Die Aufgabe ist immens, die Zahlen sind gewaltig: Die Autobahn A3 zwischen Biebelried und Fürth-Erlangen wird derzeit auf einer Länge von mehr als 70 Kilometern von vier auf sechs Spuren erweitert. Seit vier Jahren buddeln, graben und wühlen sich die Bagger und Kräne bereits durch die Erde und den Asphalt. Wenn alles gut geht, sollen die Baustellen-Schilder in rund zwölf Monaten wieder verschwinden. „Wir liegen gut in der Zeit“, sagt Thomas Schwenzer, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft A3-Nordbayern, auf Anfrage unserer Redaktion.
A3 Ausbau bei Herzogenaurach unter Zeitdruck
Rund 1000 Mitarbeiter seien vom Kranführer bis zum Kaufmann aktuell mit den Arbeiten rund um den Ausbau der Autobahn beschäftigt. „Wir wollen Ende nächstes Jahres alles wie geplant fertig haben“, gibt sich Schwenzer trotz diverser Rückschläge zuversichtlich und spricht dennoch von einem „sportlichem Zeitplan“.
Erst im Februar 2020 hatte das Firmenkonsortium, das hauptsächlich aus den Bauunternehmen Bunte und Eiffage besteht, den Zuschlag für die „heutigen Anforderungen gerecht werdende“ Modernisierung bekommen. Die Autobahn-Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland hatte das Projekt seinerzeit als bundesweit bislang größtes Infrastrukturprojekt in Öffentlich-Privater-Partnerschaft (ÖPP) mit einem Kostenumfang von insgesamt rund 2,8 Milliarden Euro vergeben und dabei offensichtlich besonders die Geschwindigkeit der Bauarbeiten im Blick gehabt.
Jeder Bauabschnitt ist ein Großprojekt
Die öffentliche Hand, ist sich Schwenzer sicher, hätte für den gleichen Streckenabschnitt die doppelte oder dreifache Zeit benötigt. Die größte Herausforderung beim Management der Baustelle sei die Tatsache, dass häufig auf vielen Bauabschnitten gleichzeitig gearbeitet werde. „Jeder dieser Bauabschnitte ist für sich genommen bereits ein Großprojekt“, betont Schwenzer.
Neubau der Aurachtalbrücke an A3 bei Herzogenaurach
Momentan würden sich die Bauarbeiten hauptsächlich auf die Errichtung der großen Überführungsbauwerke konzentrieren. Der längste Brückenneubau zwischen Biebelried und Fürth-Erlangen entsteht mit einer Länge von fast 300 Metern derzeit im Aurachtal bei Herzogenaurach.
Bei Autofahrern ist die Baustelle als Nadelöhr berüchtigt. Schwenzer geht davon aus, dass man nach der Umlegung der Verkehrsführung auf die bereits ausgebaute Fahrbahn in nördlicher Richtung nach Frankfurt am Main endlich in der Lage sein werde, auf der Brücken-Baustelle „deutlich breitere Fahrstreifen“ für die Verkehrsteilnehmer einzurichten.
Talbrücke über den Aischgrund bei Höchstadt
Das zweitlängste Überführungsbauwerk auf dem gesamten Streckenabschnitt sei die rund 200 Meter lange Talbrücke übe den Aischgrund bei Höchstadt. Dort werde gerade mit Feuereifer ebenfalls an der Fertigstellung der Fahrbahn in Richtung Frankfurt gearbeitet. Noch in diesem Jahr soll laut Schwenzer der Ausbau der Brückenfahrbahnen in Richtung Nürnberg in Angriff genommen werden. „Einer der ersten Schritte wird der Rückbau der zweiten Hälfte der alten Aurachtalbrücke sein“, kündigt Schwenzer an und versucht die Nerven der staugeplagten Pendler dabei wohl etwas zu besänftigen.
A3: Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg
„Wir tun unser Bestes, um die Herde der rollenden Kamele täglich durch das Nadelöhr zu bekommen“, sagt Schwenzer im Hinblick auf den viel befahrenen Streckenabschnitt mit rund 100.000 Verkehrsteilnehmern pro Tag. „Ich bin weiter zuversichtlich, dass wir den sportlichen Zeitplan einhalten können und bis Ende 2025 tatsächlich fertig werden“, sagt Schwenzer und hofft darauf, dass die Bauarbeiten beim Endspurt von kleineren und größeren Katastrophen verschont bleiben.
Neben der Corona-Pandemie und dem Ukraine-Krieg hätten besonders starke Regenfälle für Ärger auf der megalangen Autobahn-Baustelle gesorgt. Selbst blockierte Seewege hätten die Nachschublieferungen für die Bauarbeiten auf der A3 in Nordbayern verzögert. Ein Bauarbeiter sei bislang leider durch eine Verkettung unglücklicher Umstände ums Leben gekommen. Ansonsten hätten sich bislang keine weiteren Unfälle ereignet.
Trotz des Zeitdrucks wollen sich die Bauarbeiter übrigens nicht hetzen lassen. „Wir wollen schon aus Eigeninteresse allerhöchste Qualität abliefern“, sagt Schwenzer. Schließlich müssten die privaten Autobahnbetreiber nicht nur alle Reparaturarbeiten bis 2050 selbst bezahlen. Eine Lizenz zum Gelddrucken ist das Zusammenspiel zwischen der staatlichen Autobahn und den privaten Baufirmen offensichtlich ohnehin nicht. Allein die Kosten für den sechsstreifigen Ausbau werden sich laut Schwenzer auf rund 1,5 Milliarden Euro belaufen.
Unterhalt der A3 bei Herzogenaurach
Neben der Erweiterung der Fahrbahn der Autobahn A 3 sei das Baukonsortium auch drei Jahrzehnte lang für den Betrieb und den Unterhalt des Autobahnabschnitts zuständig. „Am Ende der 30 Jahre wollen und müssen wir die Autobahn auch wieder in einem Tiptop-Zustand an den Bund zurückgeben“, erklärt Schwenzer. Damit der Plan am Ende tatsächlich aufgeht, dürften bei den aktuellen Bauarbeiten keine großen Fehler gemacht werden.
Lesen Sie auch:












