Kerzen und Blumen in Gedenken an die Tote sind die stummen Hinweise auf ein schreckliches Verbrechen. Seit Freitagnachmittag stellen die Weisendorfer die Kerzen vor dem Haus im Wohnviertel Gerbersleite auf.
Dort hatte sich am Morgen des Dreikönigstags eine Tragödie ereignet, deren Ausmaß sich die Anwohner niemals hätten vorstellen können, als sie am Freitagmorgen die Martinshörner der Streifenwagen hörten.
Ein Tag nach dem furchtbaren Verbrechen an einem 14-jährigen Mädchen ist die Gemeinde Weisendorf wie betäubt. Am Dreikönigstag wurde das junge Mädchen mutmaßlich von seinem 17-jährigen Bruder getötet, die 41-jährige alleinerziehende Mutter schwer verletzt.
Kerzen und Kuscheltiere
Eine bedrückende Stille liegt über der Gerbersleite, wo die Familie eine Doppelhaushälfte bewohnte. Ein Roller lehnt an der Hauswand, ein weiß-rot-gestreiftes Flatterband versperrt den Weg zur Haustür.
Als Zeichen ihrer Anteilnahme haben bereits einige Weisendorfer einen letzten Gruß in Form eines Blumenstraußes, einer Kerze oder kleiner Plüschtiere vor der Hofeinfahrt platziert.
Anna Weber (Namen von der Redaktion geändert) und ihre Tochter Sarah haben einen Strauß Rosen dabei, den die Zwölfjährige behutsam auf der Erde ablegt. Seit sieben Jahren wohnt Weber mit ihren Kindern in Weisendorf.
"So etwas passiert doch nur in der Stadt."
Gekannt hat sie die Familie nur vom Sehen. Mal ein Hallo, ein Aufwiedersehen. „Aber sie war ein Teil der Gemeinde“, sagt Weber. Sie sieht zum Haus hinüber, das nun verwaist ist. „Mein Sohn ist im gleichen Alter wie der Bruder des Mädchens. Man denkt doch nicht, dass hier so etwas passiert. So etwas passiert doch nur in der Stadt.“
Sarah tritt wieder an die Seite ihrer Mutter. Sie wirkt bedrückt. „Der Vater tut mir leid“, sagt Anna Weber. „Wenn man selbst eine Tochter im ähnlichen Alter hat, ist das so“, sagt sie. „Man fragt sich warum? Das ist alles so sinnlos.“
Das Verbrechen wird Weisendorf noch lange beschäftigen, ist doch noch immer unklar, warum die Tat begangen wurde.
Der Verdächtige galt als ruhig und zurückgezogen
Gegen den Bruder des Opfers hat der Ermittlungsrichter am Amtsgericht Erlangen am Samstag Haftbefehl erlassen. Der Jugendliche galt laut den Anwohnern im Ort als ruhig und eher zurückgezogen. Er und die ganze Familie waren in Weisendorf bekannt und beliebt.
Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren
Im Streit soll der Teenager Schwester und Mutter mit einem Messer angegriffen haben. Ob das stimmt und wenn ja, wie die Situation so eskalieren konnte, ist noch völlig unklar. Die Mordkommission Erlangen hat die Ermittlungen übernommen.
Britta Schnake/Andrea Beck
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