Motorsport
Motocrossler ackern auf der Bramberger Alm
Heißer Ritt: Einige  Motocrossler schrubben  über die „Bramberger Alm“ –  das hat seit Jahrzehnten Tradition.
Heißer Ritt: Einige Motocrossler schrubben über die „Bramberger Alm“ – das hat seit Jahrzehnten Tradition.
Foto: BMC
F-Signet von Günther Geiling Fränkischer Tag
Ebern – Zum Jubiläum des Bramberger Motorsportclubs steht ein Rennen an. Die Mitglieder zahlten in den 70ern abenteuerliche Preise für ihre Zweiräder.

Eingebettet in eine schöne Landschaft liegt Bramberg, ein 200 Einwohner-Stadtteil Eberns, mitten im Naturpark Haßberge. Die Burgruine auf einer Basaltkuppe strahlt eine besondere Ruhe aus. Wanderer und Urlauber wissen das besonders zu schätzen. Diese Ruhe wird nur unterbrochen, wenn es auf der „Bramberger Alm“ aus allen Zylindern dröhnt und die Motocross-Fahrer verbissen um den Sieg kämpfen. Am kommenden Wochenende ist es wieder so weit. Mit dem Rennen feiert der Bramberger Motorsportclub (BMC) Bramberg auch sein 50. Jubiläum.

Mit diesem jungen Team um  Vorsitzenden Michael Weidner (vordere Reihe 3. von rechts) geht der BMC Bramberg ins  Jubiläumsjahr.
Mit diesem jungen Team um Vorsitzenden Michael Weidner (vordere Reihe 3. von rechts) geht der BMC Bramberg ins Jubiläumsjahr.
Foto: BMC Bramberg

Motocross gehört ohne Zweifel zu den spektakulärsten Motorsportarten, seine Wiege steht in Großbritannien. Nach dem Zweiten Weltkrieg und vor allem in den 1960er und 70er Jahren nahm dieser Sport auch in Deutschland einen besonderen Aufschwung. Damals regte sich auch schon in Bramberg die erste Begeisterung, die mit dem Namen des ehemaligen Lehrers Alois Voigt verbunden ist. Er hat auch die Geschichte des „Bramberger Motorsport-Clubs“ festgehalten:

Zum Jubiläum „50 Jahre BMC Bramberg“ gibt es einen Fotoband mit vielen Informationen über die Geschichte und Entwicklung des Vereins.

Livemusik und freier Eintritt

Außerdem blickt der Verein am Freitag ab 18 Uhr in einem Festkommers auf die vergangenen 50 Jahre zurück und wird verdiente Mitglieder ehren. Danach gibt es Livemusik mit der Band „die Blechquetsch’n Musi“. Der Eintritt zu der Abendveranstaltung ist frei.

Wie Alois Vogt aus der Gründerzeit berichtet, war um 1968 das Motorradfahren auf einem Tiefpunkt angelangt: Viele Maschinen standen ungenutzt in Scheunen und Holzlegen herum und fristeten ein staubiges Dasein, bis sich vielleicht ein Schrotthändler erbarmte und sie zum Schrottplatz mitnahm. „Als ich 1969 nach Bramberg versetzt wurde, konnte man die zugelassenen Motorräder in der Umgebung an einer Hand abzählen. In Bramberg traf ich noch zwei Männer an, die Motorrad fuhren: Der Wagners Otto und der Feustels Franz.“

Sehnsucht nach Motorradfahren ist groß

Hier beginnt die eigentliche Geschichte des Vereins. „Nach einem strengen Winter 1969/70 erwachte in den ersten warmen Frühjahrstagen in mir wieder die alte Sehnsucht vom Motorradfahren im freien Gelände“, beschreibt Vogt die Situation. Es gab auch schon Clubs, doch die waren weit entfernt. Und da erfuhr er in Wirtshausgespräche von einem ehemals aktiven „DKW-Club Jesserndorf“, der seinerzeit in den 50er Jahren in Blüte stand. In vielen Anwesen standen auch noch alte Motorräder ungenutzt. Was lag da näher, als zu versuchen, wieder etwas auf die Beine zu stellen.

„Ich kaufte am 4.April für 50 Mark ein technisch einwandfreies Motorrad, Marke Zündapp Elastik, 200 Kubikzentimeter, Baujahr 1952 von Ernst Miener in der Poppelsmühle. Es war die erste Maschine, die herumbrummte und zugleich der Beginn einer neuen Ära im Leben des Hassbergdorfes“. Vier Tage später habe Vogt den Jugendlichen in der Wirtschaft mitgeteilt, was er sich vorstellte. „Mit alten Motorrädern, die etwas umgebaut wurden, auf einem abgesperrten Gelände nach Lust und Liebe herumzufahren.“

Zwölf Interessenten am ersten Tag

Was daraus wurde, hätte er sich in den kühnsten Träumen nicht ausmalen können und noch am selben Abend hätten sich zwölf Interessenten spontan in eine Liste eingetragen. Es waren dies: Albert Kuhn, Ludwig Huppmann jun., Hans Wohlfahrt, Hugo Reuter, Rudolf Güßbacher, Ludwig Kuhn, Günter Reuert, Alois Voigt, Willi Pecht, Gregor Pecht, Edgar Häfner und Gregor Häfner.

Schon am 25. April fand dann die Gründungsversammlung mit 25 Mitgliedern statt, bei der Ludwig Huppmann jun. zum Vorsitzenden gewählt wurde. Sofort gingen die Mitglieder an die Arbeit und klapperten die Ortschaften nach alten Motorrädern ab. „Man konnte nur so staunen, was es damals alles zu kaufen gab. Für 5 Mark eine technisch einwandfreie 250er BMW.

Begeisterung kannte keine Grenzen

Das Motorradprogramm der 50er Jahre erlebte in Bramberg eine Renaissance“, beschreibt Alois Vogt diese Zeit, in der manche Maschine bei Nacht und Nebel auf abenteuerlichem Weg ins Dorf gebracht wurde. „Die Begeisterung unter der Jugend kannte keine Grenzen. Die ältere Generation stand unserem Vorhaben zunächst etwas skeptisch entgegen.“

Als erstes Rennen gab es dann bald ein Geschicklichkeitsfahren und bereits zwei Monate später am 20. September wurde ein zweites Rennen als Geländefahrt im Flurstück „Mündlein“ ausgerichtet. Hierbei heimste Ewald Weingold aus Kirchlauter den Sieg vor einer großen Zuschauerkulisse ein. Damit war Bramberg in der Gegend aller Munde − und ist es bis heute im Motorsport geblieben.

Tausende Zuschauer beim Motocross-Event

Höhepunkt im sportlichen Geschehen im weiten Umkreis war immer das Motocross-Event am 1. Mai. Es lockte Tausende Zuschauer an, weil namhafte Fahrer, aber auch Lokalmatadoren in der Nordbayern-Serie starteten. Sogar Europameisterschaftsläufe oder der Nationencup der IMBA in der Gespann-Klasse mit Teilnehmern aus Belgien, England, Holland, Frankreich, der Schweiz und aus Deutschland begeisterte die Zuschauer auf „der Alm“.Aus den kleinen und lokalen Rennen wurden damit internationale Meisterschaften mit hohem Ansehen und sie machten Bramberg über seine Grenzen hinaus in Europa bekannt.

Ein Blick auf die Alm bei Bramberg.
Ein Blick auf die Alm bei Bramberg.
Foto: BMC Bramberg

An diese Zeiten erinnern am Jubiläumswochenende die Rennen in der „Nordbayern-Thüringen-Motocross-Challenge“. Als absolutes Highlight gilt auch wieder das Seitenwagen-Rennen um den „Veteranen-Cup“, das in früheren Jahren die Stärke der Bramberger war und Lokalmatadoren wie Wohlfahrt, Bortenlänger, Weber und Mai die Motorfans nach Bramberg strömen ließen.

 

Am Sonntag um 12 Uhr wird’s ernst

Auch in diesem Jahr sind wieder Spitzenfahrer in Bramberg zu sehen. Am Samstagvormittag stehen das freie und das Pflichttraining an. Mittags folgen die Wertungsläufe. Mit einer Fahrerbesprechung geht man in den Sonntag, an dem ab 12 Uhr die Wertungsläufe in den einzelnen Klassen stattfinden.

Nicht immer finden Fahrten auf der Cross im geregelten Rahmen statt: Lesen Sie dazu:

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