Festspiele
Gemischte Reaktionen auf neuen Bayreuther «Ring»
Bayreuther Festspiele
Vor der Touristen-Information sitzt eine Richard Wagner-Statue auf einer Bank.
Foto: Daniel Vogl/dpa/Bildarchiv
von dpa
Bayreuth – Viele Buhs - und Bravos für die Sänger: Der erste Teil des neuen, mit Spannung erwarteten «Ring des Nibelungen» bei den Bayreuther Festspielen hat am Sonntag sehr gemischte Reaktionen beim Publikum ausgelöst. Nach der Premiere der ersten «Ring»-Oper «Rheingold» wurde die Inszenierung von Regisseur Valentin Schwarz teils heftig ausgebuht. Einhelligen Jubel gab dagegen für die Sänger und den kurzfristig eingesprungenen Dirigenten Cornelius Meister.

Schwarz hatte zuvor angekündigt, Wagners vierteilige Oper um Götter und Gold, Liebe, Verrat und Weltenbrand als Familiensaga und Geflecht toxischer Beziehungen erzählen zu wollen. Das Vorhaben ging allerdings zumindest im «Rheingold» noch nicht auf.

Bei Schwarz sind Wotan (Egils Silins) und Alberich (Olafur Sigurdarson) zerstrittene Zwillinge - und aus dem «Rheingold» wird bei ihm ein Kind. Einen mobbenden, zerstörenden, wütenden kleinen Jungen holen Wotan und Loge (Daniel Kirch) aus den Fängen Alberichs, um ihn gegen die von den Riesen entführte Freia (Elisabeth Teige) eintauschen zu können. Was die mit ihm sollen und wollen, bleibt offen. Kurz darauf gesellt sich ein zweites Kind dazu, bei dem es sich allem Anschein nach wohl um die Tochter Wotans und seiner Zweitfrau Erda (Okka von der Damerau) handeln soll. Kulisse ist ein kostspieliges Familienanwesen mit einer Schlange im Terrarium.

Für viele Zuschauer schien das Konzept zunächst einmal nicht ganz schlüssig zu sein. Allerdings hatte Schwarz sein «Rheingold» auch einen «Pilotfilm» genannt, «der viele Fragen aufwirft, vieles anteasert und gespannt macht auf das, was da noch kommt - auch wenn man vielleicht noch nicht alles sofort einordnen kann».

Deutlich weniger Skepsis machte sich bei den Zuschauern in Bezug auf den musikalischen Teil der Produktion breit. Dirigent Cornelius Meister, der in diesem Jahr eigentlich für «Tristan und Isolde» gebucht war, dann aber für den an Corona erkrankten Pietari Inkinen am Pult stand, wurde bejubelt - auch wenn sein Dirigat zu Beginn noch ein wenig hektisch wirkte. Großen Jubel gab es für alle Sänger - besonders für Damerau und ihre stimmgewaltige, präsente Erda, noch größeren für «Alberich» Sigurdarson, den Publikumsliebling des Abends, der nicht nur stimmlich, sondern auch schauspielerisch überzeugte.

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