9. September. 5.28 Uhr. Gleis 3.
Am frühen Dienstagmorgen soll die erste Bahn seit 15 Tagen wieder von Forchheim aus in Richtung Bamberg fahren. Das verspricht zumindest die Anzeige in der DB-App. Ab dann verkehren die Züge wieder fahrplanmäßig von und nach Forchheim. Zwei Wochen lang dauerte die Vollsperrung der Strecke zwischen Dom- und Königsstadt. Zwei weitere Wochen für Pendler und Reisende. Immerhin: Die jetzige Wiedereröffnung markiert einen Schlusspunkt einer jahrelangen Bahn-Baustellen-Odyssee.
Verkehrsprojekt Deutsche Einheit: Vier Gleise zwischen Bamberg und Forchheim
„Mit Abschluss der Arbeiten auf dem letzten Abschnitt der Ausbaustrecke ist ein großer Meilenstein für einen leistungsfähigeren und zukunftssicheren Bahnverkehr zwischen Nürnberg und Bamberg erreicht“, vermeldet die Deutsche Bahn. Dieses Großprojekt mit dem Namen „Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8“, kurz „VDE 8“, umfasst mehrere Einzelprojekte, unter anderem den viergleisigen Ausbau der Strecke zwischen Nürnberg und Bamberg (VDE 8.1). Mit den letzten Arbeiten auf einer zehn Kilometer langen Strecke zwischen Altendorf, Hirschaid und Strullendorf (alle im Landkreis Bamberg) ist die vorerst letzte Etappe geschafft.
Dort wurden bis zuletzt Gleise und Weichen geprüft, letzte Lücken an den Lärmschutzwänden geschlossen, das elektronische Stellwerk auf den neusten Stand gebracht, provisorische Bauwerke wie etwa Hilfsbrücken zurückgebaut sowie die Technik für Signale, Telekommunikation und Stromversorgung montiert und abgenommen.
Forchheim-Bamberg: Strecke zwei Wochen lange komplett gesperrt
Laut Bahn war für diese Arbeiten erneut eine sogenannte Sperrpause notwendig, also eine Schließung des gesamten Zugverkehrs zwischen Forchheim und Bamberg. „Besonders im Bereich der Leit- und Sicherungstechnik, also den Anlagen, die den Zugverkehr steuern und überwachen, sind Arbeiten nur möglich, wenn keine Züge mehr fahren. Zudem können Bauwerke wie provisorische Bahnsteige und alte Streckenverbindungen nur während einer kompletten Streckensperrung zurückgebaut werden“, schreibt die Bahn.
Für Forchheims Reisende und Pendelnde waren die vergangenen beiden Wochen die (wohl vorerst) letzten großen Geduldsprüfungen. Immer wieder mussten einzelne Streckenabschnitte vorübergehend gesperrt und Schienenersatzverkehr eingesetzt werden. Nicht selten liefen diese mehr oder minder chaotisch ab, Pendelfrust war in den vergangenen Jahren jedes Mal vorprogrammiert.
Dennoch zieht die Bahn ein positives Fazit für das Projekt. Und das bereits am 25. August, noch bevor die aktuelle Sperrung in Kraft getreten ist. Auf eine aktuelle Anfrage seitens fraenkischertag.de hält sich die zuständige Bahnsprecherin bedeckt, verweist auf einen Pressetermin zu einem späteren Zeitpunkt.
Vier Jahre Bahnausbau rund um Forchheim in Zahlen
Bleiben als Resümee aktuell lediglich einige nackte Zahlen. In den vergangenen Jahren wurden zwischen Bamberg und Nürnberg insgesamt 52 Kilometer Gleise verlegt, 82 Kilometer Oberleitungen angebracht, 19 Kilometer Lärmschutzwände aufgestellt sowie 47 Weichen, 31 Brückenbauwerke und fünf barrierefreie Haltepunkte errichtet.
Fast 300 Millionen Euro hat allein der vierspurige Bahnausbau zwischen Forchheim und Eggolsheim gekostet. Dabei entstanden auf acht Kilometern acht Brücken (darunter die deutschlandweit einzigartige Zwillingsbrücke über die A73) und ein neuer S-Bahn-Halt im Forchheimer Norden.
Fahrgastverband Pro Bahn: Positives Fazit mit Einschränkungen
Lukas Iffländer blickt grundsätzlich positiv auf das, was sich schienenseitig zwischen Bamberg und Forchheim getan hat. Der Vorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn Bayern sagt auf Anfrage, dass sich das Ergebnis des viergleisigen Ausbaus „sehen lassen kann“. Für viele Bahnkunden bringe der Ausbau Besserungen. Und doch sieht er einige Punkte, die aus seiner Sicht hätten besser laufen können in den vergangenen Jahren.
„Die Pendler hier müssen seit fast 20 Jahren immer wieder mit teilweise oder kompletten Sperrungen leben“, so Iffländer. Dies hätten die Ausbauplaner anders planen können, etwa indem sie die Bauabschnitte nicht starr nacheinander durchgezogen hätten, sondern mehr parallel gebaut hätten. „Das hätte die Belastungen vor Ort entzerren können“, sagt er. Und, auch wenn die Bahn in ihrem Baustellenblog von der „letzten Ausbaustrecken-Sperrpause“ spricht, heiße das für Forchheims Bahnkunden noch lange nicht, dass alles überstanden sei.
Bahnausbau erreicht Bamberg: neue Einschränkungen für Forchheim
Denn für die Bahn kommt der dicke Brocken des Gesamtprojekts erst noch: der Knotenpunkt Bamberg. Dort wird seit vielen Jahren geplant, gestritten, neu geplant und wieder gestritten. Darüber hinaus erwartet die Bahnbauer gleich das nächste komplexe und vermutlich viele Jahre andauernde Megaprojekt.
„Innerhalb des Stadtgebiets Forchheim hat die Bahn mustergültig ausgebaut“, sagt Iffländer zwar. Das heiße, dass die Belastungen künftig nicht so heftig ausfallen dürften wie bislang, vermutet er. Aber ganz ohne Schienenersatzverkehre werden die Forchheimer auch in den kommenden Jahren nicht auskommen. „Mit weiteren Belastungen im Zuge des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit (VDE) ist auch in Forchheim zu rechnen“, sagt er.















