Energiewende
Der meiste Strom wird selbst produziert
Geschäftsführer der Stadtwerke Haßfurt Norbert Zösch (mitte) erklärt den Landtagsabgeordneten Martin Mittag, Benjamin Miskowitsch, Kerstin Schreyer, Steffen Vogel und Alexander König die Funktionsweise der Power-to-gas-Anlage Haßfurt.
Geschäftsführer der Stadtwerke Haßfurt Norbert Zösch (mitte) erklärt den Landtagsabgeordneten Martin Mittag, Benjamin Miskowitsch, Kerstin Schreyer, Steffen Vogel und Alexander König die Funktionsweise der Power-to-gas-Anlage Haßfurt.
Foto: MdL-Büro Vogel)
LKR Haßberge – Der Landkreis Haßberge macht 85 Prozent seines Stroms selbst.

Auf Einladung von MdL Steffen Vogel besuchte die Vorsitzende des Landtagsausschusses für Wirtschaft, Energie und Digitalisierung, Kerstin Schreyer, zusammen mit den Abgeordneten Benjamin Miskowitsch, Martin Mittag und Alexander König den Landkreis Haßberge, um sich vor Ort über die Initiativen zur Energiewende im Landkreis Haßberge zu informieren.

Der Geschäftsführer der GUT, Marco Siller, erläuterte zusammen mit Landrat Wilhelm Schneider welche Schritte im Landkreis unternommen worden sind, um die Energiewende voranzubringen. Dabei stellte er laut einer Pressemitteilung heraus, dass der Landkreis bereits jetzt rund 85 Prozent seines elektrischen Strombedarfs bilanziell selbst produziert. „Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Energiewende ist jedoch die Wärmeversorgung durch Erneuerbare Energien. Denn der größte Energiebedarf liegt beim Wärmebedarf. Im Landkreis Haßberge sind dies 1.243.069 MWh im Jahr im Vergleich zu rund 428.033 MWh, die im Landkreis für die elektrische Energie benötigt wird“, so Siller.

Landrat Wilhelm Schneider ging auf die Herausforderungen durch die Landes- und Bundesgesetzgebung ein, die derzeit die Energiewende bremsen würde: „Der Flaschenhals beim Ausbau von Erneuerbaren Energien ist der Netzausbau. Für uns wäre es wichtig, dass der Netzausbau sich nicht danach richtet, welcher Einspeisungsbedarf angemeldet wird und erst dann das Netz ausgebaut wird, sondern es sollte strategisch von übergeordneter Stelle geplant werden.“

Wie Landrat Schneider weiter ausführte, ist es für die Energiewende und somit auch für den Klimaschutz von enormer Bedeutung, wenn beim Artenschutz statt auf Individuen- auf Populationsschutz abgestellt werden würde. Denn es macht ja keinen Sinn auf einer relativ kleinen Fläche – auf der zum Beispiel eine Windkraftanlage entstehen könnte – Individuen einer Art zu schützen, wenn global und langfristig gesehen durch den fortschreitenden Klimawandel auf Grund von fossiler Energieträger die gesamte Population dieser Art gefährdet wird.“

„Gemeinschaftliche Aufgabe“

Für Schneider und Vogel ist es außerdem ein wichtiges Anliegen, dass die Energiewende im Landkreis als dezentrale, gemeinschaftliche Aufgabe aller Kommunen wahrgenommen wird. GUT-Geschäftsführer Siller erläuterte dazu ein weiteres grundsätzliches Problem beim Energieausbau: „Der erste Betreiber einer Erneuerbaren Energieanlage, der ins Netz einspeist, kann unter Umständen die gesamte Kapazität des Netzes ausreizen und alle weiteren Interessenten kommen nicht mehr zum Zug ihre erneuerbaren Energiepotenziale auszunutzen.“

Auf die Frage, warum nicht viele andere Landkreise bei der Energiewende soweit sind, antwortete Siller, dass es zwar meistens einen Klimaschutzbeauftragten gebe, die ähnliche Konzepte für ihre Landkreise erstellen, wie im Landkreis Haßberge, aber dann fehlt es meistens an den Strukturen für die Umsetzung und Einbindung der Bürger. „Diese Strukturen haben wir im Landkreis Haßberge mit der GUT und der BEG geschaffen.“

„Sehr modellhaft“

Nach diesen umfangreichen Ausführungen der drei Verantwortungsträger zeigten sich die Energiepolitiker des Wirtschaftsausschusses beeindruckt von dem strategischen und strukturellem Vorgehen des Landkreises Haßberge in Sachen Energiewende. Vorsitzende Kerstin Schreyer lobte den Landkreis als einen „Vorzeige-Landkreis“, von dem sich viele andere Landkreise, was die Strukturen mit GUT und BEG betrifft, noch was abschauen könnten. Insbesondere die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger vor Ort und der Grundgedanke die Wertschöpfung bei der Energiegewinnung im Landkreis zu halten sei sehr modellhaft und nachahmenswert“, so die Ausschussvorsitzende.

Im Anschluss an den Austausch mit der GUT besichtigte der AK Wirtschaft die „Power-to-Gas-Anlage“ der Stadtwerke Haßfurt im Haßfurter Hafen. Stadtwerke-Geschäftsführer Nobert Zösch erläuterte neben der Funktionsweise der Anlage wie mit regional erzeugter Energie günstigen Wasserstoff herstellen kann. Wie Zösch ausführte, ist es auch für die Stadtwerke zentrales Thema die Stromproduktion mit der Wärmeproduktion zu kombinieren, damit die Energiewende nicht nur beim Strom sondern auch bei der thermischen Energie erfolgreich wird. Kerstin Schreyer lobte, dass die Stadtwerke die „Power-to-Gas-Anlage“ ohne staatliche Förderung auf die Beine gestellt haben.

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