Florian Rose ist selber in einer Gastwirtschaft groß geworden. Deshalb kennt er auch die gesellschaftliche Funktion, die ein Wirtshaus hat: Hier kommen Menschen zusammen, zum gemeinsamen Reden, Essen und Trinken. Wie wichtig solche Orte sind, habe man doch speziell in den Lockdowns während der Corona-Pandemie gemerkt, sagt der 35-Jährige. Und jetzt? „Die Leute wollen wieder raus und in die Gastwirtschaften!“ Doch ausgerechnet eine Regelung, die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie steht, könnte das ohnehin schon grassierende Wirtshaussterben noch einmal zusätzlich beschleunigen.
7 – um diese Zahl dreht sich momentan fast alles bei Florian Rose, der seit Juli neuer Regionalgeschäftsführer für Oberfranken im Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) ist. Denn in Corona-Zeiten war die Mehrwertsteuer auf Speisen in Restaurants von 19 auf 7 Prozent gesenkt worden. Doch diese Senkung ist befristet bis 31. Dezember 2023. Sprich: Ab 1. Januar 2024 soll wieder der Mehrwertsteuersatz von vor Corona gelten.
Eine Familie und das Schnitzel
Welche Folgen das für eine Branche hätte, die auch schon mit kräftig gestiegenen Einkaufspreisen sowie nach oben geschnellten Energiekosten zu kämpfen hat, macht Florian Rose an einem Beispiel deutlich: „Ein Schnitzel, das heute 14,80 Euro kostet, müsste 1,65 Euro teurer werden, wenn die höhere Mehrwertsteuer an den Gast weitergegeben wird.“ 1,65 Euro mag auf den ersten Blick nicht viel sein. Aber bei einer vierköpfigen Familie wären das schon 6,60 Euro. Florian Rose sagt aber klipp und klar: „Essen gehen ist kein Luxus – Essen gehen sollte sich jeder leisten können.“ Auch und gerade wegen der gesellschaftlichen Komponente.
200 Betriebe befürchten das Aus
Okay, Florian Rose muss einräumen, dass das Wirtshaussterben bereits vor Corona begonnen hat. Unter anderem, weil sich das Freizeitverhalten der Menschen geändert hat. Aber eben auch, weil die Menschen auch schon vor Corona mehr aufs Geld geschaut haben. Und jetzt soll das Essen im Lokal noch teurer werden?
Die Dehoga hat eine Umfrage gemacht: Etwa zehn Prozent der Gastronomiebetriebe in Oberfranken gehen davon aus, dass sie schließen müssen, wenn die Mehrwertsteuer wieder auf 19 Prozent erhöht wird. In absoluten Zahlen wären das fast 200 Gastwirtschaften. Bereits in den Jahren 2019 bis 2021 haben laut Dehoga-Angaben mehr als 700 Betriebe in Oberfranken geschlossen.
„Alarmierende Zahlen“
„Das sind alarmierende Zahlen“, sagt Florian Rose. Doch zugleich treiben ihn diese Zahlen auch an, den Kollegen in der Branche zu helfen. Dass er fest daran glaubt, dass „die 7“ bleibt, hat nicht zuletzt mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zu tun. Während des Gesprächs mit unserer Zeitung holt Florian Rose sein Handy heraus. Er muss nur wenige mal darauf tippen, um ein ganz bestimmtes Video präsentieren zu können: Zu sehen ist Scholz, wie er im Wahlkampf 2021 verspricht, dass der Mehrwertsteuersatz auf Speisen bei 7 % bleiben wird. „Ich nehme den Kanzler beim Wort“, sagt Rose – wohlwissend, dass sich nicht mehr alle im Regierungslager an dieses Versprechen erinnern können.
Nachhaltiger als „to go“-Essen
Ein weiteres Argument für die „7“ ist für Florian Rose die Gleichbehandlung mit der Besteuerung von geliefertem Essen. Denn für diese „to go“-Branche wird auch 2024 noch der niedrige Mehrwertsteuersatz gelten. „Aber es kann doch nicht sein“, sagt Rose, „dass auf abgepacktes Essen weniger Steuer bezahlt werden muss als auf frisch zubereitetes Essen, das von Personal auf nachhaltigen Tellern im Restaurant serviert wird!“
Flexiblere Arbeitszeit
Apropos Personal: Auch dann, wenn das Thema Mehrwertsteuer irgendwann erfolgreich abgeschlossen sein sollte, dürfte es Florian Rose nicht langweilig werden in seiner neuen Tätigkeit. „Als nächstes wollen wir dann eine Flexibilisierung der Arbeitszeit angehen!“ Denn derzeit beträgt die maximal zulässige Arbeitszeit in der Gastrobranche acht Stunden am Tag; in Ausnahmefällen sind zehn Stunden am Tag möglich. Die Dehoga möchte das geändert haben auf eine Wochenarbeitszeit von maximal 40 Stunden. Wie diese 40 Stunden dann auf die Tage verteilt werden, soll individuell und „flexibel“ geregelt werden können. Florian Rose nennt ein Beispiel: „Wenn eine Hochzeitsfeier um 14 Uhr beginnt, ist das Personal schon ab 13 Uhr im Einsatz. Nach der jetzigen Regelung müsste das Personal spätestens um 23 Uhr ausgetauscht werden. Besser wäre aber, das Personal bis zum Schluss der Feier arbeiten zu lassen, und an den darauffolgenden Tagen erfolgt der Zeitausgleich.“
Obwohl also bereits eine Herausforderung die nächste jagt, freut sich Florian Rose auf die vielen Aufgaben. „Mir macht das Arbeiten mit Menschen sehr viel Spaß – deshalb liebe ich ja auch die Gastronomie so sehr!“ Als Dehoga-Regionalschäftsführer wolle und werde er deshalb auch nicht nur am Schreibtisch sitzen.Wichtig sei es ihm, viel draußen unterwegs zu sein. „Ich möchte wissen, was unsere Mitglieder bewegt.“
Beim „Stanglwirt“ und im Robinson Club
Zur Person Florian Rose, heute 35 Jahre jung, stammt aus Grub am Forst. Nach dem Abitur am Gymnasium Ernestinum in Coburg machte er zunächst beim „Stanglwirt“ in Going am Wilden Kaiser eine Lehre zum Restaurantfachmann. Anschließend studierte er BWL mit dem Fachbereich Hotel und Tourismus an der International University in Bad Honnef.
Es folgten Stationen im In- und Ausland: Er sammelte Erfahrungen in großen Betrieben wie dem Sheraton Frankfurt Airport Hotel oder dem Robinson Club Cala Serena auf Mallorca, war aber auch in kleineren, inhabergeführten Betrieben tätig wie dem Vital- und Sporthotel Brixen im Thale. Die vergangenen fünfeinhalb Jahre war er als Operations-Manager bei der Hotelkette Novum Hospitality für insgesamt 32 Hotels im süddeutschen Raum mitverantwortlich. Seit 1. Juli 2023 ist Florian Rose neuer Regionalgeschäftsführer für Oberfranken im Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga.
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