Bluttat
Doppelmord von Mistelbach bleibt rätselhaft
Eine Teenagerin (l.) und ihr Freund (r.) stehen in Bayreuth wegen des Mordes an den Eltern der 17-Jährigen vor Gericht. Die Öffentlichkeit war nur zu Beginn des ersten Prozesstages zugelassen.
Eine Teenagerin (l.) und ihr Freund (r.) stehen in Bayreuth wegen des Mordes an den Eltern der 17-Jährigen vor Gericht. Die Öffentlichkeit war nur zu Beginn des ersten Prozesstages zugelassen.
Foto: Daniel Karmann, dpa
von dpa
Mistelbach – Ein Ehepaar stirbt in Mistelbach – und laut Staatsanwaltschaft sind die Tochter und ihr Freund die Täter. Verhandelt wird allerdings hinter verschlossenen Türen.

Es war am frühen Nachmittag des ersten Prozesstags, als Zuhörer und Medienschaffende den dunkel getäfelten Schwurgerichtssaal des Landgerichts Bayreuth verlassen mussten. Seit einem Monat wird der mutmaßliche Doppelmord von Mistelbach hinter verschlossenen Türen verhandelt. Kaum etwas dringt nach draußen.

Mädchen soll Mord an ihren Eltern geplant haben

Dabei gibt es viele Fragen. Denn der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen. Bekannt sind diese Fakten: Ein 17 Jahre altes Mädchen ist angeklagt, weil es einen Tatplan zum Mord an den eigenen Eltern gefasst haben soll. Ausgeführt haben soll die Tat Anfang Januar ihr Freund, damals 18 Jahre alt. Er soll, so die Anklage, die Eltern im Schlaf überrascht und erstochen haben. Es sollte so aussehen wie ein Einbruch.

Die Staatsanwaltschaft geht von einer genau geplanten Tat aus, Motiv: Hass. „Die Angeklagte hasste ihre Eltern und wollte sie tot sehen.“ Es habe zuvor immer wieder Streit gegeben. Worum es dabei ging? Auch das ist eine Frage, die unbeantwortet bleibt und bislang vermutlich nur hinter den verschlossenen Türen des Gerichtssaals erörtert wurde.

Geschwister wollten Notruf absetzen

Während der Freund zustach, sollte das Mädchen im oberen Stockwerk die jüngeren Geschwister davon abhalten, einzugreifen. Es müssen sich dramatische Szenen abgespielt haben, denn die Angeklagte soll sogar einen von den Geschwistern gewählten Notruf abgebrochen haben. Das Pärchen ließ demnach auch die Geschwister alleine im Haus mit den toten Eltern zurück – und floh zunächst nach Bayreuth, wo sich der damals 18-Jährige schließlich der Polizei stellte.

Zwei Geschwister sollten aussagen

Zwei weitere Geschwister sollten nach Plänen der Kammer im Lauf des Prozesses aussagen. Stattgegeben wurde dem Antrag, dass in dieser Zeit die beiden Angeklagten den Raum verlassen müssen. Zu aufreibend wäre es, wenn die zu Waisen gewordenen Kinder ihre Schwester und deren Freund wiedersehen müssten.

Dass Teenager Stress mit Mutter und Vater haben – ganz normal eigentlich. Aber dass das zu zwei brutalen Morden führt? Was war da los? Von außen betrachtet bot die Familie ein idyllisches Bild: vier Kinder, die Eltern arbeiteten als Mediziner. Die Familie lebte in einem schicken Einfamilienhaus vor den Toren Bayreuths. Das 51 Jahre alte Opfer war als Kinderarzt in der Region bekannt und geschätzt, Anfang des Jahres wollte er eigentlich mit seinem Praxis-Partner ein neues Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin eröffnen.

Am Landgericht Bayreuth hält man sich bedeckt. Nur wenig dringt nach draußen. Der erste Verhandlungstag zog sich bis in die Nacht, erst nach 20 Uhr war Schluss, hieß es etwa. Das bedeutet: Der Angeklagte und die Angeklagte haben sich ausführlich geäußert.

Urteil voraussichtlich am 16. Dezember

Aufgrund des jugendlichen Alters der beiden deutschen Angeklagten war erwartet worden, dass die Jugendkammer die entsprechenden Anträge zum Ausschluss der Öffentlichkeit billigt. Während bei dem Mädchen klar ist, dass nach Jugendstrafrecht zu entscheiden ist, muss beim Angeklagten erst überprüft werden, ob noch Jugendstrafrecht gilt.

Erst wenn ein Urteil verkündet und begründet wird, dürfen wieder Zuschauerinnen, Zuschauer und Medienschaffende in den Saal. Verhandlungstermine bis zum 16. Dezember sind angesetzt.

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