Covid-19
Feste und Corona: Herausforderung für Kommunen und Kliniken
Volksfest
Leute fahren in einem Kettenkarussell.
Foto: Marcus Brandt/dpa/Symbolbild
München/Straubing – Die Pandemie ist noch nicht vorbei, und zugleich kehrt der Alltag zurück - mit ihm die Volksfeste. Für Kommunen und Kliniken eine Herausforderung.

Zwei Jahre ohne Volksfeste, zwei Jahre ohne Achterbahn, Schießbuden und Bierzeltvergnügen. Im dritten Corona-Jahr geht es nun lockerer zu: Es darf wieder gefeiert und geschunkelt werden. Die Corona-Inzidenzen steigen im Freistaat indessen an. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Volksfesten und der aktuellen Ausbreitung des Virus? Kommunen und Kliniken blicken mit einer gewissen Sorge auf die kommenden Wochen. In München und Straubing beispielsweise ist der Aufbau von Oktoberfest und Gäubodenvolksfest in vollem Gange.

«Die gesellschaftliche Stimmung ist für die Ausrichtung von Volksfesten», sagt Achim Sing, Sprecher des Bayerischen Städtetages. Das sei die Erwartung der Bürger, aber auch der Festwirte und der Schausteller, die lange kein Geschäft hätten machen können. «Das gilt es zu respektieren.» Aber natürlich ist die Sorge da, dass Volksfeste zu Spreaderevents würden. 

In der mittelfränkischen Stadt und dem Landkreis Erlangen-Höchstadt war die Inzidenz im Verlauf und noch gut eine Woche nach der Bergkirchweih im Juni steil gestiegen. Das geht aus Zahlen des Robert Koch-Instituts hervor. Neun Tage nach dem Ende des Festes hatte sich der Wert in der Stadt mehr als verzehnfacht, im Landkreis etwa verdreifacht. Ob es einen Zusammenhang gibt, lässt sich nicht sicher sagen. Aber: «Der Verdacht liegt nahe», sagt Sing. Auch in Wunsiedel im Fichtelgebirge stieg die Inzidenz kürzlich stark an - über Volksfeste als Ursache wurde auch dort spekuliert.

Aus dem Gesundheitsministerium heißt es unter Verweis auf das Landesamt für Gesundheit (LGL), dass weiterhin «von einem diffusen pandemischen Geschehen auszugehen ist». Gelegentlich würden regional und zeitlich begrenzte Häufungen beobachtet. Auch wenn die Erfahrung zeige, dass Großereignisse nicht zwangsläufig ein verstärktes Infektionsgeschehen nach sich ziehen, bestehe bei jeder größeren Menschenansammlung grundsätzlich ein erhöhtes Risiko für die Übertragung ansteckender Infektionserkrankungen, vor allem in geschlossenen Räumen.

Die Politik appelliert an die Eigenverantwortung der Bürger. Für Beschränkungen hätten die Kommunen keine rechtliche Handhabe, sagt Sing vom Städtetag. Das Ministerium ruft die Bürger angesichts der hohen Corona-Infektionszahlen auch zu freiwilligen Vorsichtsmaßnahmen und zu Eigenverantwortung auf, insbesondere in Regionen, in denen die Infektionszahlen aktuell hoch sind.

«Die bewährten Hygieneregeln sind und bleiben wichtig: Abstand halten, Hygiene beachten, regelmäßig lüften, Maske tragen, wo viele Menschen auf engem Raum oder in Innenräumen zusammenkommen, die Corona-Warn-App benutzen - das sind alles Dinge, die jeder ohne großen Aufwand tun kann. Jeder sollte die eigene Verantwortung für sich und seine Mitmenschen ernst nehmen», so ein Sprecher.

In München hatte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) Ende April für die Wiesn 2022 grünes Licht gegeben - nicht ohne zuvor mehrfach mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zu beraten. Vom 17. September bis 3. Oktober soll also wie eh und je in Zelten mit Tausenden Gästen gefeiert werden. Reiter hätte lieber eine Wiesn mit 3G-Regel gesehen, also für Geimpfte, Genesene oder Getestete, und noch lieber mit 1G ausschließlich frisch Getestete. Aber das sei nach den Vorgaben von Bund und Land rechtlich nicht möglich, sagte er im April. Es könne nur eine «Wiesn ganz oder gar nicht» geben. Das aktuelle Bundes-Infektionsschutzgesetz gilt bis 23. September, was dann kommt, ist offen.

Der Landkreis Bamberg will sich aus Sorge vor überlasteten Kliniken wappnen: Innerhalb der letzten vier Wochen hätten sich die Corona-Ausfälle bei pflegendem Personal auf mehr als zehn Prozent und bei Ärzten auf fünf Prozent in etwa verdoppelt, heißt es in einer Mitteilung. Verschärft werde die Lage durch Patienten, die aus überlasteten Kliniken im Ballungsraum Nürnberg in ländliche Regionen verlegt werden. Landrat Johann Kalb (CSU) und Bambergs OB Andreas Starke (SPD) fordern «eine frankenweite Koordination der Patientenströme».

Mit Blick auf die Erlanger Bergkirchweih mahnen die Kommunalpolitiker Kalb und Starke an, sich auf eine ähnliche Entwicklung nach der Bamberger Sandkerwa einzustellen. Und: «Wir müssen die Pandemie in einer schwierigen weltpolitischen Lage wieder stärker in das Bewusstsein der Menschen bringen.»

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