Dreizehn Führerscheine –
Bei den Dreharbeiten zum Dokumentarfilm (von links) der Leiter des P-Seminars „13 Führerscheine – Dreizehn jüdische Schicksale“ am Meranier-Gymnasium Lichtenfels, Studiendirektor a.D. Manfred Brösamle-Lambrecht, Regissseur Ryoya Terao, Kameramann Mark Raker.
Bei den Dreharbeiten zum Dokumentarfilm (von links) der Leiter des P-Seminars „13 Führerscheine – Dreizehn jüdische Schicksale“ am Meranier-Gymnasium Lichtenfels, Studiendirektor a.D. Manfred Brösamle-Lambrecht, Regissseur Ryoya Terao, Kameramann Mark Raker.
Foto: Landratsamt Lichtenfels
Lichtenfels – Dokumentation  Emmy-Preisträger Mark Raker machte Filmaufnahmen im Landkreis.

„Wir sind enorm stolz auf diese jungen Leute aus unserem Landkreis, die mit ihrem P-Seminar ,13 Führerscheine – Dreizehn jüdische Schicksale’ seit 2018 Unglaubliches bewegt haben. Dass über dieses mehrfach ausgezeichnete und international sehr beachtete Projekt nun ein Dokumentarfilm entsteht, ist eine herausragende Würdigung und freut uns ganz besonders“, betonte Landrat Christian Meißner (CSU) anlässlich des Empfangs des Filmteams aus den Vereinigten Staaten und der Mit-Initiatorin Professorin Elisabeth Gareis, einer gebürtigen Lichtenfelserin, die seit 1994 in New York lebt und dort am Baruch College lehrt, im Landratsamt.

Ihr Ehemann, Ryoya Terao, wiederum ist Dokumentarfilmemacher und Associate Professor of Video Production am Department of Entertainment Technology am New York City College of Technology und Regisseur bei dem Projekt. Die Dreharbeiten begannen im Juni 2021 in New York, vom 30. Juli bis zum 8. August machte Emmy-Preisträger Mark Raker Aufnahmen in Lichtenfels.

Initiative aus New York

Die Initiative zu dem Film ging vom Deutschen Generalkonsulat in New York aus, unterstützt von Lisa Salko, selbst eine Nachfahrin eines der einstigen Führerscheinbesitzer, Sigmund Marx. Auf ihr Engagement hin wurde und wird die Ausstellung „13 Führerscheine“ an vielen Orten in den USA präsentiert. Lisa Salko selbst hat dazu in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Vorträgen gehalten und gibt weiterhin welche. Unter anderem war die Ausstellung im Museum of Jewish Heritage in New York City zu sehen.

Im Rahmen der Dreharbeiten in Deutschland wurden die ehemaligen Schülerinnen und Schüler, ihr ehemaliger Seminarleiter, Studiendirektor a.D. Manfred Brösamle-Lambrecht, die Altenkunstadter Archivarin Inge Goebel (83 Jahre) und der Lichtenfelser Zeitzeuge Walter Maisel (93 Jahre) interviewt. Der Plan ist, einen kürzeren Film bis Ende 2021/Anfang 2022 fertigzustellen. Eine längere Version soll folgen. Weitere Aufnahmen sind laut Pressemitteilung des Landratsamts im kommenden Jahr angedacht. Die Koinor-Horst-Müller-Stiftung wird das Projekt mit einem finanziellen Beitrag unterstützen, wie Michael Schulz vom Stiftungsrat beim Empfang im Landratsamt wissen ließ: „Mit dem Projekt 13 Führerscheine wurde etwas initiiert, was international in den Medien Beachtung fand. Dass dies nun zusätzlich mit einem Filmprojekt erweitert wird, freut uns sehr!“ Die Stiftung hat auch das P-Seminar und die Ausstellung gefördert.

Der Film dokumentiert Entstehung und Tragweite des P-Seminars „13 Führerscheine – Dreizehn jüdische Schicksale“ 2018/19 am Meranier-Gymnasium Lichtenfels (MGL). Es entstand auf Initiative von Landrat Christian Meißner nach einem Zufallsfund: Im Frühjahr 2017 war ein alter brauner Umschlag, der bei Aufräumarbeiten im Rahmen der Digitalisierung aufgetaucht war, auf dem Schreibtisch von Landrat Christian Meißner gelandet. Der Inhalt: 13 Führerscheine, die man 13 jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern des damaligen Bezirksamtes Lichtenfels 1938 abgenommen hatte – teils bei deren Emigration, teils im Zusammenhang mit den Novemberpogromen.

„Die Interviews mit den Schülerinnen und Schülern sowie mit Brösamle-Lambrecht machen deutlich, welch enorme Tragweite die Entscheidung von Landrat Meißner im Jahr 2017 und seine Unterstützung des Projekts haben“, so Elisabeth Gareis. Niemand habe bis dato in Deutschland eine solche Recherche gemacht. Beeindruckend sei für sie gewesen, dass die jungen Leute auch heute, zwei Jahre nach ihrem Abitur, durch das Projekt noch immer eng miteinander verbunden und enorm engagiert seien. red

Lesen Sie mehr zu folgenden Themen: