Wird es ein „Lonnerstadter Modell“? Gerrit Hoppe, Dritter Bürgermeister der Marktgemeinde, prägte den Begriff im Gespräch mit Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW). In der Tat könnte es durchaus sein, dass die geplante Freiflächenphotovoltaikanlage beim Windrad „ERH 3“ einen Durchbruch markieren wird.
Denn „dieser Konflikt hat sich bisher noch nicht gestellt“, sagte Aiwanger beim Besuch vor Ort. Für die seit zwei Jahren geplante, viel diskutierte Photovoltaikanlage im Norden der Marktgemeinde gab der bayerische Wirtschaftsminister nun grünes Licht. Dem Bau einer Photovoltaikanlage „rund um das Windrad“ hatte sich bislang die Gesetzgebung entgegengestellt.
Im Bebauungsplanverfahren für die Freiflächenphotovoltaikanlage wurde die Gemeinde durch die Bezirksregierung von Mittelfranken gestoppt: Wenn ein Vorranggebiet für Windkraft ausgewiesen sei, dürfe der Windkraft keine konkurrierende Nutzung im Wege stehen.
Eigentlich „ein No-Go“, meinte Aiwanger, der die frohe Botschaft an Ort und Stelle selbst überbrachte. Gesunder Menschenverstand und Paragrafenwelt stünden hier gegeneinander. Obwohl Verwaltungsmühlen allgemein Langsamkeit nachgesagt werde, sei eine blitzschnelle Lösung gefunden worden.
Mehr Vorranggebiete
Gerade weil künftig verstärkt Windvorranggebiete ausgewiesen werden sollen, müssten Wind- und Sonneenergieanlagen räumlich kombiniert werden. Neben einem Windrad könne nicht 50 Meter weiter ein weiteres gebaut werden, wie Aiwanger erläuterte: „Die nehmen sich gegenseitig den Wind weg.“ Auch mit Blick auf Verteilnetze und Umspannwerke sollten Wind- und Sonneanlagen „idealerweise an einem Ort“ sein. „Wir werden das vervielfältigen in ganz Bayern“, ließ der Minister hören. Auch Berlin habe man davon überzeugen können.
„Ein guter Tag für Bayern“ sagte der Minister und dankte Lonnerstadts Bürgermeisterin Regina Bruckmann, „dass sie uns diesen Anstoß gegeben hat“.
Bereits am 4. Juli hatte zu dem Thema unter Leitung von Zweitem Bürgermeister Günter Rost ein runder Tisch stattgefunden. Die wesentlichen Lösungsvorschläge sind dabei wohl dem Abteilungsleiter Landesentwicklung, Klaus Ulrich, zu verdanken. Wäre diese Runde nicht gut gegangen, wäre das laut Aiwanger ein Rückschlag für Bayern gewesen.
Aiwanger sieht Durchbruch
Jetzt sieht der Wirtschaftsminister für Bayern „den Durchbruch für erneuerbare Energien“. Geplant sei auch, über Hopfen – „er liebt den Schatten“ – PV-Anlagen zu bauen. Zudem ist nach Aiwangers Worten jetzt auch „der Startschuss“ gefallen, um von den 1000 Metern Entfernung der Windräder zur Wohnbebauung abzugehen.
Regenerative Energien müssten gebündelt werden, betonte Bürgermeisterin Regina Bruckmann in ihrer Begrüßung. Sie hat dabei die große Mehrheit ihrer Gemeinderatsmitglieder und Bürger hinter sich. Das Gremium habe auch einen Kriterienkatalog erarbeitet, an dessen Richtlinien sich Investoren zu orientieren haben. Die Windkraftanlagen nördlich von Lonnerstadt wurden 2014 genehmigt und im folgenden Jahr errichtet. Fünf stehen Windräder auf Lonnerstadter Gemeindegebiet, zwei im Staatsforst. Die Bevölkerung stehe hinter den Windrädern, da es sich um echte Bürgeranlagen handle.
2020 habe der Grundeigentümer Herbert Krafft den Antrag für die Freiflächenphotovoltaikanlage am Windrad 3 eingebracht. Ein früherer Antrag Kraffts war abgelehnt worden, da sich der Standort auf eine Lage näher am Ort bezog. Die nun aktuelle Planung der PV-Anlage überzieht eine Fläche von rund fünf Hektar.
In der Achse des Windrads soll ein Wildkorridor frei von Modulen bleiben. Aiwanger riet den Planern, lieber mit dem Zaun 30 bis 40 Zentimeter über dem Boden zu bleiben, damit das Wild durchschlüpfen könne.
Bürgerinitiative von 2021
2021 hatte es wegen der Photovoltaikanlage einen von einer Bürgerinitiative initiierten Bürgerentscheid gegeben. 55 Prozent der Wählerinnen und Wähler hatten sich bei der Abstimmung für den Bau der Anlage ausgesprochen. Im Rahmen des Bauleitverfahrens sei dann als Stellungnahme der Regierung von Mittelfranken die PV-Anlage rund um das Windrad abgelehnt worden. Nach Bekanntwerden sei das mediale Interesse groß gewesen.
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