Ukraine
Bund Naturschutz: Öko-Ziele nicht wegen Krieg opfern
Getreideernte
Ein Mähdrescher leert in Blumenrod Getreide in einen Kipper.
Foto: Nicolas Armer/dpa/Archivbild
Memmingen – In ärmeren Regionen der Welt droht wegen des Ukraine-Kriegs Hunger, weil Weizen aus der Ukraine und Russland auf dem Weltmarkt fehlt. Doch die EU sollte nicht von strengen Naturschutzvorgaben für die Bauern abrücken, fordert Bayerns größter Naturschutzverband.

Der Bund Naturschutz (BN) lehnt eine Aufweichung der Öko-Ziele für die Landwirtschaft wegen des Ukraine-Kriegs ab. Die Delegiertenversammlung des Verbands stimmte am Sonntag in Memmingen in einem Leitantrag dafür, an der von der EU geplanten Stilllegung von vier Prozent Ackerfläche festzuhalten und dieses Ziel nicht wegen des Ukraine-Kriegs aufzugeben. Das berichtete ein Sprecher des Verbands nach der Abstimmung. Der BN ist mit 261 000 Mitgliedern nach eigenen Angaben die größte Naturschutzorganisation Bayerns.

Sowohl Russland als auch die Ukraine zählen zu den wichtigsten Exporteuren von Getreide auf dem Weltmarkt. Der Krieg hat dazu geführt, dass die Getreideausfuhren über das Schwarze Meer weitestgehend zum Erliegen gekommen sind. Fachleute fürchten deswegen Hungersnöte in ärmeren Regionen der Welt. Die EU-Kommission hatte Ende März selbst vorgeschlagen, die Stilllegungen auszusetzen.

«Der schreckliche Krieg in der Ukraine darf nicht dazu missbraucht werden, um Naturschutzflächen zu opfern», sagte dazu der BN-Vorsitzende Richard Mergner. «Forderungen nach deren Umpflügen gefährden die Artenvielfalt, sind aber nur ein marginaler Beitrag zur Ernährungssicherheit.»

Der Naturschutzverband forderte stattdessen mehr Geld für die weltweite Bekämpfung des Hungers und die längerfristige Reduzierung der Nutztierzahlen.

In einer Resolution forderten die gut 200 Delegierten außerdem einen weitreichenden Kurswechsel in der Verkehrspolitik. Sie verlangen unter anderem ein Moratorium für einen zeitweiligen Stopp für den Bau neuer Autobahnen, Bundes- und Staatsstraßen, ein Tempolimit von 120 Stundenkilometern auf Autobahnen und 80 auf anderen Straßen sowie einen autofreien Sonntag im Monat. Vorrang haben soll stattdessen der Ausbau von Bahnlinien und Busverkehr im ländlichen Raum.

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