Abwasser
Ehrgeiziges Kanalprojekt für Lautergrund
Klärwärter Daniel Roßmeier bei der Probeentnahme am Sandfang der über 40 Jahre alten Anlage in Appendorf
Klärwärter Daniel Roßmeier bei der Probeentnahme am Sandfang der über 40 Jahre alten Anlage in Appendorf
Foto: Günther Geiling
Ebelsbach – Die Kläranlage in Appendorf ist total veraltet und es stellt sich die Frage: Sanierung, Neubau oder Anschluss an die Kläranlage in Baunach.

Die Kläranlage in Appendorf ist total veraltet und es stellt sich die Frage nach einer Sanierung, einem Neubau oder gar einem Anschluss an die Kläranlage in Baunach. Die beiden Gemeinderatsgremien von Ebelsbach und Breitbrunn hörten hierzu in einer gemeinsamen Sitzung erste Informationen, wobei mit der stolzen Summe von 5,5 bis 6,5 Millionen Euro gerechnet werden muss.

Im Bürgersaal von Ebelsbach begrüßte 1. Bürgermeister Martin Horn die beiden Gemeinderatsgremien und auch die Bürgermeisterkollegen Ruth Frank aus Breitbrunn sowie Ronny Beck aus Lauter sowie Planer Architekt Hugo Barthel. Er hob hervor, dass es Sinn mache, dieses Vorhaben gemeinsam zu diskutieren, denn in die Kläranlage in Appendorf flössen die Abwässer von den Ortsteilen Hasenmühle/Kottendorf und Lußberg der Gemeinde Breitbrunn, von Rudendorf (Gemeinde Ebelsbach) sowie aus dem gesamten Bereich der Gemeinde Lauter. Es gebe hier einen Vertrag über die Behandlung des Abwassers aus dem Jahre 1994 und die Anlage müsse auf jeden Fall ertüchtigt oder neu gebaut werden.

Die Kläranlage ist schon lange ein Thema

Bürgermeister Ronny Beck erinnerte daran, dass er schon zwei Perioden im Gemeinderat und nun Bürgermeister von Lauter sei – und so lange werde auch schon über die Kläranlage gesprochen. Sie sei 1978 gebaut worden und sei nun über 40 Jahre alt. Derzeit werde alles teurer, die Baupreise schössen zur Decke und vom Landratsamt würde die Betriebserlaubnis nicht mehr verlängert, wenn man nicht an Planungen herangehe. „Wir müssen etwas machen, sonst kriegen wir das Messer auf die Brust gesetzt.“

Dipl.-Ing. Hugo Barthel zeigte die aktuelle Situation für die Orte im Lautergrund auf, wo das Abwasser im „Freispiegelgefälle“ zur Kläranlage in Appendorf fließe. Derzeit seien die Ortschaften Kottendorf (80 Einwohner), Lußberg (180) und Rudendorf (225) aus Unterfranken und die Gemeinde Lauter aus Oberfranken mit 1150 Einwohner angeschlossen. „Bei 40 Jahren ist eine Sanierung einer Kläranlage dringend nötig. Die Schlammbecken sind nicht mehr zeitgemäß, es gibt keinen Fettfang und auch der Sandfang erfolgt manuell, Steuerung und Überwachung sind veraltet und auch das Betriebsgebäude entspricht nicht mehr den Vorschriften“, ließ Hugo Barthel keinen Zweifel an der Notwendigkeit dieser Maßnahme.

Anschluss an die Kläranlage in Baunach? Hoher Aufwand und hohe Kosten!

Barthel zeigte auch auf, was ein eventueller Anschluss an die Kläranlage Baunach bedeuten würde. Hier müsse die Kapazität der Anlage in Baunach (5026 Einwohner) auf 7000 Einwohner erhöht werden. Allein der Mischwasserzufluss würde um 23 Liter/Sekunde auf 65 Liter/Sekunde steigen und dies würde einen nicht unerheblichen Aufwand für alles, auch für die Pumpwerke, bedeuten. Man bräuchte in Appendorf eine zusätzliche Pumpstation und eine 3,3 Kilometer lange Druckleitung.

„Eine spannende Herausforderung und ein großer finanzieller Aufwand wäre aber die Vergrößerung des Speichervolumens durch ein Rückhaltebecken mit circa 1200 Kubikmetern und auch die Belebungsbecken müssen von 2700 auf 3600 Kubikmeter vergrößert werden“, betonte Barthel.

Auf der Suche nach der wirtschaftlichsten Lösung

Nach den bisherigen Berechnungen würde laut Barthel ein Neubau einer Kläranlage in Appendorf 5,1 Millionen Euro kosten, ohne Baunebenkosten. Bei einem Anschluss an die Kläranlage müsse man jedoch mit 5,9 Millionen Euro rechnen. Und mit allen Unwägbarkeiten wie Grunddienstbarkeiten oder Ablösevereinbarungen der Stadt Baunach könne auch die Summe von 6,5 Millionen Euro erreicht werden. „Der Neubau der Kläranlage Appendorf ist deswegen die wirtschaftlichste Lösung“, stellte der Ingenieur fest.

Über den Berg pumpen?

Aus diesen Vorgaben heraus entwickelte sich eine rege Diskussion, die Helmut Schöpplein aus Ebelsbach mit seinem Vorschlag eröffnete, das Abwasser aus Rudendorf über den Berg nach Schönbrunn mit Anschluss nach Ebelsbach zu pumpen. „Es wäre einfach besser, wenn wir alles selbst in der Hand behalten könnten. Kapazitäten in Eltmann haben wir genügend. Eine große Zentrale ist immer besser als viele kleine Einrichtungen.“ Barthel wies darauf hin, dass damit auch der Lauter das Wasser genommen würde. „Wir pumpen damit Wasser von einem Tal ins andere.“ Bürgermeister Martin Horn ergänzte, dass eine Förderhöhe von 67 Meter für Abwasser schon immens sei und er sich nicht sicher sei, ob das so einfach gehe. „Wenn wir dagegen im Freispiegel nach Lauter entwässern, haben wir auch keine Folgekosten bis dahin. Die Alternative Schönbrunn hätte zwar ihren Charme, aber vom Aufwand her wäre das andere sinnvoller.“ Patricia Mück meinte, dass ein Anschluss von Rudendorf über den Berg nach Ebelsbach den eigenen Haushalt belasten würde, während man das bei der Lösung Appendorf über einen eigenen Zweckverband lösen könnte. Dem schloss sich auch Bürgermeister Martin Horn an und sprach den Wunsch nach einer Gründung eines Zweckverbandes aus, um das ganze Projekt gemeinsam zu stemmen.

Bürgermeister Ronny Beck stellte klar, dass auch für die Gemeinde Lauter ein Anschluss nach Baunach keinen Sinn mache. In Appendorf habe man dann aber eine neue Kläranlage. Jetzt gehe es darum, dass in den Gemeinden Breitbrunn und Ebelsbach möglichst bald entschieden wird, damit die Gemeinde Lauter weiter planen könne.

Wie würden die Bürger zur Kasse gebeten?

Auch die Verteilung der Kosten kam noch zur Sprache. Bei der Lösung mit Appendorf, müssten die Kosten auf die Einwohner und Nutzer in den jeweiligen Ortsteilen umgelegt werden über Verbesserungsbeiträge oder die Abwassergebühren, während bei einer Lösung über Schönbrunn und Anschluss an Ebelsbach dann die gesamte Gemeinde Ebelsbach mitzahlen müsste. Dies wäre eine politische Diskussion und auf diese wollte sich VG-Geschäftsführer Matthias Klauda zu diesem Zeitpunkt nicht einlassen. Bürgermeisterin Ruth Frank sah diese Situation für die Gemeinde Breitbrunn ähnlich. Eine Zusammenlegung habe man schon mit Satzungsänderungen diskutiert, und dies werde ein Thema bleiben.