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Bayerns römische Vergangenheit
Neues Römermuseum soll auf altem Gefängnisgelände entstehen
Römische Funde in Augsburg
Augsburgs Stadtarchäologe Sebastian Gairhos betrachtet eine antike Öllampe, die vor wenigen Jahren in Bayerns ältestem Römerlager entdeckt wurde. (Archivbild) // Stefan Puchner/dpa
Silberschatz in Augsburg
Mehr als 5.000 römische Silbermünzen belegten vor wenigen Jahren die frühere Bedeutung Augsburg für die Römer. Es ist der bislang größte römische Silberschatz, der in Bayern entdeckt wurde. (Archivbild) // Sven Hoppe/dpa
von dpa
Augsburg – Augsburg plant ein neues Römermuseum auf dem Grund des alten Gefängnisses. Was hinter dem 60-Millionen-Euro-Projekt steckt und warum die Stadt auf Unterstützung angewiesen ist.
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Nach jahrelangen Diskussionen will die Stadt Augsburg den Bau eines neuen Römermuseums auf den Weg bringen. Das Museum soll bis Anfang der 2030er Jahre auf dem Gelände des ehemaligen Augsburger Gefängnisses entstehen. Am Montag soll der Kulturausschuss über das 60 Millionen Euro teure Projekt beraten, am 11. Dezember soll der Stadtrat entscheiden. Die schwarz-grüne Rathauskoalition hat angekündigt, die von der Verwaltung vorgelegten Pläne zu unterstützen.

Augsburg ist eine der ältesten Städte Deutschlands und war eine der bedeutendsten Siedlungen der Römer nördlich der Alpen. Der Name der Stadt erinnert an den römischen Kaiser Augustus, der vor mehr als 2.000 Jahren die Gründung der Stadt eingeleitet haben soll. Das damalige «Augusta Vindelicum» wurde später von den Römern zur Hauptstadt der Provinz Raetien gemacht.

Römermuseum wurde vor 13 Jahren geschlossen

Die Geschichte der Stadt führt dazu, dass Archäologen immer wieder neue Entdeckungen in Augsburg machen. Bis 2012 hatte Augsburg ein Römermuseum in der Dominikanerkirche eingerichtet, dann musste die Kirche wegen Baumängeln geschlossen werden. Seitdem wird über ein neues Museum diskutiert. Ihre römische Geschichte präsentiert die Stadt derzeit nur in einer Interimsausstellung unter dem Titel «Römerlager – Das römische Augsburg in Kisten».

Der größte Teil der römischen Funde lagert allerdings im Depot der städtischen Archäologen. Sie hatten vor wenigen Jahren bei einer Ausgrabung im Stadtteil Oberhausen spektakuläre Funde gemacht. Es wurden unter anderem Waffen, Werkzeuge, Geräte und Schmuck geborgen. Es sei die bedeutendste Entdeckung in Augsburg seit mehr als 100 Jahren gewesen, sagte Stadtarchäologe Sebastian Gairhos damals. «Die Masse an Funden bietet ein enormes Potenzial.»

Die Gegenstände hatten ein Gesamtgewicht von mehr als 400 Kilogramm und stammen aus dem römischen Militärstützpunkt, der etwa in den Jahren 8 bis 5 vor Christi Geburt eingerichtet wurde und zur Gründung Augsburgs führte. Die Entdeckung habe belegt, dass Augsburg der älteste Römerstützpunkt in Bayern sei, betone Gairhos. In der Nähe wurde zudem ein Silberschatz bestehend aus rund 5.600 Münzen, sogenannten Denaren, aus dem 1. und 2. Jahrhundert nach Christus entdeckt. Dies war der größte Fund dieser Art im Freistaat.

Das Museum soll nun nach der Prüfung mehrerer Standorte auf dem Gelände der ehemaligen Justizvollzugsanstalt entstehen. Die JVA wurde vor einem Jahrzehnt geschlossen, nachdem im Vorort Gablingen eine neue Haftanstalt gebaut wurde. Das alte Gefängnis besteht aus einem denkmalgeschützten Gebäude aus dem 16. Jahrhundert und einem 1967 errichteten Zellentrakt, der für das geplante Ausstellungsgebäude abgerissen werden soll. Spätestens 2033 soll nach derzeitigen Plänen das Museum fertig werden.

Stadt will nach Desaster bei Theatersanierung Kosten deckeln

Um ein neues Römermuseum bauen zu können, hat sich die hoch verschuldete Stadt Augsburg die Unterstützung des Freistaats gesichert. Bayern hat zugesagt, bis zu 50 Prozent der Investitionssumme zu übernehmen. Außerdem sollen die Kosten auf 60 Millionen Euro gedeckelt werden, und die Ausführung soll von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft verantwortet werden.

Die Stadt reagiert damit darauf, dass die derzeit laufende Generalsanierung des Augsburger Staatstheaters zu einem finanziellen Desaster wurde. Die Theatersanierung wurde einst mit Kosten von 186 Millionen Euro vom Stadtrat beschlossen, inzwischen werden Ausgaben in Höhe von 417 Millionen Euro erwartet.

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