Über die lobenden Worte von Kulturstaatsministerin Claudia Roth hatten sich die Verantwortlichen der Stadt Coburg sichtlich gefreut: Am 8. Juli war es, als die Grünen-Politikerin bei einem Bummel übers Samba-Festival die Ukraine-Fahne entdeckt hatte, die seit März am Prinz-Albert-Denkmal befestigt war. „Das ist ein unglaublich wichtiges Zeichen, und das bewegt mich sehr“, sagte Roth im Beisein aller drei Bürgermeister. Denn es sei schon etwas Besonderes, die ukrainische Fahne am „wichtigsten Denkmal mitten in der Stadt“ zu platzieren. „Das zeigt, dass die Menschen in der Ukraine nicht vergessen sind.“
Gestohlen und beschädigt
Ärgerlicherweise wurde die Ukraine-Fahne genau eine Woche nach Roths Coburg-Besuch gestohlen. Als Täter konnten mehrere alkoholisierte Jugendliche ermittelt werden; sie hatten die Fahne mit in den Steinweg genommen und dort auch erheblich beschädigt. Inzwischen ist die Fahne zwar repariert, doch zurück an den Albert wird sie trotzdem nicht kommen.
"Außergewöhnliche Situation"
Louay Yassin, der Pressesprecher der Stadt Coburg, hatte bereits unmittelbar nach dem Diebstahl erklärt, dass das Albert-Denkmal grundsätzlich „sakrosankt“ sei. Das bedeutet: Das Denkmal gilt quasi als heilig und unantastbar; das Anbringen irgendwelcher Zeichen und Botschaften verbietet sich deshalb. Bei der Ukraine-Fahne, die als eine reine Privataktion im März am Denkmal befestigt worden war, habe man aber toleriert. Denn: „Außergewöhnliche Situationen erfordern auch außerordentliches Handeln“, sagte Louay Yassin im Gespräch mit dem Coburger Tageblatt. Und die Fahne sei ja auch eine „sehr sehr gute Idee“ gewesen. Doch nachdem sie gestohlen war, habe man sich entschieden, künftig nicht mehr ein Auge zuzudrücken.
Neue Aktion geplant
Die Privatperson mit der „sehr sehr guten Idee“ ist der Coburger Sprayer und Aktionskünstler Alex. Der hätte die Ukraine-Fahne jetzt gerne wieder am Albert-Denkmal angebracht, akzeptiert aber natürlich die Entscheidung der Stadt.
Louay Yassin sagte dem Coburger Tageblatt, dass die Stadt sehr wohl wieder ein Zeichen der Solidarität mit der Ukraine setzen möchte. Dieses Zeichen soll aber nicht nur an einer Stelle zu sehen sein. Stattdessen ist etwas geplant, das sozusagen durch die Stadt „wandern“ kann. Mit der Gestaltung eines entsprechenden Banners oder Transparents wurde der Sprayer Alex beauftragt.
Sehr viel unkomplizierter ist in diesen Tagen eine unbekannte Person vorgegangen, die an der Coburger Mohrenbrücke für ein kleines Zeichen der Solidarität gesorgt hat: Der weiblichen Steinfigur wurde eine Kette umgehängt, an der in den ukrainischen Farben das Friedenssymbol baumelt. Übrigens: Diese Steinfigur ist sehr schön, gilt aber nicht als „sakrosankt“.
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