Weinverband
Fränkische Weinliebhaber müssen mehr zahlen
Pheromonfallen im Weinberg
Winzer Martin Göbel befestigt in seinem Weinberg eine Pheromonfalle.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Archivbild
Würzburg – Nach Sprit, Butter und Gemüse trifft es nun auch den Frankenwein: Er wird teurer. Derweil bereiten die Winzer die Reben auf die kommenden Monate vor - Duftstoffe sollen derzeit einen Schädling verwirren.

Das Leben in Deutschland hat sich seit Beginn des Ukraine-Kriegs sprunghaft weiter verteuert - und so müssen Verbraucher auch für den Frankenwein mehr berappen. «Wir gehen davon aus, dass die Preise für Frankenwein, wie bei allen Gütern des täglichen Bedarfs, steigen werden», sagte ein Sprecher des Fränkischen Weinbauverbands in Würzburg.

«Preisanpassungen legen die fränkischen Weinbaubetriebe selbst fest und können sich individuell von Betrieb zu Betrieb unterscheiden.» Ein Blick in die aktuellen Preislisten von Winzern zeigt: Kostete die Literflasche Silvaner-Qualitätswein des Jahrgangs 2020 um die 7,00 Euro, sind es beim Jahrgang 2021 schon etwa 7,50 Euro.

Wein wird bundesweit teurer

Vor allem die Kosten für Kartonagen, Energie und Glasflaschen seien zuletzt enorm gestiegen. «Einen Teil der erhöhten Kosten werden die fränkischen Winzer weitergeben müssen», kündigte der Sprecher an. Wie viel das im Schnitt sein wird, ist unklar.

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs vor mehr als zwei Monaten haben sich viele Lebensmittel verteuert. Eine Entspannung bei den Verbraucherpreisen ist vorerst nicht in Sicht. Im März kosteten Nahrungsmittel nach Angaben des Statistischen Bundesamts 6,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Teuer wurden vor allem Speisefette und Speiseöle (plus 17,2 Prozent) sowie frisches Gemüse (plus 14,8 Prozent).

Wein wird sich nach Erwartung der Spitzenweingüter bundesweit verteuern. Der Verband Deutscher Prädikatsweingüter erwartet Kostensteigerungen um 30 Prozent und entsprechende Preiserhöhungen.

Franken ist mit 99 Prozent der mehr als 6300 Hektar Anbaufläche das wichtigste Weinanbaugebiet in Bayern. Es gibt etwa 2900 Winzer.

Schädlinge im Weinberg

Derzeit rücken viele einem der größten Schädlinge im Weinberg, dem Traubenwickler, mit biologischen Mitteln auf den Leib - sie bringen Pheromonfallen an. Mit dem darin enthaltenen Sexuallockstoff würden Traubenwickler-Männchen so verwirrt, dass sie in den Weinbergen keine Weibchen mehr fänden und sich nicht fortpflanzten, erklärte der Sprecher.

«Seit rund 35 Jahren nutzen die Winzer diese umweltfreundliche Methode, um die schädigenden Larven des Traubenwicklers ohne den Einsatz von Insektiziden aus den Weinbergen zu halten.» Bei dieser «Verwirrungsmethode» bleiben die Weibchen fast ausnahmslos unbefruchtet, die Population geht zurück. Früher wurde der Traubenwickler mit Giftstoffen bekämpft. Die Larven des Schmetterlings haben es auf Blüten und Trauben abgesehen.

In den fränkischen Weinbergen hat der Austrieb der Reben begonnen. Die Rebblüte wird für Mitte bis Ende Mai erwartet. Sie beeinflusst direkt den Zeitpunkt der Weinlese - die Trauben sind ungefähr 100 Tage nach der Blüte reif.

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