Streitfrage
Neue Umfrage: 40 Prozent Ablehnung
Wer ist auf dem Holzweg: Befürworter oder Gegner des Nationalparks Steigerwald?
Wer ist auf dem Holzweg: Befürworter oder Gegner des Nationalparks Steigerwald?
Foto: Verein „Unser Steigerwald“
Ebrach – Die Gegner vom Verein „Unser Steigerwald“ haben ihrerseits eine Umfrage in Auftrag gegeben.

Eine große Anzahl Bürger lehnt die Ausweisung eines Nationalparks im Steigerwald ab. Das bestätigt jetzt eine vom Verein Unser Steigerwald in Auftrag gegebene Umfrage in der Region nördlicher Steigerwald. Durchgeführt wurde sie im Juni durch das Institut ForschungsWerk GmbH, Nürnberg.

Das Ergebnis bestärkt den Verein in seinen Bemühungen, den Steigerwald als ökologisch wertvollen Naturpark weiterzuentwickeln, zu schützen und zu nutzen. „Gleichzeitig ist damit das Ergebnis der Umfrage des Vereins Nationalpark Steigerwald und der Grünen vom März, der zufolge drei Viertel der Bevölkerung in der Steigerwaldregion einen Nationalpark wollen, widerlegt“, so Oskar Ebert, stellvertretender Vorsitzender des Vereins.

75 Prozent der Befragten seien laut der aktuellen Umfrage ökologisch orientiert und fänden es wichtig, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Dennoch sprächen sich nur 27 Prozent für die Ausweisung eines Nationalparks im Steigerwald aus. 40 Prozent der Befragten seien dagegen, 32 Prozent hätten eine neutrale Einstellung dazu.

Holznutzung wichtiges Argument

Die Hauptgründe für die Ablehnung: der Wunsch, dass die regionale Holzverarbeitung sowie die damit verbundenen Arbeitsplätze erhalten bleiben sollen, ebenso der Bezug von Brennholz. Als wichtigen Beitrag zum Klimaschutz sehen die Befragten auch, Produkte aus heimischem Holz als Ersatz für Produkte aus Erdöl zu nutzen.

Dies alles wäre mit der Ausweisung eines Nationalparks nicht mehr möglich. Die aktuelle Waldbewirtschaftung durch den Forstbetrieb Ebrach mit dem Schwerpunkt auf der Waldökologie (das Trittsteinkonzept) wird positiv gesehen. Auch halten 41 Prozent der Befragten es für erforderlich, die Wälder im Steigerwald aktiv gegen die Folgen des Klimawandels umzugestalten und nicht sich selbst zu überlassen. 24 Prozent sind unentschlossen.

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Die hohe Wertschätzung der Holznutzung und -verarbeitung in der Region in Kombination mit der positiven Bewertung der waldökologischen Arbeit des Forstbetriebs Ebrach mache das hohe ökologische Bewusstsein der dort lebenden Menschen deutlich, so Oskar Ebert. Gleichzeitig ließen die Antworten der Befragten darauf schließen, dass vielen Bürgern nicht bewusst ist, dass sich Waldbewirtschaftung und Holzversorgung einerseits sowie die Ausweisung eines Nationalparks andererseits gegenseitig ausschließen.

Diese Fehleinschätzung sei das Ergebnis eines Informationsdefizites der Öffentlichkeit, die oftmals nicht wisse, dass bei einer Nationalparkausweisung riesige Waldgebiete im Steigerwald mit einem Holznutzungsverbot belegt würden, was massive Einschränkung der Holzversorgung in der Region zur Folge hätte. Die Ergebnisse der aktuellen Umfrage des Vereins „Unser Steigerwald“ bestärkten, so Ebert weiter, auch die betroffenen Kommunen in der Region.

Sie hätten von Anfang an eine Nationalparkausweisung per Gremienbeschluss abgelehnt. Erfreulich seien die Ergebnisse für „Unser Steigerwald“ und seine über 4000 Mitglieder auch deshalb, weil im Umfeld der Befragung durch falsche Informationen Stimmung gemacht worden sei, um das Ergebnis der Umfrage zu beeinflussen.

Klimaschutz ist vielen wichtig

Befragungsergebnisse im Einzelnen: 75 Prozent halten einen eigenen Beitrag zum Klimaschutz für wichtig oder sehr wichtig. Um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, greifen die Befragten oft auf regionale Produkte zurück (53 Prozent) oder sparen an Wasser, Strom und Heizkosten (41 Prozent). Acht von zehn Bürgern des Steigerwalds (81 Prozent) würden Produkte aus Holz im Gegensatz zu Produkten aus Erdöl zugunsten des Klimaschutzes präferieren.

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79 Prozent erachten die Holzindustrie im Steigerwald als Garant von Arbeitsplätzen als wichtig oder sehr wichtig. Bei 69 Prozent stößt der Wegfall von regionalem Brennholz auf Ablehnung, gerade zehn Prozent finden das gut. 76 Prozent finden es nicht gut oder eher nicht gut, dass durch die geringere Herstellung von Holzprodukten Arbeitsplätze verloren gehen. Dass zur Herstellung von Produkten das Holz aus entfernteren Regionen bezogen werden müsste, finden 75 Prozent der Befragten nicht gut oder eher nicht gut.

Fast alle Befragten haben schon davon gehört, nur 27 Prozent sind allerdings für die Ausweisung eines Nationalparks. 40 Prozent finden es nicht gut, dass in einem Nationalpark durch verrottendes Holz CO2 in die Atmosphäre entweicht. 34 Prozent sind unentschlossen und nur 21 Prozent finden es gut. Bei der Nennung von Vor- und Nachteilen eines Nationalparks sehen die Befragten in der Summe überwiegend Nachteile.

64 Prozent der Befragten finden das europaweit anerkannte Waldbewirtschaftungskonzept des Forstbetriebs Ebrach gut, nur neun Prozent lehnen dieses ab. 35 Prozent der Befragten sind dafür, dass sich die Wälder durch die Ausweisung eines Nationalparks selbst überlassen bleiben und nicht an den Klimawandel angepasst werden. red