Krieg in der Ukraine
Biden reist nach Polen - 1351 russische Soldaten tot
Ukraine-Krieg - Kiew
Ein Mann fährt auf einem Fahrrad, während schwarzer Rauch aus einem Treibstofflager der ukrainischen Armee nach einem russischen Angriff aufsteigt.
Foto: Rodrigo Abd (AP)
Warschau/Moskau – Nach einem Gipfelmarathon in Brüssel steht nun der zweite Teil von Bidens Europareise an. Derweil äußert sich Moskau zu Opfer- und Verletztenzahlen.

US-Präsident Joe Biden ist angesichts des Kriegs in der Ukraine zu einer zweitägigen Polen-Reise aufgebrochen. Biden stieg am Freitagmittag (25. März) in Brüssel in sein Flugzeug Air Force One. Im Nachbarland der Ukraine will sich der US-Präsident mit in Polen stationierten US-Truppen treffen. Auf dem Programm stehen außerdem Gespräche mit der polnischen Führung und ein Auftritt Bidens am Warschauer Königsschloss am Samstag. Angesichts des Konflikts mit Russland hatte Biden die Zahl der in Polen stationierten US-Soldaten aufgestockt, um die Nato-Ostflanke zu stärken.

Nach Polen sind mittlerweile auch mehr als zwei Millionen Geflüchtete aus der Ukraine eingereist - ein Großteil ist dort geblieben. Der US-Präsident will sich an diesem Freitagnachmittag erst in der südostpolnischen Stadt Rzeszow, die etwa 90 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt liegt, über den humanitären Einsatz zur Versorgung der Geflüchteten informieren. Danach wird Biden mit in Polen stationierten US-Soldaten zusammenkommen. Im Anschluss will er zu Gesprächen mit der polnischen Führung in die Hauptstadt Warschau reisen.

Gespräch mit Polens Präsident

Polens Präsident Andrzej Duda wird Biden bereits in Rzeszow treffen. Außerdem sei am Samstag ein Gespräch der beiden Politiker im Warschauer Präsidentenpalast geplant, sagte Pawel Soloch, Chef von Dudas Büro für Nationale Sicherheit, der Nachrichtenagentur PAP. Danach werde der US-Präsident einen Registrierungspunkt für Ukraine-Flüchtlinge im Warschauer Nationalstadion besuchen.

Bidens Rede am Warschauer Königsschloss sei für den späten Samstagnachmittag zwischen 17.00 und 18.00 Uhr geplant, sagte ein Sprecher der US-Botschaft in Warschau am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. «Der Präsident wird sich zu den gemeinsamen Bemühungen der freien Welt äußern, das ukrainische Volk zu unterstützen, Russland für seinen brutalen Krieg zur Verantwortung zu ziehen und eine Zukunft zu verteidigen, die auf demokratischen Grundsätzen beruht», kündigte das Weiße Haus an.

Biden war zuvor in Brüssel

Soloch sagte weiter, voraussichtlich werde es auch eine Begegnung Bidens mit Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki geben. Die Planung für Bidens Visite sei nicht von langer Hand vorbereitet, wie dies normalerweise bei Besuchen von US-Präsidenten der Fall sei. Deshalb werde vieles kurzfristig arrangiert. Auch das Weiße Haus legte Bidens konkrete Pläne in dem Nato-Partnerstaat erst kurz vor der Abreise offen.

Biden war zuvor in Brüssel. Dort nahm er am Donnerstag gleich an drei Spitzentreffen teil - auf dem Programm standen ein Nato-Sondergipfel, ein Gipfel der führenden demokratischen Wirtschaftsmächte (G7) und ein EU-Gipfel. Biden kündigte in Brüssel unter anderem an, dass die USA bis zu 100 000 Geflüchtete aus der Ukraine aufnehmen wollen. Außerdem verhängte die US-Regierung neue Sanktionen gegen Russland. Am Freitagvormittag gaben Biden und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bekannt, dass die EU künftig riesige Mengen an Flüssiggas (LNG) aus den USA beziehen wird. So soll die Abhängigkeit Europas von Energielieferungen aus Russland reduziert werden.

Moskau: 1351 russische Soldaten in der Ukraine getötet

Im Krieg in der Ukraine sind nach Angaben des russischen Generalstabs 1351 russische Soldaten getötet worden. Bei der «Spezial-Operation» seien zudem 3825 Soldaten verletzt worden, teilte das Militär am Freitag der Agentur Interfax zufolge in Moskau mit. Es sind die ersten offiziellen Zahlen seit Anfang März, als die Zahl mit 498 getöteten Soldaten angegeben wurde. Experten gehen allerdings von mehreren Tausend toten russischen Soldaten aus, die Ukraine spricht von 16 000 getöteten russischen Soldaten. All diese Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Auf ukrainischer Seite seien 14 000 Soldaten getötet und 16 000 weitere verletzt worden, hieß es aus Moskau. Auch diese Zahlen waren nicht unabhängig überprüfbar. Die Ukraine selbst hatte zuletzt am 12. März von rund 1300 getöteten Soldaten in den eigenen Reihen gesprochen.

Der russische Generalstab kündigte an, die Angriffe in der Ukraine fortzusetzen, «bis die vom Oberbefehlshaber festgelegten Aufgaben vollständig erfüllt sind». Die Aufgaben einer «ersten Etappe» seien bereits weitgehend erfüllt, hieß es weiter.

Kremlchef Wladimir Putin hatte am 24. Februar als Oberbefehlshaber einen Angriffskrieg auf das Nachbarland Ukraine begonnen. Internationalen Experten zufolge haben die Russen nach einem Monat militärisch deutlich weniger erreicht als geplant.