeit. Nach einer Parade von Ziemer trafen die Hausherren zum schnellen Gegentor – 25:25.

Danach gab es einen kurzen Schockmoment, als Bissel mit Lukas Zerbe kollidierte und der Lemgoer unglücklich mit dem Fuß umknickte. Zerbe musste vom Platz getragen werden. Tarek Marschall unterlief ein technischer Fehler, die Gäste trafen. Florian von Gruchallas Siebenmeter ging am Tor vorbei und so verpassten es die Erlanger, erneut auszugleichen. Schlimmer noch, in Unterzahl gingen die Lemgoer wieder mit zwei Toren in Führung (48.). Danach ging Kehrmanns Prophezeiung in Erfüllung. Fünf Minuten vor dem Ende gingen die Gäste sogar mit fünf Toren in Führung. Obwohl Erlangen das Spiel verlor, war Tarek Marschall ein Gewinner dieses Spiels.

Zum ersten Mal in seiner sportlichen Laufbahn gab Marschall nach dem Spiel ein Interview bei Sky. Er wurde gefragt, ob er nervös gewesen sei, gegen gestandene Spieler von Lemgo Lippe anzutreten. „Man schaut natürlich ein bisschen hoch zu den Spielern, die man vorher nur im Fernsehen gesehen hat. Aber eigentlich hat alles ganz gut geklappt, auch wenn es am Ende nicht gereicht hat. Am Samstag geht es nach Stuttgart, da wollen wir Punkte holen.“