Verband rechnet mit guter bis sehr guter Zuckerrübenernte
Zuckerrüben
Geerntete Zuckerrüben werden in Geiselhöring auf einen Lastwagen geladen.
Foto: Armin Weigel/dpa
Ochsenfurt – Die Zuckerrübensaison ist auf der Zielgeraden. In den Fabriken werden die letzten Rüben verarbeitet. Mit Blick auf das Frühjahr ist der Verband allerdings nicht ganz so zuversichtlich.

Der Sommer 2021 war mit reichlich Regen und viel Sonne offenbar gut für Zuckerrüben. Jedenfalls haben die Rübenanbauer nach Verbandsangaben eine gute bis sehr gute Ernte eingefahren. Besonders erfolgreich waren die Landwirte im niederbayerischen Rübenanbaugebiet zwischen Plattling und Straubing, wie Fred Zeller, Geschäftsführer des Verbandes Süddeutscher Zuckerrübenanbauer (VSZ) mit Sitz in Ochsenfurt, sagt.

Die Verarbeitung der Zuckerrüben - die sogenannte Rübenkampagne - geht dem Ende entgegen. Lediglich in drei von sieben Zuckerfabriken im Bereich des VSZ würden noch letzte Rüben verarbeitet. Aufgrund der guten Ernte dauere die Kampagne heuer länger als sonst. Es gebe zwar keinen Grund für Überschwang, sagte Zeller. Jedoch seien die Resultate gut bis sehr gut und vor allem sehr gleichmäßig ausgefallen.

Bereits im August hatten Proberodungen Hoffnungen auf eine gute Ernte gemacht. Diese Prognose bestätigt sich nun: Der rechnerische Zuckerertrag lag laut Zeller in Süddeutschland bei durchschnittlich 15,3 Tonnen pro Hektar. Der fünfjährige Mittelwert liege bei 14. Den Spitzenwert mit einem Zuckerertrag von 16,6 Tonnen habe in der zu Ende gehenden Saison die Zuckerfabrik in Plattling eingefahren.

Nirgendwo sonst in Europa seien die Bedingungen für Zuckerrübenanbau so gut wie im Raum Plattling-Straubing, sagte Zeller. Dort seien die Böden besonders gut, und es gebe in der Regel eine gute Mischung aus Niederschlag einerseits und Sonne und Wärme andererseits. «Da geht einem Bauern das Herz auf, wenn er durch den Gäuboden fährt.» Außerdem verstünden die Landwirte ihr Handwerk, spricht ihnen der VSZ-Chef ein Kompliment aus. Sie wählten die richtigen Rübensorten aus und setzten Pflanzenschutzmittel zum richtigen Zeitpunkt ein.

Weniger zufrieden sind die Rübenanbauer in Süddeutschland laut Zeller mit dem Zuckerpreis. Der rangiere bei etwa 420 Euro pro Tonne Weißzucker. Zwar sei der Preis mit etwas über 300 Euro schon deutlich niedriger gewesen. Angemessen wäre dem Verband nach aber ein Preis zwischen 450 und 500 Euro je Tonne. Schließlich müssten die Landwirte gestiegene Diesel-, Strom- und Düngemittelkosten kompensieren.

Hilfreich sei 2021 der Einsatz von neonikotinoid-gebeiztem Rübensaatgut gegen Blattlausbefall gewesen. Hierfür hatten Anbauregionen in sieben Bundesländern aufgrund von Schäden im Vorjahr eine befristete Notfallzulassung bekommen. Für dieses Jahr gebe es die Notfallzulassung nicht, weil 2021 - wegen des Pflanzenschutzmitteleinsatzes und des Wetters - keine Schäden zu verzeichnen gewesen seien, sagt Zeller.

Das bereite den Bauern aber Sorgen. Schließlich könnte auf ein Jahr mit reichlich Niederschlag wieder ein sehr trockenes und warmes Jahr folgen, was gut für Schädlinge und schlecht für Rüben wäre. Die Entscheidung über die Notfallzulassung treffe das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Absprache mit den Agrarministerien von Bund und Ländern. In der Begründung habe es geheißen, es sei 2022 nicht mit dem Auftreten von Blattläusen zu rechnen. Zeller zufolge haben die Landwirte für diese Einschätzung kein Verständnis, weil für das Frühjahr noch keine Wettervorhersage getroffen werden könne.

Beizmittel mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Neonikotinoide wurden 2018 europaweit im Freiland verboten, weil es Bienen und andere Insekten gefährden könnte.

Der VSZ vertritt Landwirte in Bayern, Hessen, Baden-Württemberg, Sachsen, Rheinland-Pfalz und Thüringen.