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Weltkindertag
Kinder haben Rechte!
In der UN Kinderrechtskonvention sind die Kinderrechte seit 1992 festgeschrieben und in Deutschland gültig. Das Bild haben Coburger Kinder zum Weltkinderschutztag gemalt.
In der UN Kinderrechtskonvention sind die Kinderrechte seit 1992 festgeschrieben und in Deutschland gültig. Das Bild haben Coburger Kinder zum Weltkinderschutztag gemalt. // Christiane Lehmann
Coburg – Der Kinderschutzbund Coburg geht in die Offensive und macht in Grundschulen und Kindergärten auf die Kinderrechtskonvention der UN aufmerksam.

Kinder dürfen doch eh schon alles. Und jetzt sollen die Kinder noch mehr Rechte bekommen! Nein. Das Vorurteil – oder auch die Angst mancher Eltern vor dem neuen Projekt des Kinderschutzbundes Coburg Stadt und Land ist unbegründet. Kinder haben diese Rechte bereits – festgeschrieben in der UN-Konvention von 1992. Also seit 30 Jahren.

Und trotzdem werden diese Kinderrechte oft missachtet. Vielleicht auch, weil sie gar nicht bekannt sind. Genau aus diesem Grund hat sich der Kinderschutzbund entschlossen, die Perspektive des Kindes in den Focus zu rücken. Anke Fröhlich, die ihre Bachelorarbeit über Kinderrechte an der Hochschule Coburg schreibt, wird das Projekt begleiten. Das Tageblatt hat mir ihr über ihre Motivation und Zielsetzung gesprochen.

Anke Fröhlich leitet das Projekt Kinderrechte des Kinderschutzbundes.
Anke Fröhlich leitet das Projekt Kinderrechte des Kinderschutzbundes. // Christiane Lehmann

 

Frau Fröhlich, warum ist es notwendig, auf Kinderrechte aufmerksam zu machen? Gibt es Beispiele in Coburg, wo sie Kinderrechte missachtet sehen?

Anke Fröhlich: Da fallen mir schon ein paar Fälle ein. Nehmen wir die Jean Paul Schule. Dort soll auf einem freien Grundstück das Stadtarchiv gebaut werden. Doch genau auf dem Platz treffen sich regelmäßig Jugendliche. Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Beteiligung. Und es wäre schön gewesen, wenn man die Betroffenen in den Prozess einbezogen hätte.

Oder nehmen wir das Beispiel Kinderbetreuung. Die zwei Wochen – vom Ende des Kindergartenjahres bis zum Schulbeginn sind für Eltern oft ein Problem, da die Kinder nicht betreut werden. Das Kinderzentrum und das Domino sind proppevoll. Die Eltern kommen verzweifelt zu uns. Hier würde ich mir wünschen, dass die Träger und die Politik eine bessere Netzwerkarbeit leistet. Da greifen gleich mehrere Kinderrechte, das auf Bildung, Betreuung und Gesundheit.

Aber sind da nicht die Eltern gefordert?

Es geht dabei um niederschwellige Angebote für den kleinen Geldbeutel. Eltern, die es sich leisten können, suchen sich eine Tagesmutter oder eine private Kinderbetreuung.

Sie starten ihr Projekt in einer Grundschule und im Kindergarten. Wie muss man sich das vorstellen?

Zunächst sprechen wir mit den Eltern. Wir wollen Vorurteile abbauen und deutlich machen, um was es uns geht.

Und um was geht es Ihnen?

Eltern sollen erkennen, dass Kinder keine Belastung, sondern eine Bereicherung sind. Ich frage die Eltern, was ihnen denn als Kind gefehlt hat oder was sie sich gewünscht hätten. Oft kommen dann Antworten, wie mehr Zeit mit meinen Eltern oder dass sie auch mal selbst was entscheiden konnten.

Und was hat das mit Kinderrechten zu tun?

Kinder haben ein Recht auf Beteiligung. Das heißt, sie dürfen auch mit entscheiden. Natürlich geht es nicht darum, dass Kinder sagen, wo es lang geht. Aber sich bewusst zu werden, wie oft wir Kindern etwas überstülpen, was sie gar nicht wollen – ob beim Anziehen oder bei Ausflügen – wäre ein Anfang.

Haben Kinder tatsächlich ein Recht auf Privatsphäre?

Aber sicher. Kinder haben das Recht einfach mal nichts zu machen und faul in ihrem Zimmer zu liegen. Ich plädiere auch dafür, immer anzuklopfen bevor man das Kinderzimmer betritt. Wir wollen ja auch nicht, dass die Kinder plötzlich im Schlafzimmer stehen.

Aber wenn das Zimmer aufgeräumt werden muss, wie verhalte ich mich dann?

Den Kindern einen gewissen zeitlichen Spielraum geben. „Du hast Zeit bis Samstag, aber dann möchte ich, dass hier Ordnung herrscht“, wäre ein Beispiel statt zu sagen: „Und jetzt wird hier aufgeräumt.“ Natürlich haben Eltern auch Verantwortung für all das. Es geht mir aber um eine wertschätzende Kommunikation mit liebevollen Konsequenzen.

Gehört dazu nicht auch eine große Portion Vertrauen in die Kinder? Unbedingt. Vertrauen gibt Kindern Mut und Kraft. Wer ihnen Freiräume lässt und ihnen zutraut, dass sie etwas alleine schaffen – selbst auf die Gefahr, dass sie scheitern, stärkt seine Kinder. Sie lernen aus Erfahrung und bekommen Resilienz für ihr späteres Leben. Sie erfahren nämlich, wie es ist zu scheitern und dabei trotzdem geliebt zu werden.

Kinder haben auch ein Recht auf Erholung und Freizeit. Wie geht das einher mit den vielen Freizeitaktivitäten, die manche Kinder haben und kaum rum kommen? Ja, da möchte ich die Eltern gerne sensibilisieren. Viele Kinder haben zu viel um die Ohren. Sie dürfen sich gerne auch mal langweilen. Auch, wenn man es kaum glauben mag, aber tatsächlich entstehen in solchen Zeiträumen oft fantastische, kreative Gedanken.

Und wie möchten Sie die Kinder für ihre Rechte sensibilisieren?

Nun, ich denke, Kinder haben schon ein Gespür für ihre Bedürfnisse. Am Weltkindertag (Dienstag, 20. September) gehen hier in Coburg die Kinder auf die Straße und wollen für ihre Rechte demonstrieren. Das Kinderzentrum hat uns und das Jugendzentrum zu der Demo eingeladen. Beachtlich finde ich, dass die Initiative von den Kindern ausging. Ich bin gespannt, was ich auf den Bannern lesen werde.

Die Fragen stellte Christiane Lehmann.

 

Die wichtigsten Kinderrechte in Kurzform

Gleichheit Alle Kinder haben die gleichen Rechte. Kein Kind darf benachteiligt werden. (Artikel 2)

Gesundheit Kinder haben das Recht gesund zu leben, Geborgenheit zu finden und keine Not zu leiden. (Artikel 24)

Bildung Kinder haben das Recht zu lernen und eine Ausbildung zu machen, die ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten entspricht. (Artikel 28)

Spiel und Freizeit Kinder haben das Recht zu spielen, sich zu erholen und künstlerisch tätig zu sein. (Artikel 31)

Freie Meinungsäußerung und Beteiligung Kinder haben das Recht bei allen Fragen, die sie betreffen, mitzubestimmen und zu sagen, was sie denken. (Artikel 12 und 13)

Schutz vor Gewalt Kinder haben das Recht auf Schutz vor Gewalt, Missbrauch und Ausbeutung. (Artikel 19, 32 und 34)

Zugang zu Medien Kinder haben das Recht sich alle Informationen zu beschaffen, die sie brauchen, und ihre eigene Meinung zu verbreiten. (Artikel 17)

Schutz der Privatsphäre und Würde Kinder haben das Recht, dass ihr Privatleben und ihre Würde geachtet werden. (Artikel 16)

Veranstaltungen Am Samstag. 17. September, informiert der Kinderschutzbund und das Bündnisbüro Familie von 10 bis 13 Uhr in der Spitalgasse über Kinderrechte. Am Dienstag, 20. September, demonstrieren Kinder von 14.30 Uhr bis 15.45 Uhr in der Stadt für ihre Rechte.

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