Dramatischer Appell
Selenskyj: Mariupol liegt "in Schutt und Asche"
Wolodymyr Selenskyj
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, in Kiew.
Foto: Uncredited/Ukrainian Presidential Press Office/dpa
Athen – Vor dem griechischen Parlament schildert der ukrainische Präsident die Lage in der Hafenstadt. Doch aufgeben würden sie nicht: "Freiheit oder Tod!"

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Griechenland eindringlich darum gebeten, den verbliebenen rund 100 000 Menschen in der südostukrainischen Stadt Mariupol zu helfen. «Seit dem Zweiten Weltkrieg haben wir es in der europäischen Geschichte nicht mehr erlebt, dass eine Stadt in Schutt und Asche gelegt wird», sagte Selenskyj am Donnerstag (7. April) in einer Live-Schalte vor dem griechischen Parlament. «Die Menschen dort sterben an Hunger und Durst.»

In der seit Wochen vom russischen Militär belagerten Hafenstadt Mariupol und dessen Umgebung leben viele Ukrainer griechischer Abstammung. Athen hat sich bereits seit Kriegsbeginn bemüht, ihnen bei der Flucht nach Griechenland zu helfen und humanitäre Hilfe zu liefern.

Mariupol komplett zerstört

In Mariupol gebe es so gut wie kein intaktes Gebäude mehr, sagte Selenskyj. Die Russen hätten Krankenhäuser und Wohnhäuser bombardiert und auch das städtische Theater, in dem Zivilisten Schutz suchten. «Wir müssen jene retten, die in Mariupol noch am Leben sind», forderte der ukrainische Präsident. «Wir brauchen humanitäre Hilfe und Evakuierung.»

Während Selenskyjs Videoansprache wurden auch zwei ukrainische Kämpfer griechischer Herkunft aus Mariupol zugeschaltet. Sie berichteten, dass Menschen nicht aus Trümmern gerettet und Tote nicht beerdigt würden, weil es niemanden mehr gebe, der das noch tun könne.

Selenskyj erinnerte an die Jahrtausende währende Präsenz von Griechen in der Region, an die große griechischstämmige Gemeinde und den orthodoxen Glauben, den die Griechen ins Land gebracht hätten. «Eure Freiheitskämpfer riefen im griechischen Unabhängigkeitskrieg "Freiheit oder Tod". Das ist auch unser Motto.»

Lesen Sie dazu die Geschichte der Konovalovs, die wir auf ihrer Flucht von Mariupol nach Kulmbach begleitet haben: