Migration
Nur wenige Flüchtlinge in Dax-Unternehmen beschäftigt
Geflüchtete Menschen am Arbeitsmarkt
Ein Auszubildender, der 2012 aus dem Iran nach Deutschland floh, setzt in einem Mainzer Betrieb ein Werkzeug in eine Fräsmaschine ein. Die großen deutschen Aktiengesellschaften beschäftigen insgesamt nur wenige Flüchtlinge.
Foto: Andreas Arnold/dpa
Berlin – Die Zahl der bei großen deutschen Unternehmen beschäftigten Flüchtlinge steigt zwar langsam an. Sie ist aber insgesamt immer noch auf sehr niedrigem Niveau. Bei kleineren Firmen ist der Anteil höher.

Die großen deutschen Aktiengesellschaften beschäftigen in der Summe nur wenige Flüchtlinge. Eine Ausnahme bildet hier die Deutsche Post, wie die Ergebnisse einer Umfrage des Mediendienstes Integration bei den 40 Dax-Konzernen zeigen.

Da die Unternehmen oft nicht wissen, welche ihrer Mitarbeiter Flüchtlinge sind, war auch nach Mitarbeitern aus den acht häufigsten außereuropäischen Asylherkunftsstaaten gefragt worden - Syrien, Afghanistan, Iran, Irak, Eritrea, Somalia, Nigeria und Pakistan.

Die Deutsche Post habe mitgeteilt, aktuell 5700 geflüchtete Menschen zu beschäftigen, teilte der Mediendienst mit. Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer zählte demnach 81 Geflüchtete. Bei Henkel waren den Angaben zufolge 50 Flüchtlinge beschäftigt. Der Pharmazulieferer Sartorius gab die Zahl der Beschäftigten, die Flüchtlinge sind, beziehungsweise aus einem der acht Staaten stammen, mit 28 an. Bei RWE waren es demnach 26 Beschäftigte, bei Adidas 25, bei Puma 21, bei der Allianz 20 und fünf bei Brenntag.

Zahlreiche Ankündigungen von Dax-Unternehmen

Auf die Anfrage des Mediendienstes Integration hatten 32 der insgesamt 40 Dax-Unternehmen geantwortet. Davon gaben 22 Unternehmen an, keine Zahlen bieten zu können. Von den zehn Unternehmen, die Informationen lieferten, teilte ein Unternehmen mit, keine Geflüchteten zu beschäftigen.

Auch von den insgesamt rund 380 Auszubildenden aus Asyl-Herkunftsstaaten, die von den Dax-Unternehmen bei der Umfrage angegeben wurden, entfiel der Löwenanteil - 290 Auszubildende - auf die Deutsche Post.

Zahlreiche Dax-Unternehmen hatten 2015 angekündigt, Geflüchtete einstellen zu wollen. «Wir sind bereit, allen Asylsuchenden mit berechtigten Chancen auf ein Bleiberecht den raschen und zeitlich gesicherten Zugang zu Bildung und Arbeitsplätzen zu ermöglichen», sagte der damalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat festgestellt, dass kleine und mittlere Betriebe gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbeschäftigung einen überproportional hohen Anteil an Flüchtlingen beschäftigen. Ein Grund für die geringe Zahl von Geflüchteten in Dax-Unternehmen dürfte der hohe Anteil von Stellen für Hochqualifizierte in diesen Unternehmen sein, stellte der Mediendienst Integration fest.

Bereitschaft signalisiert

Seit dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine am 24. Februar haben mehrere deutsche Unternehmen ihre Bereitschaft signalisiert, Kriegsflüchtlinge von dort einzustellen. Zum Teil gibt es spezielle, verkürzte Bewerbungsverfahren für ukrainische Flüchtlinge. Anders als während der sogenannten Flüchtlingskrise in den Jahren 2015 und 2016 ist die Mehrheit der Flüchtlinge aus der Ukraine weiblich. Viele von ihnen sind Mütter mit Kindern im Kita- oder Grundschulalter, so dass hier auch die Frage der Beschulung, beziehungsweise Kinderbetreuung eine Rolle spielt.

Infineon gab bei der Umfrage an, Mitarbeiter, die aus der Ukraine nach Deutschland geflohen sind, weiter zu beschäftigen. Der Sportartikel-Hersteller Puma beschäftige seit Februar 20 Menschen aus der Ukraine, die ebenfalls vor ihrer Flucht zum Teil schon für das Unternehmen tätig waren. Sartorius gab an, einen Kriegsflüchtling aus der Ukraine zu beschäftigen.

Das Staatsunternehmen Deutsche Bahn hat nach Angaben von Bahn-Personalvorstand Martin Seiler inzwischen mehr als zwei Dutzend Ukraine-Flüchtlinge eingestellt. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte am Dienstag angekündigt, dass sich die Bundesregierung und die Länder weiter um Erleichterungen bei der Anerkennung ukrainischer Abschlüsse in Deutschland bemühen würden.

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