Laut Naturschützer
Schienennetz braucht mehr Geld und Innovation
Schienen
Ein ICE steht auf Gleisen an einem Bahnhof.
Foto: Boris Roessler/dpa/Symbolbild
von dpa
München – Der Bahnunfall in Garmisch hat dramatische Missstände bei der Bahn in Bayern deutlich gemacht. Naturschützer stellen Forderungen auf.

Bayerns Schienennetz krankt nach Ansicht von Umweltschützern unter einer chronischen Unterfinanzierung und fehlenden Impulsen für mehr Klimaschutz. «Der Verkehrssektor gehört zu den Haupt-Klimakillern, insbesondere in Bayern. Die Bahn ist im Freistaat jahrzehntelang vernachlässigt worden. Massenhaft wichtige Projekte, die in der Fläche wirken, werden zugunsten von einigen wenigen Großprojekten wie der zweiten S-Bahn-Stammstrecke in München vernachlässigt», sagte der Landesbeauftragte des Bundes Naturschutz (BN), Martin Geilhufe, am Mittwoch in München.

Das schwere Zugunglück bei Garmisch vor einigen Wochen habe die Missstände zuletzt dramatisch vor Augen geführt, betonte Geilhufe. «Das muss sich ändern, die Staatsregierung muss ihren Autokult endlich beenden und in nachhaltige Eisenbahnprojekte investieren.»

Anlässlich des bundesweiten Tags der Schiene am 16. und 17. September drängt der Bund Naturschutz auf Maßnahmen für mehr Klimaschutz im Bahnbereich. Dazu seien deutlich mehr Investitionen in Bestandssanierung und Ausbau von Bahn-Infrastruktur nötig, sagte Geilhufe. In einem Papier fordert der BN von der Staatsregierung vor allem die beschleunigte Elektrifizierung von Bahnstrecken; derzeit könne nur die Hälfte aller Strecken elektrisch befahren werden.

Langwierige Planungs-, Genehmigungs- und Bauzeiten

Laut Staatsregierung sollten bis 2030 weitere 25 Prozent folgen, fest geplant seien derzeit aber nur 14 Prozent, hieß es weiter. «Dieses Vorhaben ist aufgrund langwieriger Planungs-, Genehmigungs- und Bauzeiten alles andere als realistisch. Ziel muss sowieso eine Vollelektrifizierung aller Bahnstrecken in Bayern sein», sagte der Sprecher des BN-Arbeitskreises Verkehr, Gernot Hartwig. Die Elektrifizierung der Hauptstrecken soll vom Bund, die der regionalen Nebenstrecken vom Freistaat finanziert werden.

Der Verband schlägt für mehr Klimaschutz daher vor, übergangsweise alle jetzigen Dieselstrecken mit sogenannten Akkutriebwägen (BEMUs) zu befahren. Die Beschaffung dieser Fahrzeuge stellt für die Verkehrsunternehmen aber eine erhebliche finanzielle Herausforderung dar. «Ohne staatliche Hilfe wird sie nicht zu meistern sein», sagte Hartwig. Eine Lösung wäre ein landeseigener Fahrzeugpool, wie etwa in Baden-Württemberg, der dann den Verkehrsunternehmen zur Verfügung stehe.

Flächendeckende Reaktivierung von Bahnstrecken

Außerdem forderte der BN eine flächendeckende Reaktivierung von Bahnstrecken. Er schlägt dafür konkret 28 Strecken vor, die diesbezüglich geprüft werden sollen. Zudem müssten überlastete Strecken und Knotenpunkte ausgebaut, Projekte für Stadt-Umland-Bahnen wie in Erlangen, im Allgäu bei Kempten und in Regensburg nach Kräften unterstützt sowie Verladeeinrichtungen und Gleisanschlüsse für den Güterverkehr geschaffen werden.

Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) sagte: «Die Forderungen nach mehr Investitionen in die Schieneninfrastruktur sind richtig, allerdings hat der Bund Naturschutz den falschen Adressaten gewählt: Die alleinige Verantwortung sowohl für den Erhalt als auch den Ausbau der bundeseigenen Schieneninfrastruktur liegt nach dem Grundgesetz beim Bund.» Der Freistaat nehme trotzdem bereits seit Jahren freiwillig viel Geld in die Hand, um bei wichtigen Maßnahmen wie zum Beispiel der Elektrifizierung oder dem barrierefreien Stationsausbau eine Beschleunigung herbeizuführen. Die Länder-Verkehrsminister drängten außerdem schon seit Monaten darauf, dass der Bund endlich wie angekündigt die Regionalisierungsmittel erhöhe.

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