Als Lydia Werner am Donnerstagmorgen gegen 4.30 Uhr zu ihrer Arbeitsstätte, der Bäckerei in der Kersbacher Straße kommt, sieht sie schon von weitem das Flutlicht und die vielen Polizeibeamten. Dann sieht sie auch, was passiert ist: Der Geldautomat der VR Bank Bamberg-Forchheim der Filiale in Kersbach wurde gesprengt.
„Angst habe ich nicht, aber heute früh war das schon ein Schock“, sagt Werner am Donnerstagmittag auf FT-Anfrage. In der Bäckerei selbst sei nichts passiert.
Dafür sind direkte Nachbarn in der Nacht durch die laute Explosion aus dem Schlaf gerissen worden.
Mehr Fotos vom gesprengten Geldautomat gibt es in der Bildergalerie:
In der Nacht auf Donnerstag, 28. Juli, ist gegen 2.40 Uhr in Kersbach in der Kersbacher Straße ein Geldautomat gesprengt worden. Bei dem Automaten handelt es sich um ein in der Bankfiliale verbautes Gerät, teilt das Bayerische Landeskriminalamt (BLKA) in einer Pressemeldung am Donnerstag mit.
In Richtung A 73 geflüchtet
Die unbekannten Täter flüchteten anschließend in Richtung der Autobahn 73. Die weitere Fluchtrichtung ist noch nicht bekannt. Der Tatort liegt nur wenige hundert Meter von der Autobahnauffahrt Forchheim-Süd entfernt.
Das Bayerische Landeskriminalamt hat die Ermittlungen übernommen. Genauere Untersuchungen des Sprengstoffs sollen in den kommenden Tagen im Kriminaltechnischen Institut des BLKA in München stattfinden.
Wie viele Täter beteiligt?
Fest steht, dass es sich bei dem Sprengstoff um festen Sprengstoff und nicht um Gas gehandelt hat, sagt Ludwig Waldinger, stellvertretender Leiter der Pressestelle am BLKA. Bisher gebe es noch keine neuen Erkenntnisse über die Täter, außer, dass mehrere Personen beteiligt waren. Wie viele davon etwa noch im Fluchtauto gewartet haben, wisse man nicht.
Über die Schadenssumme könne er keine Auskunft geben: „Uns genügen schon die Täter, die das machen, wir brauchen nicht noch Nachahmer.“
Viele Taten in Franken
Der gesprengte Automat in Kersbach ist kein Einzelfall. Bayernweit wurden in diesem Jahr bisher 16 Automaten gesprengt, sagt Waldinger. In der vergangenen Zeit kam es in Franken vermehrt zu Sprengungen, besonders im Landkreis Bamberg. Im Februar 2019 wurde der Automat der Commerzbank in Forchheim gesprengt, im Dezember 2020 einer in Hiltpoltstein.
Oberfranken als Hotspot?
Dass Oberfranken das Hauptziel von Automatensprengern ist, kann der BLKA-Sprecher aber nicht bestätigen – zumindest nicht mehr. Im vergangenen Jahr sei Oberfranken in der Statistik zwar „absolut überrepräsentiert“ gewesen. Mittlerweile würden die Täter aber auch auf andere Bezirke in Bayern ausweichen.
Aufklärung: „Leider momentan erfolglos“
Ein Zusammenhang zwischen den Taten werde durchaus geprüft. „Das ist schon auffällig, wie das Ganze vonstattengeht“, sagt der Sprecher. Gut möglich, dass die Täter von Forchheim aus in Richtung niederländische Grenze gerast sind. Rund zwei Drittel der Taten würden von Gruppierungen aus den Niederlanden begangen, sagt Waldinger. Die Chancen auf Aufklärung der Taten? „Leider momentan erfolglos.“
Fest steht: Die Filiale in Kersbach soll wieder öffnen – inklusive Geldautomat, sagt Thomas Schwarz von der VR Bank. Wann es so weit ist, stehe aber noch nicht fest.
Zeugenaufruf:
Das Bayerische Landeskriminalamt bittet um Mithilfe und stellt folgende Fragen:
1. Wem sind in den Nachtstunden im Bereich der Kersbacher Straße in 91301 Forchheim, Ortsteil Kersbach, verdächtige Personen aufgefallen?
2. Wer hat im Vorfeld in der näheren Umgebung verdächtige Wahrnehmungen gemacht, die im Zusammenhang mit der Sprengung des Geldautomaten stehen könnten?
3. Wer kann sonst sachdienliche Hinweise zur Tat, den Tätern oder dem Fluchtfahrzeug geben?
Hinweise nimmt das Bayerische Landeskriminalamt unter der Telefonnummer 089 / 1212 – 0 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.
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