Nicht artgerecht?
Anzeige gegen Tambachs ehemalige Falknerei
Die Tierschutzorganisation Peta hat Strafanzeige gegen die ehemalige Falknerei in Tambach erstattet, weil das Anbinden der Greifvögel im Wildpark nicht artgerecht gewesen sein soll.
Die Tierschutzorganisation Peta hat Strafanzeige gegen die ehemalige Falknerei in Tambach erstattet, weil das Anbinden der Greifvögel im Wildpark nicht artgerecht gewesen sein soll.
Foto: Peta
Coburg – Die Tierschutzorganisation Peta beschreibt das Anbinden der Greifvögel als "Leben voller Entbehrungen und Leid". Jetzt ermittelt die Polizei.

Der Bussard sitzt auf einem Baumstamm vor einem Holzverschlag, an seinem Fuß ein Lederriemen, der ihn am Wegfliegen hindert. Die Bewegungsfreiheit reicht bis zur Vogeltränke.

Wegen ihres majestätischen Anblicks werden sie die Könige der Lüfte genannt. Doch auf den Fotos und Videoaufnahmen, die unserer Redaktion vorliegen, machen die Raubvögel einen wenig königlichen Eindruck. Die Tierschutzorganisation Peta hat Strafanzeige gegen acht Tierparks wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erstattet.

Darunter befindet sich auch der Bayerische Jagdfalkenhof, der bis zum vergangenen Monat im Wildpark Schloss Tambach angesiedelt war. Explizit geht es um die Anbindehaltung, wie sie in der Falknerei gängige Praxis ist.

Das Video von Peta zeigt angeblich einen Bussard in Tambach, der vergeblich versucht, die "Fußfessel" mit dem Schnabel zu lösen.
Das Video von Peta zeigt angeblich einen Bussard in Tambach, der vergeblich versucht, die "Fußfessel" mit dem Schnabel zu lösen.
Foto: Screenshot: Peta

Die Wildvögel würden stunden- oder tagelang in Bodennähe angeleint, heißt es von der Tierschutzorganisation. "Für die Greifvögel bedeutet das ein Leben voller Entbehrung und Leid. "Die Vögel müssten einen Großteil ihres Lebens vor sich hin vegetieren, damit sie dem Publikum in Tierparks vorgeführt werden können. Ein Video, das Peta ebenfalls mitliefert, zeigt die Raubvögel angebunden in den verschiedenen Wildparks.

Eine Aufnahme, sie stammt laut Beschreibungstext aus diesem Jahr, zeigt angeblich einen weiteren Bussard in Tambach, der immer wieder vergebens versucht, die lederne Fußfessel mit dem Schnabel zu lösen. Peta fordert ein Ende dieser Anbindehaltung. Im Fall der ehemaligen Falknerei im Tambacher Wildpark ermittelt nun die Polizei Coburg. "Es geht darum, dass die Greifvögel mit Lederbändern fixiert waren und wir prüfen nun, ob Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vorliegen", bestätigt Stefan Probst von der Polizei Coburg auf Nachfrage. Derzeit würden Zeugen befragt.

Anette Gräfin zu Ortenburg vom Wildpark Tambach erklärt am Dienstag, dass sie den Vertrag mit dem Bayerischen Jagdfalkenhof, der im Landkreis Fürth angesiedelt ist, bereits Ende des vergangenen Jahres gekündigt hat. Das habe zwar nicht vorrangig mit der Anbindehaltung der Greifvögel zu tun gehabt, die seit jeher in der Falknerei gängige Praxis sei. "Wir waren aber insgesamt unzufrieden und wollen die Falknerei im kommenden Jahr als Tierpark selbst betreiben." Bis Ende Dezember hätte der Falkenhof laut Vertrag Zeit gehabt, aus dem Tierpark "auszuziehen". Das sei aber bereits im vergangenen Monat passiert.

Die Reaktion des Falkenhofs

Was ist mit den Raubvögeln passiert? Unsere Redaktion erhält vom Falkenhof lediglich die Antwort, dass sich der Geschäftsführer derzeit im Ausland befindet. Auf der Homepage heißt es noch, dass der Jagdfalkenhof in den Wildpark Tambach integriert ist und den barrierefreien Blick auf verschiedene Greifvogelarten bietet, darunter Falken, Adler und Geier. Und weiter: "Durch die falknerische Haltung ist ein direkter Blick ohne störende Gitter auf die Tiere möglich."

Gräfin zu Ortenburg kündigt derweil an, dass die Greifvögel künftig im Wildpark Tambach in Volieren gehalten werden sollen. Wenn alles nach Plan läuft, so hofft sie, ab dem Sommer 2022. Beide Haltungsformen hätten ihre Vor- und Nachteile, erklärt der Vorsitzende des Coburger Landesbunds für Vogelschutz, Frank Reißenweber.

Wenn die Greifvögel angebunden werden, sei es wichtig, dass sie einmal am Tag richtig ausfliegen können. "Das ist wie in der Natur. Da jagen sie meist eine Stunde lang und den Rest des Tages verdauen sie."

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