Oberbayern
Studie: Keine unerkannten Fälle von Borna-Virus-Infektion
Borna-Virus
Die undatierte Aufnahme zeigt einen Anitkörpernachweis zum Borna-Virus im Gewebe.
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin/dpa/Archivbild
von dpa
München – Nur selten infizieren sich Menschen mit dem Borna-Virus - dann aber ist die Krankheit meist tödlich. Die Forschung zu dem von Mäusen übertragenen Virus steht noch am Anfang. Nun liegen Ergebnisse aus einer betroffenen Region in Bayern vor.

Infektionen mit dem Borna-Virus sind selten - bleiben aber mit ihrem schweren und meist tödlichen Verlauf nicht unerkannt. Darauf deutet eine Studie im von Todesfällen betroffenen oberbayerischen Maitenbeth im Landkreis Mühldorf a. Inn hin. Dort wurden nach mehreren Fällen in der Region Hunderte Menschen auf Antikörper untersucht, jedoch gab es keine Hinweise auf unentdeckte Infektionen.

Das Landratsamt und das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) stellten am Dienstag die Ergebnisse vor. Diese deuteten darauf hin, dass es keine - oder nur sehr selten - eine andere klinische Verlaufsform gebe als die bekannte, meist tödliche Gehirnentzündung. In der Region waren in den vergangenen Jahren drei Menschen an dem Virus erkrankt, alle drei starben.

Das LGL hatte - unterstützt vom Gesundheitsamt Mühldorf a. Inn - die Studie initiiert. Dabei hatten sich in Maitenbeth 679 Bürgerinnen und Bürger - 41 Prozent der Einwohner - auf freiwilliger Basis testen lassen. In keiner der Blutproben seien Antikörper gegen das Virus nachgewiesen worden, was ein Hinweis auf überstandene Infektionen mit dem Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) gewesen wäre, hieß es. Auch alle Nasenabstriche seien negativ gewesen. «Es ist vor allem eine beruhigende Nachricht, dass in keiner Blutprobe Antikörper gegen das Virus nachgewiesen wurden», sagte Landrat Max Heimerl (CSU).

Dagegen wurde das Virus wie erwartet bei Feldspitzmäusen nachgewiesen, die den Erreger übertragen. Das LGL rief zur Vorsicht im Umgang mit diesen Tieren und deren Ausscheidungen auf. Lebende oder tote Tiere sollten nicht mit bloßen Händen berührt werden.

Im Rahmen der Studie wurden auch 157 tote Spitzmäuse verschiedener Arten untersucht. Darunter waren 16 Feldspitzmäuse. Nur bei dieser Art wurde das Virus gefunden, und zwar bei sechs Tieren. Bürger hatten geholfen, tote oder von Katzen gefangene Mäuse zu sammeln. Zudem waren knapp 40 Umweltproben an verschiedenen Stellen in Maitenbeth genommen worden, etwa Erde oder Material aus Mäuselöchern.

Die Forschung zu Borna-Virus-Infektionen soll weiter vorangetrieben werden. Das bayerische Gesundheitsministerium hat laut Landratsamt die Fortführung der Studien 2023 und 2024 zugesagt. «Ein wichtiger Schritt ist gemacht. Nun gilt es, weitere Erkenntnisse über das Virus zu gewinnen», sagte Heimerl.

Die Forschung steht noch am Anfang. Der Erreger ist bei Tieren seit langem bekannt. Aber erst seit 2018 ist nachgewiesen, dass BoDV-1 auch auf den Menschen übertragbar ist und dabei meist tödliche Gehirnentzündungen verursacht. Das Robert Koch-Institut geht davon aus, dass es jährlich zwei bis sechs Erkrankungen in Deutschland gibt. Um eine bessere Datenlage zum Vorkommen der Infektion beim Menschen zu schaffen, trat zum 1. März 2020 eine Meldepflicht in Kraft.

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