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Pussy Riot-Aktivistin setzt Zeichen mit russischer Fußfessel
Maria Aljochina
Aktivistin und Mitglied der Gruppe Pussy Riot Maria Aljochina.
Foto: Matthias Balk/dpa
München – Maria Aljochina von der russischen Punkband Pussy Riot kann pazifistische Rufe nach einem Kompromiss zur raschen Beendigung des Ukraine-Krieges nicht verstehen. «Was würden diese Leute sagen, wenn Putin in Deutschland einmarschieren würde? Gebt ihm Deutschland oder einen kleinen Teil?», sagte Aljochina am Dienstag in München, wo die Band am Abend ein Konzert geben sollte.

Um bei der «Pussy Riot Anti-War Tour» dabei zu sein, war die Aktivistin erst kürzlich aus dem Hausarrest in Russland geflohen - verkleidet als Essenslieferantin. Die elektronische Fußfessel trug sie am Dienstag, aus symoblischen Gründen, wie sie sagte. Sie wolle damit zeigen, was in ihrer Heimat geschehe.

Aljochina forderte, den russischen Präsidenten Wladimir Putin vor ein internationales Gericht zu stellen. Menschenleben seien ihm und seinem Staat nicht wichtig. Dass der Westen nicht schon 2014 mit Sanktionen auf die Annektion der Krim durch Russland reagiert habe, habe sie schockiert. Stattdessen habe man mit ihm Hände geschüttelt.

Jetzt rief die Musikerin dazu auf, so rasch wie möglich kein Gas und Öl mehr aus Russland zu beziehen. «Europa sponsert diesen Krieg», sagte sie. Zur Hauptsendezeit werde im russischen Staatsfernsehen darüber geredet, Atombomben in europäische Städte zu schicken. «Wie könnt ihr diese Leute bezahlen?» Gespräche könnten sich Aljochina und ihre Bandkollegin Diana Burkot mit den Grünen vorstellen.

Mit der Konzerttour durch Städte wie Berlin, Hamburg, Amsterdam oder Lissabon will die Band Solidarität mit der Ukraine zeigen und die Einnahmen einem Kinderkrankenhaus in Kiew spenden. Außerdem sei es ein Kampf gegen die Gleichgültigkeit der Menschen hier.