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Landestheater Coburg
Wie Rossinis "Barbier" in Coburg zum Heist wird
Theater Coburg
Almaviva (Jaeil Kim) und Figaro (Daniel Carison) bei einer ihrer Betrügereien. // Marco Sommer
Signet des Fränkischen Tags von Carolin Herrmann
Coburg – Gioachino Rossinis berühmte Opernkomödie kommt in der Regie von Sonja Trebes aus Teuschnitz am Landestheater Coburg als vor Heiterkeit berstende Kunsträuber-Pistole daher. 

Fünf Hoover-Staubsauger in seiner Geschäftsauslage. Sonst zuständig für einfach alles. Ob seine Finten immer von Erfolg gekrönt sind, ist eine andere Frage: Figaro, der Barbier von Sevilla, ab sofort der Barbier von Coburg. Und: Jubel. Jubel. Lautstarker Jubel. Im vollen Globe herrscht von den ersten Minuten an nichts als ungetrübte Heiterkeit. Das Landestheater beschert einen Rossini-Spaß, wie er so noch nicht zu erleben war. Weil sich so etwas noch keiner ausgedacht hat. 

Die Teuschnitzerin Sonja Trebes trumpft in Coburg auf

Für diesen dreisten Opern-Raub hat sich die aus Teuschnitz im Landkreis Kronach stammende Regisseurin Sonja Trebes aufs Härteste zu verantworten. Sie hat die beliebteste aller Opera buffa (uraufgeführt 1816 und seither prägend) jetzt auch noch in eine den heutigen Heist-Filmen nachempfundene Räuber-Komödie verwandelt. Klamauk wird's aber wohlbemerkt nicht.

Die Verwandlung durch Sonja Trebes funktioniert erstaunlich stimmig – bis auf den Schluss, der allem vorher Besungenen widerspricht. Aber das ist ein Coup für sich, der hier selbstverständlich nicht verraten wird. 

Theater Coburg
Figaro (Daniel Carison) // Marco Sommer

Wir haben es jetzt mit einem raffinierten Diebes-Trio zu tun, bestehend aus dem durchaus zu Gewalt neigenden Bartolo (Michael Lion), seinem willigen Kumpanen Don Basilio (Bartosz Araszkiewitz) und der talentierten Kunstfälscherin Rosina (Emiliy Lorini). Die will Bartolo zur Heirat zwingen, solange sie noch sein Mündel, also ihm ausgeliefert ist. 

Die drei klauen schon während der einleitenden Sinfonia des vor Vergnügen auch bald vibrierenden Philharmonischen Orchesters unter Leitung von David Preil das berühmte Gemälde „Die freiliebende Hirschkuh“ aus dem Madrider Prado. Im Foyer des Globe hängen einige weitere, wirklich grässliche Röhrender-Hirsch-Bilder, um deren Stiftung das Landestheater die Bevölkerung im Vorfeld gebeten hatte. 

 

Zurück in den Prado: Während David Preil die Musiker im Graben schon mal mit einigen der so zahlreichen wunderbaren und so typischen Rossini-Melodien warmlaufen lässt, kommt es auf der Bühne pantomimisch erschütternd zum Raub der Hirschkuh und anschließend zu einer weltweiten Verfolgungsjagd des Trios durch den Polizeichef Almaviva und seine schräge Truppe (der wieder so witzige Männerchor des Landestheaters). Nur dass Almaviva es mittlerweile nicht mehr auf das  wertvolle Bild, sondern auf die resolut-entzückende Rosina abgesehen hat. Die Welt und dann die beengten, aber witzig variablen Räumlichkeiten der Kunsträuber hat Dirk Becker eingerichtet.

Von hier an darf der Film in Ihrem Kopf alleine weiter laufen. Keine Sorge, Sie können sich gar nicht vergaloppieren. Die Regisseurin wartet auf der Bühne mit so vielen witzigen Einfällen zur Ausschmückung der abstrusen Geschichte auf, dass selbst das Ensemble bei der Premiere am Samstag vor Spiellaune fast platzte. 

Theater Coburg
Figaro (Daniel Carison) // Marco Sommer

Allen voran dieser Daniel Carison als in allen Bariton-Künsten bewanderter Figaro, ein lila Kerl (Kostüme Melchior Silbersack) wie aus dem Comic. Was der sich für hinreißende Duette mit Jaeil Kim als schnell umkostümierter tenoraler Räuberjäger liefert – das Premierenpublikum wippte und tänzelte ohnehin längst mit. Und wenn dann auch noch Emily Lorini als diese wendige, gewitzte Rosina dazukommt, die mit sicherem Sprung in die höchsten Höhen mitreißt in den schönsten italienischen Operntaumel… 

Wieder einmal können die anderen rundum begeisternden Sänger hier nur kursorisch verehrt werden. Die kleine Hausmaus Berta (Keiko Obai), ach ja, die muss doch extra erwähnt werden: Piepst erst hinter der Tür: Wir kaufen nix. Um dann in eine grandiose Arie auszubrechen.

Das umfassende Vergnügen dieser Produktion erwächst vor allem auch aus der großen musikalischen  Harmonie zwischen Orchester und gesanglich sprühendem Geschehen auf der Bühne; wir sind gespannt, was uns David Preil ab sofort noch bescheren wird. 


Hintergrund zur Aufführung in Coburg:

Sonja Trebes stammt aus Teuschnitz, Landkreis Kronach, und sang bereits als Kind im Kinderchor des Landestheaters. Nach ihrem Gesangsdiplom an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und dreijähriger solistischer Tätigkeit am Landestheater Eisenach studierte Sonja Trebes Musiktheaterregie an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Als Assistentin wirkte sie mehrere Jahre bei den Bayreuther Festspielen und den Salzburger Osterfestspielen mit, bevor sie sich als freie Regisseurin selbständig und bereits an verschiedenen Theatern auf sich aufmerksam machte. 

David Preil  hat in dieser Spielzeit die zuletzt nicht besetzte Position des 1. Kapellmeisters am Landestheater Coburg übernommen. Über seine Verpflichtungen in Oper und Konzert am Landestheater sowie an weiteren Häusern hinaus wird Preil sein dirigentisches Debüt an der Semperoper Dresden sowie mit den Nürnberger Symphonikern geben. Von 2022 bis 2024 war David Preil am Theater Hof engagiert. Seit 2021 wird er durch das Forum Dirigieren des deutschen Musikrats gefördert. Von 2020 bis 2022 war Preil an der Sächsischen Staatsoper Dresden als Korrepetitor im Jungen Ensemble tätig. Er assistierte namhaften Dirigenten und Dirigentinnen. Sein Hauptfach Orchesterdirigieren hat er  an der Hochschule Weimar absolviert. 

Die Produktion Landestheater Coburg: „Il barbiere di Siviglia“, Melodramma buffo in zwei Akten von  Gioachino Rossini, Libretto von Cesare Sterbini. Musikalische Leitung David Preil, Inszenierung Sonja Trebes, Bühne Dirk Becker, Kostüme Melchior Silbersack, Dramaturgie André Sievers, Choreinstudierung Alice Lapasin Zorzit. Mit dem Philharmonischen Orchester und dem Herrenchor des Landestheaters.


Das Ensemble: Jaeil Kim als Almaviva, Daniel Carison alternierend mit Daniel Gyungmin Gwon als Figaro; Michael Lion als Bartolo, Emilie Lorini/Hlengiwe Precious Mkhwanazi als Rosina, Bartosz Araszkiewitz/Jinwook Jeon als Don Basilio, Simon van Rensburg und Martin Trepl als Fiorillo, Keiko Obai und Stefanie Ernst als Berta, Simon van Rensburg und Martin Trepl als Offizier.


Weitere Termine: 21. November, 3. und 21. Dezember, 19.30 Uhr, im Globe. 
 

 

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