Bildung
Energiekrise: Uni Passau schließt virtuelle Lehre nicht aus
Studierende nehmen in einem Hörsaal an einer Vorlesung teil
Studierende nehmen in einem Hörsaal an einer Vorlesung teil.
Foto: Uwe Anspach/dpa/Symbolbild
Passau – Kaum ist die Corona-Lage etwas entspannter, haben die bayerischen Unis die nächste Baustelle - die steigenden Energiepreise. Könnten Studierende deshalb im schlimmsten Fall im Winter wieder virtuell zusammensitzen? Der Wissenschaftsminister hat eine klare Antwort.

Studierende der Universität Passau könnten im Wintersemester wieder gezwungen sein, von zu Hause an Vorlesungen teilzunehmen - nicht wegen Corona, sondern wegen der drohenden Gasmangellage. Der Krieg in der Ukraine betreffe auch die Universität in Form massiv gestiegener Energiekosten, schrieb die Universitätsleitung kürzlich an ihre Studierenden. «Das Wintersemester 2022/2023 steht vor diesem Hintergrund im Zeichen der Unsicherheit mit Blick auf die Wärme- und Stromversorgung - und damit auch auf die Frage, ob und wie wir einen Präsenzbetrieb werden aufrechterhalten können.»

Der bayerische Wissenschaftsminister Markus Blume stellte am Mittwoch aber klar: «Ich halte Debatten über Beschränkungen oder gar Schließungen in keiner Weise für zielführend. Es darf keinen Energielockdown geben!» Virtuell statt Präsenz sei «an bayerischen Hochschulen keine Option. Forschung und Lehre sind systemrelevant», sagte der CSU-Politiker.

Eine Sprecherin der Uni Passau sagte, die Verwaltung arbeite an Einsparmaßnahmen und Vorkehrungen, um eine möglichst langanhaltende Energieversorgung zu sichern. Die virtuelle Lehre wolle die Universität «aus didaktischen und psychosozialen Gründen möglichst vermeiden». Eine Task-Force befasse sich mit verschiedenen Szenarien. Diese hingen wesentlich davon ab, welche Entscheidungen von staatlicher Seite getroffen würden.

Andere bayerische Universitäten erklärten, dass sie sich nicht mit einer energiepreisbedingten Rückkehr zur virtuellen Lehre befassen. «Die überragende Bedeutung der universitären Forschung und die hohe Qualität akademischer Lehre, die beide wesentlich vom unmittelbaren Austausch abhängen, müssen auch bei steigenden Energiekosten gesichert bleiben», schrieb zum Beispiel die Universität Regensburg auf dpa-Anfrage. Man plane, Forschung und Lehre in Präsenz zu ermöglichen.

Noch deutlicher wurde der Präsident der Technischen Universität München, Thomas F. Hofmann: «Ich halte es für unverantwortlich, unsere Studierenden nach vier Semestern coronabedingter Einschränkungen nun erneut in den digitalen Distanzunterricht zuschicken. Wir dürfen nicht jede Krise auf Kosten der nächsten Generation lösen.» Im Zweifel müssten sich Studierende und Lehrende etwas wärmer anziehen.

Das plant auch die Uni Augsburg und ergänzte, «dass durch ein digitales Semester aus unserer Sicht nur Heizkosten auf die Studierenden übertragen werden, also eine Gruppe, die oft über sehr wenige finanzielle Mittel verfügt und ohnehin schon sehr unter den digitalen Semestern in der Pandemie gelitten hat.» Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg will ebenfalls am Präsenzbetrieb festhalten und begründet das auch mit Lehren aus der Pandemie.

Auch die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität und die Otto-Friedrich-Universität Bamberg wollen Lehre in Präsenz - in München habe man die Entscheidung für Präsenzbetrieb «bislang» nicht revidiert, heißt es, in Bamberg werde die Lehre vor Ort «derzeit» nicht in Frage gestellt.

Die Unis machen sich Gedanken, wie sie Energie sparen können. Dabei geht es zum Beispiel um die Begrenzung von Raumtemperaturen oder die Sensibilisierung von Mitarbeitern und Studierenden. Vieles werde derzeit noch erarbeitet. Ganz konkret hat zum Beispiel die Universität Augsburg beschlossen, ihre Gebäude zum Jahreswechsel für zwei Wochen zu schließen.

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