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Musikgenuss
Kammerorchester Bad Brückenau: die Farben der Oboe
Perfekte Kombination aus Oboe und Klangkörper: Solist Kai Frömbgen (rechts) und Dirigent Sebastian Tewinkel überzeugten beim Frühlingskonzert des Bayerischen Kammerorchesters.
Perfekte Kombination aus Oboe und Klangkörper: Solist Kai Frömbgen (rechts) und Dirigent Sebastian Tewinkel überzeugten beim Frühlingskonzert des Bayerischen Kammerorchesters. // Kerstin Junker
Staatsbad Brückenau – Im Frühlingskonzert überzeugt Solist Kai Frömbgen mit englischer Musik verschiedener Epochen. Warum auch eine andere Instrumentengruppe groß rauskam.

Die Oboe ist ein schwierig zu spielendes, aber auch sehr vielfältiges Instrument. Sie klingt von samtig-dunkel, klagend bis nasal-hell. Beim Frühlingskonzert des Bayerischen Kammerorchesters (BKO) bediente Solist Kai Frömbgen diese musikalische Bandbreite perfekt. Die Auswahl der Stücke ließ aber auch eine ganz andere Instrumentengruppe glänzen.

Das Jahreszeiten-Konzert stand unter dem Motto „England“. Wie im Programm vermerkt, fiel der musikalische Genius Britanniens zwischen einer Blüte in Renaissance und Frühbarock und Edward Elgars Durchbruch um 1900 in ein „schöpferisches Koma“. Was dazu führte, dass Samstagabend im ausverkauften König-Ludwig-I.-Saal Stücke verschiedenster Epochen aufgeführt wurden.

Appetithäppchen zum Konzertbeginn

Henry Purcells Abdelazer-Suite kam mit kurzen heiteren „Appetithäppchen“ als Einstieg ins Konzert gut an. Bei dieser „Alten Musik“ kam ein für den Barock typisches Instrument zum Einsatz, das bei BKO-Konzerten selten aufgestellte Cembalo, gespielt von Helene Lerch.

Melancholischer Charakter der Oboe

Gleich bei seinem ersten Einsatz des Abends als Solist sprang Kai Frömbgen mehrere Jahrhunderte in der Zeit voran, ins Jahr 1944. Ralph Vaughan Williams’ Konzert für Oboe und Streichorchester a-Moll gehört zu den bekanntesten Werken für dieses Soloinstrument (von denen es nach einer Blüte im Barock bis ins 20. Jahrhundert nur wenige gab).

Frömbgen brachte im ersten Teil vor allem den melancholischen Charakter der Oboe, das Klagende, zum Tragen, um zum Ende seinen spielerisch-wirbelnden Charakter zu zeigen. Das Werk sollte Hoffnung in einer schweren Zeit deutscher Bombenangriffe bringen.

Streicher effektvoll eingesetzt

1912, vor dem anderen Weltkrieg, schrieb Gustav Holst seine St.-Paul’s-Suite. Ein Werk, das laut Dirigent Sebastian Tewinkel Streicher effektvoll in Szene setzt, aber relativ leicht zu spielen ist. Nicht umsonst habe Holst es Schülerinnen der Mädchenschule gewidmet, an der der Komponist selbst unterrichtete.

Nach der Pause erfolgte der Sprung zurück in die Zeit eines Engländers, der gar keiner war. Der gebürtige Hallenser Georg Friedrich Händel, erstmals 1710 nach London gekommen, prägte die britische Musik wie kaum ein anderer. Sein Konzert Nr. 3 g-Moll schrieb er 1704/05 noch in Hamburg fürs selbsternannte damalige Lieblingsinstrument Oboe, für Streicher und Basso continuo.

Benjamin Britten liefert sperrigen Höhepunkt des Abends

Frömbgen und sein Soloinstrument glänzten hier vor einem feierlich-ernsthaften, aber auch heiter-beschwingten Hintergrund.

Etwas sperrig – zumindest für ungeübte Ohren – geriet der Höhepunkt des Frühlingskonzertes: Benjamin Brittens Variationen über ein Thema von Frank Bridge. Für Streicher – das betonte Tewinkel – ist das recht dissonante Werk auch wegen schwerer Griffe eine Herausforderung. Zwischendrin flammten Elemente von Marsch, Walzer und Romanze unverkennbar auf.

Oboe und Cembalo im Dreiklang

Gut dennoch, dass der Abend mit der Zugabe und dem 2. Satz aus dem Oboenkonzert d-Moll des italienischen Barockkünstlers Alessandro Marcello wieder harmonischer endete. Frömbgens Blasinstrument und das Cembalo klangen hier zum dritten Mal zusammen.

Sebastian Tewinkel besitzt übrigens wesentlichen Anteil daran, dass der Solist beim Frühlingskonzert auftrat. Bei der Verpflichtung der Musiker hatte er den Koblenzer, der schon unter Claudio Abbado spielen durfte, vorgeschlagen.

Herzliches Verhältnis von Dirigent und Solist

Beide lernten sich vor etwa 15 Jahren bei einer Rundfunkproduktion mit den Bamberger Symphonikern kennen und pflegen ein harmonisches Verhältnis. Das war im Saal zu erkennen – sowohl im Zusammenspiel als auch durch herzliche Umarmungen beim Applaus. „Mit Leuten, mit denen man sich gut versteht, macht das Musizieren besonders viel Spaß“, so Tewinkel nach dem Konzert.

Dieses lässt sich nachhören bei BR Klassik am 22. April, 20:05 Uhr.

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