Corona
Bund und Länder rationieren PCR-Tests
Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, spricht zu Beginn der digitalen Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) mit seinen Amtskollegen. Den Vorsitz der MPK hat derzeit NRW.
Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, spricht zu Beginn der digitalen Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) mit seinen Amtskollegen. Den Vorsitz der MPK hat derzeit NRW.
Foto: Kay Nietfeld, dpa
Berlin – Gewaltige Omikron-Welle lässt Laborkapazitäten knapp werden. Ansonsten will Kanzler Scholz in der Pandemie „Kurs halten“

Bund und Länder verzichten auf strengere Corona-Maßnahmen, Änderungen soll es aber in der Teststrategie geben. Denn weil die Omikron-Variante des Coronavirus sich rasend schnell in der Bevölkerung verbreitet, geraten die Testlabore an ihre Kapazitätsgrenzen. Die besonders sicheren PCR-Test sollen deshalb künftig vorrangig bei den Menschen eingesetzt werden, die einer Risikogruppe angehören oder aber Risikopatienten betreuen. Das haben Bund und Länder bei ihrem Corona-Gipfel am Montagabend beschlossen.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte nach dem Treffen „Es muss und wird getestet werden“, angesichts der hohen Infektionswerte müssten aber die dafür zur Verfügung stehenden Kapazitäten gezielt genutzt werden. Ansonsten gelte in der Krise weiter „Kurs halten“.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) kündigte neben der Priorisierung eine Erhöhung der Testkapazitäten an. Es sei damit zu rechnen, dass Mitte Februar ein Höhepunkt der Infektionszahlen erreicht werde. Dann sei auch eine Überlastung der Intensivstationen möglich.

Die Politik müsse jetzt „in beide Richtungen denken“. Wenn Überlastung drohe, müsse sie die Maßnahmen verschärfen, sobald diese ausgeschlossen werden können, aber auch Öffnungsperspektiven entwickeln.

Dem Beschluss zufolge werden künftig die zur Verfügung stehenden PCR-Tests zunächst Klinikpatienten und Krankenhauspersonal oder Bewohnern und Mitarbeitern von Alten- und Pflegeheimen vorbehalten sein. Dem Papier zufolge soll diese Regel „zeitnah“ in eine Verordnung gegossen werden.

Rationierung von PCR-Tests

Für einen Teil der Bevölkerung bedeutet das, dass sie womöglich bald auf eine kostenlose Abklärung eines Corona-Verdachts mit PCR-Test verzichten müssen. Für sie soll dann ein zweiter Schnelltest zur Überprüfung genutzt werden. Bislang gilt noch, dass wer ein positives Selbsttest-Ergebnis erhält oder an einer Teststelle ein positives Schnelltestergebnis bekommt, Anspruch auf einen PCR-Test hat.

Auch wenn die Corona-Warnapp auf Rot steht, gilt bisher dieser Anspruch. Betroffene können sich dann an ihren Hausarzt wenden, der entweder den Test selbst macht oder an ein Testzentrum überweist. Auch die Gesundheitsämter können bisher einen kostenlosen PCR-Test anordnen, wenn sie von einem positiven Schnelltest erfahren. Zudem sollen die Quarantäne- und Isolationspflichten für Klinik- und Pflegepersonal reduziert werden.

Rekordwerte bei den Inzidenzen

Die besonders ansteckende Omikron-Variante des Coronavirus sorgt derzeit für immer neue Rekord-Infektionswerte. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) lag der Wert der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche am Montag bei 840,3 – so hoch wie nie seit Beginn der Pandemie vor zwei Jahren.

Test-Kapazitäten werden zunehmend knapp, die Gesundheitsämter arbeiten am Limit, Kontaktverfolgung findet kaum noch statt. Zuletzt waren laut Robert-Koch-Institut und dem Laborverband ALM rund zwei Millionen PCR-Tests in einer Woche durchgeführt worden – bisheriger Höchststand in der Corona-Pandemie. Etwa jeder vierte fiel positiv aus.

Demnach waren die Labore bereits zu 86 Prozent ausgelastet. Doch mit einer weiteren Zunahme des Infektionsgeschehens wird gerechnet.

Der Chef des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, unterstützt deshalb den Kurs der Regierung, künftig PCR-Tests zu priorisieren und vor allem vulnerablen Gruppen zugänglich zu machen.

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