Das muss man sich mal vorstellen: 2022 war bereits das siebte Jahr für die „Cortina“ am neuen Standort im Steinweg. So richtig „verflixt“ schien es zuletzt aber eigentlich nur dort zuzugehen, wo die Eisdiele zuvor angesiedelt war: in der Spitalgasse 29. Das Gebäude steht seit mittlerweile mehr als drei Jahren leer, denn im Oktober 2019 war auch der Hauptmieter „G-Fashion“ ausgezogen. Erste Versuche, die beiden Gewerbeeinheiten neu zu vermieten, blieben ohne Erfolg. Wohl auch deshalb entschied sich der Eigentümer für einen grundlegenden Umbau, der im Februar 2021 begann: Allen voran wurden das Treppenhaus und der Aufzug versetzt, damit die Fläche im Erdgeschoss künftig als Ganzes genutzt werden kann.
Wie zu hören ist, gab es immer wieder Probleme mit der Materialbeschaffung – klar, der Umbau ging mitten in der Corona-Pandemie los, und inzwischen sind auch noch die kriegsbedingten Lieferengpässe dazu gekommen. Nichtsdestotrotz gibt es jetzt Licht am Ende des Tunnels beziehungsweise der Dauerbaustelle: „Realistisch ist, dass der Umbau im Frühjahr 2023 abgeschlossen ist“, sagt Dieter Haimann. Für ihn ist diese zeitliche Einschätzung vor allem deshalb wichtig, weil er sich als Makler von „Engel & Völkers“ um die künftige Vermietung kümmert.
Wie Dieter Haimann durchblicken lässt, sind gleich mehrere Interessenten für die Gewerbeeinheit im Erdgeschoss vorhanden. Was konkrete Namen betrifft, muss sich der Makler aber noch bedeckt halten. Er betont jedoch: „Es gibt interessante Ideen, die dieser Ecke würdig sind!“ Mit dieser Formulierung spielt er auf die exponierte Lage des Gebäudes an: Für Besucher, die vom Bahnhof in die Stadt laufen, ist es der erste Blickfang in der Innenstadt.
Während der Corona-Pandemie hatte der gesamte Einzelhandel mit massiven Probleme zu kämpfen. Auch die Spitalgasse als beste Einkaufslage von Coburg rutschte in die Krise. Aber jetzt? „Die Nachfrage nach der Spitalgasse ist wieder da“, hat Dieter Haimann beobachtet. Allerdings gehe der Trend nicht mehr zu den riesigen Flächen. Genau das zeigt sich übrigens auch in der Spitalgasse 29: Ursprünglich war die Verkaufsfläche im Erdgeschoss zusammen mit der Fläche im ersten Obergeschoss angeboten worden, ausdrücklich für Handel oder Gastronomie.
Doch nach Tageblatt-Informationen konnte weder ein Interessent aus dem Bereich Gastro gefunden werden, noch überhaupt jemand, der gleich beide Etagen nutzen möchte. Wenn, dann gab (und gibt) es gewerbliche Interessenten ausschließlich fürs Erdgeschoss. Deshalb werden im ersten Obergeschoss – wie auch im zweiten und dritten – Wohnungen entstehen.
+++ Bleiben Sie mit uns auf dem Laufenden. Klicken Sie hier und melden Sie sich für unsere kostenlosen Newsletter an. +++
HINTERGRUND: Zur Geschichte des Hauses
Hintergrund Im Gebäude Spitalgasse 29, das aus dem 19. Jahrhundert stammt, wurde schon immer viel umgebaut. Zunächst als reines Wohnhaus genutzt, erfolgte 1891 die erste markante Teil-Umnutzung: Damals ließ sich der Seifensieder Hermann Heinze im Erdgeschoss einen Laden einbauen. Wie im Denkmalschutzbuch von Otto Titz und Peter Morsbach außerdem nachzulesen ist, wurde 1913 ein weiteres Ladenlokal eingebaut; es wurde fortan vom Handschuhfabrikanten Richard Heß genutzt. Jener Heß, mit dem zugleich der Weg zum späteren „Sporthaus Heß“ gelegt war, ließ 1922 sogar noch ein drittes Geschäft einbauen.
Nach und nach wurden auch Teile der Obergeschosse gewerblich genutzt. 1954 wurde das gesamte Erdgeschoss zu einer Einheit – so, wie es jetzt auch wieder sein wird. Von 1981 bis Ende 2015 befand sich in einem Teil des Gebäudes das Eiscafé „Cortina“. Die Ära des Sporthauses Heß an diesem Standort ging 1993 zu Ende. Nachmieter wurde „G-Fashion“. Eigentümer des Gebäudes ist ein Privatmann aus Nordrhein-Westfalen.
Lesen Sie auch:

















